Pfarrer Laskowski: Vom Ende, das ein neuer Anfang ist

Nach zehn Jahren verlässt Pfarrer Lüder Laskowski die Kirchgemeinde Großschirma. In Leipzig wartet eine spannende Aufgabe.

Großschirma/Freiberg.

Der Gottesdienst, der am Sonntag, 14 Uhr in der Kirche Großschirma stattfindet, wird ein besonderer sein. Mit ihm wird nach zehn Jahren seines Wirkens in der dortigen Kirchgemeinde Pfarrer Lüder Laskowski verabschiedet. Dass dies mit dem Prozess des Aufgehens der Gemeinde in der neu geschaffenen Kirchgemeinde am Dom zusammenfällt, sei so nicht geplant gewesen, sagt Laskowski. Doch füge es sich nicht unglücklich.

Unter diesen Voraussetzungen, so sieht es der Pfarrer selbst, hätte er sich sowieso wieder neu erfinden müssen. Dies tue er nun an anderer Stelle. Sein Nachfolger, der momentan noch gesucht wird, könne unter gänzlich anderen Voraussetzungen sein Amt antreten, als er selbst es vor zehn Jahren getan hat.

Der Weg hin zum Pfarrer war für den heute 46-jährigen geborenen Dresdner zwar stets folgerichtig, doch ging er ihn über ein paar Umwege. Als die politische Wende in der DDR stattfand, besuchte er gerade die zehnte Klasse. "Bis dahin war klar, dass ich kein Abitur machen darf", erinnert sich Lüder Laskowski. "Dafür hatte ich schon zu oft zu viel gesagt." Doch änderte sich das mit den Umwälzungen, allerdings verbunden mit einer nicht unwesentlichen Verschiebung. "Die politische Dimension dieses Berufes fiel völlig weg", erklärt Laskowski. "Und es blieb die rein geistliche, religiöse Ebene."

So entschloss er sich, zunächst einen anderen Weg zu gehen. Er absolvierte seinen Zivildienst bei geistig Behinderten und erlernte schließlich den Beruf des Steinmetzes. Erst danach, 1996, fühlte er sich bereit, das Theologiestudium in Leipzig aufzunehmen. Sein Examen machte er an der Humboldt-Universität in Berlin und kehrte daraufhin nach Leipzig zurück.

Ein weiteres Mal nahm er nun eine Abzweigung seines Lebensweges, verfolgte den zunächst eingeschlagenen Pfad nicht weiter. "Ich habe dann eine Marketingfirma gegründet und war drei bis vier Jahre deren Geschäftsführer", erzählt er lächelnd. "Unter anderem haben wir das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zu 800 Jahre Dresden gemanagt." Auch für das Bachfest 2007 in Freiberg war die Firma zuständig, weshalb Laskowski später auf manch bekanntes Gesicht traf.

In jenem Jahr aber beschloss er auch, wieder auf den Weg zurückzukehren, den er schon zum Teil gegangen war. Einer der Gründe dafür war ein sehr vernünftiger. "Ich fühlte mich jetzt erst bereit, auf die Kanzel zu steigen", meint er. "Vorher hätte ich doch gar nicht gewusst, was ich den Leuten in der Kirche, von denen die meisten mehr erlebt hatten als ich, hätte sagen sollen."

Seinem zweijährigen Vikariat in Radebeul folgte die Entsendung in die Kirchgemeinde Großschirma. Damals war Laskowski bereits verheiratet und hatte drei Kinder. Die Lebenswege, die er nahm, ist seine Frau mitgegangen. "Dafür bin ich ihr sehr dankbar", sagt er. In Großschirma traf er auf viele interessante Menschen. "Ich werde die Verbindlichkeit und Verlässlichkeit vermissen. Auf dem Lande ist man sich sehr nahe - im Guten wie im Schlechten", sagt er.

Die zahlreichen Erfahrungen, die ihn mitunter tief beeindruckt haben, nimmt er nun mit nach Leipzig, wo er in den kommenden sechs Jahren die Aufgabe hat, zu reflektieren, wie die Kirchenarbeit in den vielen neuen Quartieren der Boom-Stadt gestaltet werden kann. "Das Projekt hat Modellcharakter und soll in die Landeskirchenprozesse und die missionarische Arbeit eingespeist werden", erzählt er, und man merkt ihm Spannung und Vorfreude an.

In Großschirma sei in seinen zehn Jahren viel geschafft worden: Der Gemeindesaal wurde fertig, die Kirche bekam einen neuen Putz, alle Orgeln der Gemeinde wurden mit neuen Prospekten ausgestattet und wurden teilweise rekonstruiert.

Verbunden mit diesem Amt war für Laskowski auch die Stelle des Studierenden- und Hochschulpfarrers an der TU Bergakademie Freiberg, von der er in der vergangenen Woche bereits verabschiedet wurde. Seelsorge und Gottesdienste für Studenten und Universitätsmitarbeiter gehörten zu seinen Aufgaben. "Zentrales Element war es aber auch, die Sprachfähigkeit der Kirche in das Milieu hineinzutragen", meint Laskowski. "Gerade der Diskurs zwischen Glaube und Wissenschaft ist in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt worden, weil vor allem die Naturwissenschaft glaubt, dass alles geklärt sei. Das ist es nicht!"

Die Arbeit mit einer ökumenischen Studentengemeinde sei eine großartige Erfahrung für ihn gewesen, aus der er viel mitnehme. Bei fünf bis sechs Veranstaltungen pro Semester konnte er insgesamt rund 100 Referenten aus den unterschiedlichen Bereichen, nicht nur dem wissenschaftlichen, zuhören. Das sei purer Luxus gewesen, bekennt er.

Eine neue Zeit beginne jetzt für ihn, und eine erfüllte geht zu Ende. Rückblickend sagt Lüder Laskowski: "Und Erfüllung ist ein vielstimmiges Wort."


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