Solarworld: Entscheidung über weiteres Verfahren steht an

Für nächsten Donnerstag ist eine Versammlung der Gläubiger des insolventen Konzerns anberaumt. In Freiberg wird derzeit noch produziert.

Freiberg/Bonn.

Im Wilhelmbau des Amtsgerichts Bonn entscheidet sich in einer Woche, wie es bei Solarworld in Freiberg weitergeht. Für 10 Uhr ist am 12. Juli eine Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren über das Vermögen der Solarworld Industries GmbH anberaumt.

Bei der Versammlung handelt es sich um einen Berichtstermin: Auf der Grundlage eines Berichts von Insolvenzverwalter Christoph Niering soll über den Fortgang des Verfahrens entschieden werden. Der Sanierungsexperte aus Nordrhein-Westfalen hatte bereits Ende Mai verkündet, "für Europas größten Hersteller von Solarstromzellen und Modulen" hätten "sich bisher mehr als ein Dutzend Interessenten gemeldet".

Wie Betriebsratschef Jens Uder gestern bestätigte, wird derzeit bei Solarworld in Freiberg noch produziert. Die Festlegung des Insolvenzverwalters weckt Hoffnungen, dass es am Standort weitergeht. Seit über einem Monat zahlt das Arbeitsamt kein Insolvenzgeld mehr, wie Antje Schubert von der Agentur für Arbeit in Freiberg erklärt: "Ab dem 1. Juni werden die Löhne und Gehälter auf eigene Kosten finanziert." Das Amt springt für maximal drei Monate ein. Dass ein Insolvenzverwalter den Betrieb anschließend weiterführe, sei "keineswegs ungewöhnlich", so die Pressesprecherin.

Niering, der gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar war, hatte in einem Zwischenbericht erklärt: "Der Erhalt von Arbeitsplätzen und Know-how steht auch im weiteren Verfahren im Vordergrund." Die Produktionsstätten von Solarworld zählten zum Kern der deutschen und europäischen Solarindustrie, "die im Hinblick auf Technologie und nachhaltige Produktion nach wie vor weltweit führend ist". Die Modulfertigung in Freiberg lief weiter, die Zellproduktion im thüringischen Arnstadt wurde "bis zum Abschluss des Investorenprozesses vorübergehend gestoppt".

Solarworld Industries hatte am 26. März dieses Jahres die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Am 1. Juni war das Hauptinsolvenzverfahren eröffnet worden - wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Der Hersteller von Solarmodulen hatte erst am 16.August 2017 die Anlagen der gescheiterten Solarworldgruppe in Freiberg und Arnstadt übernommen. Am gleichen Tag waren in Mittelsachsen 294Mitarbeiter übernommen worden, davon 67 von Solarworld Innovations, der Forschungstochter des einstigen Vorzeige-Konzerns. Für 596 frühere Solarwerker war das Datum mit dem Wechsel in eine Transfergesellschaft verbunden gewesen, wie der damalige Insolvenzverwalter weiter berichtet hatte.

Nach seinen Worten hatten zugleich in Arnstadt 181 Beschäftigte in Solarworld Industries einen neuen Arbeitgeber gefunden; 477 der Mitarbeiter in Thüringen sollten in einer Personaltransfergesellschaft weiter qualifiziert und vermittelt werden. Am offiziellen Hauptsitz in Bonn wechselten den Angaben vom August 2017 zufolge 40 Beschäftigte zur Solarworld Industries GmbH.

Unmittelbar nach der neuerlichen Pleite war die Skepsis groß, ob die Solarbranche in Freiberg eine Zukunft hat. "Eine Industrie, die nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen produziert, wird auch der Staat auf Dauer nicht halten können", hatte Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) eingeschätzt.

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