Stadt will umstrittenen Entwurf für Museumsanbau nachbessern

Die Denkmalschützer des Freistaats verweigern der beschlossenen Fassade die Zustimmung. Eigentlich sollte nun der Stadtrat eine neue Gestaltung absegnen. Doch die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Freiberg.

Ein Fremdkörper, fragwürdig, eine Trauerhalle: Massiv kritisierten Teile der Freiberger Bürgerschaft den vor einem Jahr vom Stadtrat beschlossenen Entwurf für den Anbau des Stadt- und Bergbau-Museums. Domkantor Albrecht Koch meldete sich ebenso zu Wort wie Herbert Pforr, Autor zahlreicher Bücher über Freiberg und die Bergbaugeschichte. Nun gibt es für die Kritiker Hoffnung: Die umstrittene Optik wird womöglich noch einmal nachgebessert. Darüber verhandeln Vertreter vom Rathaus und vom Landesamt für Denkmalschutz miteinander, wie Freibergs Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) gestern der "Freien Presse" bestätigte.

Bereits in einem Antrag vom 15. Mai hatte die Fraktion FDP/Verein Haus und Grund den Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) aufgefordert, dem Stadtrat einen neuen Entwurf für die Gestaltung des Baus zwischen Museum und den sogenannten Domherrnhäusern vorzulegen - und zwar so, dass er "den Anforderungen des Landesamtes zur Fassadenplanung entspricht", wie die Fraktion formuliert. Zu Einzelheiten oder Hintergründen will Fraktionschef Claus Mildner öffentlich keine Stellung nehmen. Er verweist auf seine Verschwiegenheitspflicht gegenüber Inhalten von nicht-öffentlichen Sitzungen. Der zuständige Referent im Landesamt für Denkmalschutz war gestern außer Haus unterwegs und für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Klar ist aber, dass ein neuer Entwurf bereits existiert. Denn auch darüber sollten die Stadträte bei ihrer turnusgemäß für morgen anberaumten Sitzung bereits befinden. "Die gestalterische Lösung wurde überarbeitet und wird dem Stadtrat als Änderung zum Baubeschluss zur Entscheidung vorgelegt", heißt es in den dazu im Internet veröffentlichten Unterlagen für die Stadträte.

Reuter aber erklärte nun, dass die Rathausspitze diesen Punkt noch einmal von der Tagesordnung streiche. Er verwies auf die Verhandlungen mit dem Landesamt. "Es sind gute Gespräche, wir sind auf einem guten Weg", versicherte Reuter. Es gäbe verschiedene Auffassungen fachlicher Natur über die Gestaltung, aber man sitze sich keinesfalls in Schützengräben gegenüber. Ob aber das Ergebnis am Ende ein völlig neuer Entwurf sein werde oder eine Änderung der vor einem Jahr beschlossenen Fassung, könne er noch nicht sagen, so der Baubürgermeister.

Der umstrittene Fassadenentwurf stammt von dem Freiberger Architekten Volker Benedix. Benedix hatte den Kritikern damals entgegnet, dass es sich um einen Vorentwurf handele, an dem noch gearbeitet werde. Benedix zeigte sich mit der Visualisierung seiner Gedanken nicht zufrieden. Gleichwohl gab es zahlreiche Fürsprecher. Baubürgermeister Reuter selbst sagte damals, die Diskussionen zeigten, dass es sich um einen interessanten Entwurf handele. Und ein "Freie Presse"- Leser schrieb: "Architektur muss streitbar sein, sonst taugt sie nichts."


Kommentar: Eine Chance

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Das heißt: Nicht das Volk direkt entscheidet, sondern die vom Volk gewählten Vertreter - nach bestem Wissen und Gewissen. Das Wesen dieser Art Demokratie: Wer über eine Sache befindet, kann sich ihr intensiv widmen. Sachverstand und Überzeugung geht somit manchmal vor der Mehrheit. Das muss nicht schlecht sein. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten, die Menschen nicht nur bei Wahlen um ihre Meinung zu fragen. In Freiberg werden zum Beispiel beim Bürgerhaushalt Wege gesucht, Bürger und gewählte Vertreter zusammen zu bringen. Warum die Verwaltung solche Wege bei der Gestaltung des Museumsanbaus bislang nicht beschreitet, bleibt ihr Geheimnis. Schon der erste Entwurf löste teils heftige Reaktionen aus. Nun wird nach dem Veto der Denkmalschützer dieser Entwurf geändert. Darin liegt eine Chance, die Bürger besser mitzunehmen als beim ersten Mal. Wir werden sehen, ob Otto Normalfreiberger auch zur neuen Optik der Fassade seine Meinung erst sagen kann, wenn sie beschlossen ist.

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