Oederan will Bergbau-Erbe besser zeigen

Nach Falkenauer Vorbild soll eine Wanderroute entstehen, die Stollen, Halden und sonstige Orte miteinander verbindet.

Oederan.

Es ist im Oederaner Stadtbild nicht gerade allgegenwärtig, dass dem Ort 1583 das Privileg der "Freien Bergstadt" zugesprochen worden ist. Dabei gibt es sie zuhauf; jene Orte, die vom längst vergangenen Bergbau zeugen. "Aber kaum einer kennt sie", glaubt Mike Glöckner. Er selbst gehört zum Heimatverein Falkenau, der in der Nachbargemeinde einen Bergbau-Rundwanderweg und einen Bergbau-Lehrpfad initiiert hat. Nun möchte er auch in Oederan den Anstoß zu einem vergleichbaren Angebot geben.

Dort trifft er mit seinem Vorstoß durchaus auf Interesse. "Wir sind eine alte Bergbaustadt und haben bereits angefangen, entsprechende Orte zu beschildern", so Erika Wünsch aus der Stadtverwaltung. Das sei mit Blick auf die benachbarte Welterbe-Region Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí auch wichtig. Der Oederaner Wanderwegewart Hans-Jürgen Bayerl nennt auf Anhieb einige Stellen: Im Stadtwald seien noch Reste alter Halden zu sehen, die von den Silberschächten "Himmelsfürst" und "Kirchbacher Glück" stammen. Im Stadtwald befände sich zudem der Stollen "Neuerbaut Oederan" von 1700, der in den 1930er-Jahren als Schaubergstollen erschlossen wurde. "Heute ist davon nichts mehr zu sehen; eine Infotafel am Hauptwanderweg erinnert daran", sagt Bayerl. Zudem seien in Memmendorf noch die "Kalklöcher" sichtbar, wo einst Kalk gebrochen wurde. "Künftig möchten wir geführte Wanderungen 'Auf den Spuren des Bergbaus in Oederan' anbieten", verrät Bayerl. Eine sei während der Wanderwochen 2021 am 18. September vorgesehen.

Grundsätzlich sei eine Wanderroute entlang der Bergbauorte wünschenswert, findet Erika Wünsch. Genau an dieser Stelle setzt die Initiative von Mike Glöckner an. Der Falkenauer Bergbau-Lehrpfad ließe sich in Richtung Schönerstadt und weiter über Memmendorf nach Frankenstein erweitern. Auch Görbersdorf mit seinem Ranis-Infotafel--Ensemble könnte angebunden werden.

Mike Glöckner sieht sich dabei in der Rolle des Ideengebers, der auch seine Erfahrungen von den Falkenauer Wegen weitergeben möchte. "Wichtig ist es, die Heimatvereine ins Boot zu bekommen", weiß Glöckner. Schließlich sei dort die örtliche Geschichtskenntnis gebündelt. Aber auch Privatpersonen seien interessante Partner. Die gelte es zu aktivieren.

Um die Sache ans Laufen zu bekommen, sei es erstrebenswert, zunächst ein bis zwei Stellen in den jeweiligen Ortsteilen auszuzeichnen. Später ließe sich das erweitern. "Wir haben bei unseren Wegen in Falkenau gesehen, dass solche Angebote durchaus touristisch zu vermarkten sind", sagt Glöckner. Das sei auch für Oederan interessant.

Ein Problem sieht er allerdings: In der Region um Oederan habe die Bergbauvergangenheit keine richtige Lobby. "Deshalb muss man selbst tätig werden", leitet er aus dieser Erkenntnis ab. Für eine groß angelegte städtische Initiative fehlt zudem zurzeit das Geld. Noch steckt die Initiative in den Kinderschuhen. Glöckner hat aber schon eine weiterführende Idee: "Man könnte alte, bergbaunahe Berufe einbinden."

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.