Und wieder ist die Zugspitze weg

Was verbindet Zug und Amerika? Beides sind mittelsächsische Ortsteile, deren Namen offenbar Begehrlichkeiten wecken. Regelmäßig werden Schilder gestohlen - das geht nicht nur ins Geld.

Freiberg/Zug.

Die Zugspitze ist mit 2962 Metern Deutschlands höchster Berg. Es gibt sie aber noch in klein - an der Flurgrenze zwischen Zug, Berthelsdorf und Brand-Erbisdorf. Ortskundige wissen, dass es sich dabei um den Teil einer Haldenlandschaft handelt. Gebäude wie Huthaus, Bergschmiede und Bethaus zeugen von der Montanhistorie.

Manch einer findet es offenbar toll, sich die Zugspitze zu Hause an die Wand zu pinnen. "Allein in diesem Jahr wurden fünf Wegweiser zu dem Ausflugsziel entwendet", sagt Gerd Bellmann. Er ist Vorsitzender des Brauchtumsvereins, dessen Mitglieder sich nicht nur um Feste im Ort kümmern, sondern auch für die Wegweiser an den Kreuzungen verantwortlich zeichnen. Er habe jetzt Anzeige erstattet, um auch rechtlich gegen die Schilderdiebe vorzugehen, sagt Bellmann. Immerhin koste ein Schild rund 45 Euro. Da 2019 bereits drei Schilder gestohlen oder von Vandalen zerstört wurden, gehe die Neubeschaffung allmählich ins Geld. "Ganz abgesehen davon, dass die unvollständigen Wegweiser nicht schön sind und zudem keine Orientierung für Ortsunkundige mehr existiert", so der Vereinschef.

Vor rund zehn Jahren hatte der Verein an den Kreuzungen in Zug optisch ansprechende Wegweiser aufgestellt: hölzerne Stämme, die sich nach oben hin gabeln, darüber ein kleines Dach, die Schrift ist in alten deutschen Lettern gehalten. Sie weisen etwa zum Drei-Brüder-Schacht, dem Rotvorwerk, Langenrinne oder zum Friedhof.

"Insgesamt neun Wegweiser haben wir aufgestellt", erzählt Gerd Bellmann. Drei von ihnen seien erst in diesem Jahr vollständig erneuert worden. Nur die Bretter, die den Weg weisen und auf die die Schilder montiert werden, sind die alten geblieben. Der Tischler, der die Wegweiser entwarf, hat von diesen Brettern einen kleinen Vorrat geschaffen. Dieser geht nun zum Verdruss der Zuger Initiatoren zur Neige.

Nicht nur die Schilder zur Zugspitze verschwinden seit vergangenem Jahr, auch die zum Beschert Glück und zum Stollnhaus. Der Wegweiser an der Kreuzung Hauptstraße beim Obergöpelschacht, nahe dem Kreisverkehr, ist der beliebteste bei den Langfingern. Der letzte Diebstahl ist erst wenige Wochen her. Die vier Wegweiser am nahen Radweg sind ebenso in ständiger Gefahr. "Die Stämme, an denen die Schilder angebracht sind, werden dabei außerdem beschädigt", so Bellmann. "Es ist heutzutage gar nicht so einfach, solche Holzgabeln in dieser Größe noch zu bekommen."

Das Problem der geklauten Schilder verbindet den idyllischen Freiberger Stadtteil übrigens mit Amerika, einem Ortsteil von Penig, dessen Ortseingangsschilder auch regelmäßig verschwinden. Der Zuger Brauchtumsverein betont, dass der Schilderklau keineswegs ein Kavaliersdelikt ist. Vielleicht, so hofft Bellmann, überlegt es sich der eine oder andere Dieb und gibt die entwendeten Schilder ebenso heimlich zurück, wie er sie mitgenommen hat.

Die Vereinsmitglieder haben indes auch anderes zu tun. Nachdem beinahe sämtliche Feste und Veranstaltungen, die der Brauchtumsverein in dem Freiberger Stadtteil organisiert, wegen der Coronapandemie in diesem Jahr ausfallen mussten, ist man derzeit dabei, zumindest das traditionelle Halloween am 31. Oktober im Zuger Haldenpark auszurichten. "Wir bereiten es derzeit vor", erklärt Vereinschef Gerd Bellmann. "Dafür feilen wir an einem Hygienekonzept, damit wenigstens dieses Fest stattfinden kann." Alle Beteiligten sind optimistisch, dass es klappt.

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