Neue Supermarkt-Pläne für die Altstadt

Die Gerberpassage in Freiberg ist in die Jahre gekommen - und muss jetzt mit dem Auszug von dm einen Verlust verkraften. Die Betreiber setzen auf Modernisierung. Kommt ihnen ein anderes Projekt in die Quere?

Freiberg.

Der Supermarkt in der Gerberpassage in der Freiberger Altstadt soll deutlich vergrößert und aufgewertet werden. Das ist der Kern eines Konzeptes zur Modernisierung der Passage, mit der die Betreiberfirma Carl Steyer GmbH im kommenden Jahr beginnen möchte. Aktuell ist auf dem fraglichen Marktareal ein Penny-Markt untergebracht. Wie Uwe Krause, Geschäftsführer der GmbH, nun mitgeteilt hat, laufen aktuell Gespräche mit der Rewe-Gruppe, zu der auch Penny gehört, über die Neu-Vermietung des Marktes.

Doch dessen Ausbau ist nur ein Punkt in den Plänen, mit denen Uwe Krause das Areal zwischen Mönchsstraße, Meißner Gasse und Untermarkt wieder in Tritt bringen will. Das 1992 eröffnete Einkaufszentrum ist in die Jahre gekommen. Mit AWG kam bereits 2010 ein wichtiger Mieter abhanden, die Modekette zog damals an die Petersstraße. Und nun hat die Gerberpassage ein weiteres Zugpferd verloren: Die Drogeriekette dm baute ein neues Domizil im Stadtteil Friedeburg.

Ein großer Verlust, daraus macht Uwe Krause keinen Hehl. Dennoch: "Unser Areal wird sich als gut zu erreichender Versorgungsstandort in der Freiberger Altstadt behaupten", ist er sich sicher. Wichtige Mieter wie Mayer's Markenschuhe, Bowling, Bäcker, Fleischer, Apotheke und Reisebüro bleiben erhalten, sagt er. Ebenso Ärzte. Büroflächen in den Obergeschossen sollen mit den Häusern Meißner Gasse 21, 23, 25 verbunden, ein Innenhof mit Oberdeck zur baulichen Mitte des Hauses der Dienstleistungen werden. Die anstehenden Umbauten verfolgen vor allem einen Zweck: Die Aufenthaltsqualität in der Passage zu erhöhen. "Ein Trend im Handel", sagt Krause. Er spricht von attraktiverer Wegführung, einem Café, das zum Verweilen einlädt, einer multimedialen Ausstellung, die die Geschichte des Ortes erlebbar und erfahrbar macht.

Die Passage steht auf traditionsreichem Boden. 1763 gründete Johann Georg Steyer eine Lohgerberei. Daraus entwickelte sich eine Lederfabrik, die bis in die 1990er-Jahre produzierte, in der DDR schließlich als VEB Lefatex. 1957 entstand in einem Teil der Räume eine Wäscherei, die 1990 als Steyer Textilservice GmbH eigenständig und 1996 an die Halsbrücker Straße verlegt wurde. In der Altstadt setzten die neuen alten Eigentümer künftig auf Handel.

Der Umbau könnte den Wettbewerb der Konzerne um die Freiberger noch einmal verschärfen. Schon jetzt hat die Stadt überdurchschnittlich viel Einzelhandelsfläche. Dazu entsteht derzeit am Bahnhof ein neuer Rewe-Markt, in den einstigen Aldi an der Leipziger Straße zieht Penny ein. Am Areal dort gegenüber zeigt Edeka mehr als nur Interesse. Uwe Krause und seine Gattin Anke Krause, Inhaberin des Schreibwarenladens Steyer in der Innenstadt und Chefin des Gewerbevereins, verfolgen diese Pläne genau. Ein Großmarkt an einer Einfallsstraße würde den Druck auf die Altstadt weiter verstärken, befürchten sie.

Als die Stadträte jüngst einen Bebauungsplan für den Edeka-Markt mit fast 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf den Weg bringen sollten, positionierte sich die Vereinschefin klar dagegen. Diese Dimension stehe "im krassen Gegensatz zu jeder Innenstadtbelebung", schrieb Anke Krause an die Stadträte. Sie kämpfe für alle Innenstadthändler, betonte sie gegenüber der "Freien Presse". Von ihren Vereinskollegen habe sie ausschließlich Rückendeckung erhalten. Schließlich kassierte OB Sven Krüger (SPD) den umstrittenen Vorschlag vorerst wieder ein, nun debattieren die Stadtratsausschüsse noch einmal intern.

Die Pläne für die Passage sieht Krüger positiv. Die Passage sei wichtig für die Belebung der Innenstadt. Und das Rathaus trage mit der Sanierung des Untermarkts sowie den Plänen eines Besucherzentrums für Dom sowie Stadt- und Bergbaumuseum zur Aufwertung des Areals bei. Krüger: "Wir gehen davon aus, dass hier dann sicher wieder wie in der jüngeren Vergangenheit das Leben pulsiert."

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