Startklar für die Digitalisierung: Fehlt nur noch die Technik

Während vor der Oberschule bald munter gesurft werden kann, geht's im Schulgebäude noch ziemlich analog zu. Ein Hoffnungsschimmer: Die Stadt will 2019 investieren.

Brand-Erbisdorf.

Vor der Oberschule und der Bibliothek in Brand-Erbisdorf kann man demnächst frei im Internet surfen. Die Stadt hat kurz vor Weihnachten 5000 Euro bekommen, um eine WLAN-Zone mit Internet-Hotspots einzurichten.

Schulleiterin Martina Kilian schmunzelt. Sie freut sich über den Sonderpreis, den die Stadt beim City-Wettbewerb "Ab in die Mitte" gewonnen hat: "Ich sehe es als erstes Krümelchen vom Kuchen." Denn, das ist das Groteske an der Situation: Im Schulgebäude selbst ist die Internetverbindung lahm wie eine Schnecke, die Computer alt wie Steinzeit, WLAN gibt es gar nicht. "Das Internet ist zu langsam, um den Speiseplan auf unsere Schulhomepage hochzuladen", schildert sie. Derzeit nutzt sie einen UMTS-Stick, um überhaupt arbeitsfähig zu sein. Manchmal arbeite sie von zuhause aus, wenn sie in der Schule nicht vorankommt.

Oberbürgermeister Martin Antonow (parteilos) kennt die Sorgen. "Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende 2020 mit mobilen Endgeräten im Unterricht unterwegs sind", sagte er vor rund 480 Schülern und deren Lehrern zum Jahresabschluss an der Oberschule. Auf Nachfrage der "Freien Presse" erklärte er, dass 2019 etwa 75.000 Euro für die Erneuerung der Netzwerktechnik sowie WLAN vorgesehen sind. "In den Folgejahren sollen für die Oberschule mobile Endgeräte beschafft werden; beginnend 2020 für gut 34.000 Euro, ab 2021 für jeweils 14.000 Euro", so der OB. Auch die Grundschule Am Haasenweg soll 2020 für rund 82.000 Euro mit Informationstechnologie ausgestattet werden. Der Haushaltsplan 2019/2020 ist aber noch in Arbeit und soll, so der Plan, Ende März ausgelegt werden.

Wenn die Oberschule dann digitalisiert ist, können die insgesamt 482 Schüler im Internet surfen, recherchieren, nachlesen, Fakten prüfen - so wie es der Lehrplan auch vorsieht. Dann könnten die Lehrer endlich "LernSax" nutzen. Das ist eine internetbasierte Lernplattform mit zahlreichen Unterrichtsmaterialien, die vom Sächsischen Kultusministerium als schulische Alternative zu kommerziellen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter empfohlen wird.

Kilian und ihre Kollegen stehen in den Startlöchern: Ein "LernSax"-Profil hat die Schule schon, die Lehrer seien fortgebildet, das pädagogische Konzept liege bereit und Medienscouts sollen ausgebildet werden, um Schülern einen vernünftigen Umgang mit Medien, zum Beispiel in Chatrooms, beizubringen. "Wir können nicht endlos der Zeit hinterher bleiben. Zu Hause sind die Kinder bestens ausgestattet", sagt Kilian. Aber in der Schule müssten Lehrer ihre eigenen Laptops mitbringen, um den Beamer zu nutzen.

Die Oberschule Brand-Erbisdorf ist nicht allein mit diesem Problem. Im November waren Vertreter zahlreicher Schulen aus ganz Deutschland zu Gast in Brand-Erbisdorf, um sich über die Digitalisierung an ihren Schulen auszutauschen. "Manche Schulen haben Tablet-Klassen, andere sind auf dem Stand wie wir", erzählt Kilian. Davon, dass Schüler ihre eigenen Endgeräte im Unterricht nutzen, hält sie nichts. "Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickeln. Da sind wir uns einig", betont sie.


Hotspots: In drei bis vier Monaten könnte gesurft werden

Derzeit werden bei den Erdarbeiten schon Leerrohre verlegt, um die Datenleitung zum Sender zu bringen, erklärt Brand-Erbisdorfs Bauamtsleiter Dierk Schülke. Die Sender, also die Hotspots, werden in den Lampen integriert sein, die den Bereich vor dem Schulgebäude und der Bibliothek erleuchten. "Ich denke, im Frühjahr 2019 wird das abgeschlossen sein. Da sind die Hotspots mit drin", sagt Schülke. Das WLAN von einem Hotspot strahlt circa 50 bis 100 Meter aus, erklärte Innerebner. Das heißt, dass das WLAN von außerhalb der Schule nicht unbedingt bis in die Schule hineinreicht.

Gesponsert wird der Preis von IT-Experte Walter Innerebner. Mit seinem Unternehmen hat er sich auf die Ausstattung von WLAN im öffentlichen Raum, unter anderem in Skigebieten, Städten und Schulen, spezialisiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz habe er eigenen Angaben zufolge bereits 800 Städte mit rund 25.000 Hotspots versorgt. "Den Wettbewerb finde ich sehr interessant, deshalb unterstütze ich ihn", erklärt Walter Innerebner.

Für 5000 Euro könne er vier Hotspots vor der Schule und der Bibliothek einrichten. Von der Ortsbegehung bis zum ersten Surfen dauert es etwa drei bis vier Monate, sagt er. Allerdings müsse die Stadt erst festlegen, wo wie viele Hotspots entstehen sollen.

Den Sonderpreis "WLAN-Zone" des Innenstadt-Wettbewerbes "Ab in die Mitte!" mit einem Preisgeld von 5000 Euro hat Eddy Donat von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung dem Oberbürgermeister zum Jahresabschluss in der Oberschule Brand-Erbisdorf überreicht.

Ursprünglich hatte sich Brand-Erbisdorf mit dem Campus-Konzept "Schule mittendrin - Ein Ort der Begegnung für Generationen" beworben. Schüler, Eltern, Lehrer haben lange daran gefeilt; Vorschläge der Stadt sind eingeflossen. Im Konzept waren zwei Hotspots vor dem Schulgebäude vorgesehen. Weil die Oberschule aber nicht direkt in der Innenstadt liegt, gab es den Sonderpreis. "Damit wollen wir anerkennen, dass sich die Schule weiterentwickeln will", erklärt Donat. (cor)

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