Weiter Ärger mit dem Fahrplan

Eine Tour mit dem Bus durch Freiberg zeigt: Gerade ältere Fahrgäste verlieren kaum ein gutes Wort über den neuen Busplan.

Freiberg.

Werden in Freiberg Bewohner des Seilerbergs und des Wasserbergs, insbesondere die Älteren, nach den neuen Bus-Fahrplänen befragt, fällt die Antwort oft einseitig aus. Die Umstellung vom Dezember ist, so der Tenor, eine einzige Katastrophe. Vor Ort am Seilerberg steigt Helmut Mühle aus seinem Auto. Damit komme er schneller voran. "Keiner weiß so richtig wo und wie die Busse fahren", moniert der 80-Jährige. Er selber habe kein Internet. "Die meisten aus der Gegend beschweren sich über die neuen Fahrpläne."

Die Leute beklagen etwa längere Fußwege, ausgedehnte Fahrzeiten und schlechte Anbindungen. "Man sollte den Fahrplan wieder so einrichten, wie er vorher war," wünscht sich etwa Christfriede Hahn, die am Seilerberg wohnt. "Wir kommen kaum zum Häuersteig oder zum Wasserberg, da muss man eine Stadtrundfahrt unternehmen." "Ausgegrenzt" ist das Wort, das die 83-Jährige benutzt.

Wie lange dauert es nun, um vom Seilerberg zum Häuersteig oder in die Stadt zu gelangen? Die "Freie Presse" machte den Selbsttest. Los geht es mit der Linie D von der Haltestelle Müntzerstraße/Seilerberg. Der Regiobus kommt pünktlich um 13.08, ist etwa 8 Minuten später am Busbahnhof. Hier heißt es, 20 Minuten warten auf die Linie C. Ziel: das Gewerbegebiet am Häuersteig. Die Tour gleicht einer Stadtrundfahrt, die, zuletzt über den Wasserberg führend, nach einer halben Stunde am Häuersteig endet. Vom Wasserberg aus beträgt die Fahrtzeit eine Stunde. Genauso lange gilt das Ticket für den Regiobus.

Doch warum steigen die Anwohner des Seilerbergs nicht einfach in die Linie C ein, die entlang der Brander Straße, direkt am Seilerberg vorbei, nach ein/zwei Stationen am Häuersteig endet?

Eine 80-jährige Seniorin, die mit ihrem Mann vom Häuersteig zum Seilerberg zu Fuß unterwegs ist, sagt: "Viele sind nicht mehr so fit wie wir." Die Haltestelle Brander Straße/Siedlung sei abgelegen und schwer zu erreichen, besonders für Menschen mit Rollator. Vor der Änderung des Fahrplans sei es besser gewesen.

Etwa eine Stunde später: Zurück am Busbahnhof ist etwas Zeit, um mit einigen der wartenden Fahrgäste über die neuen Fahrpläne zu sprechen. Als "saumäßig" bezeichnet eine Rentnerin ihre Verbindung. Sie ist mit der Line A vom Wasserberg gekommen. Vor allem störe sie sich daran, dass die Linie D den Wasserberg nun nicht mehr bedient. Eine weitere Dame stößt dazu. Bald bildet sich ein kleiner Tross. Namen nennen möchte keiner. "Nichts klappt mehr", wirft eine weitere Rentnerin in die Runde. Unter der Woche müsse sie zur Therapie in der Stadt. Am Wasserberg müsse sie erst ewig von ihrer Wohnung zur Kegelstraße laufen, danach auf die Anbindung warten. "Früher brauchte ich zehn Minuten, heute ist es manchmal eine Stunde." Ein älteres Ehepaar aus Zug, das mit der Linie B eingetroffen ist, gesellt sich dazu. Worte wie "Mist" und "Zumutung" fallen. Sie möchten zum Friedhof fahren, müssen aber 20 Minuten auf den Anschluss - die Linie D - warten. Früher hätten sie durchfahren können. Was ihnen zudem aufstößt: An der Endhaltestelle, kurz vor dem Friedhof, müssten alle aussteigen.


Die Änderungen des Fahrplans werden abgelehnt, aber auch positiv bewertet

Auf einer Bürgerversammlung in der Karl-Günzel-Schule auf dem Seilerberg im Dezember hatten sich zahlreiche Anwohner beschwert. Die Kritik: Mit dem durch die Fahrplanänderung zum 9. Dezember bedingten Wegfall der Stadtbuslinien B und C würde der Seilerberg links liegengelassen. Die Anbindung durch die D war da nur ein schwacher Trost. Ein weiterer Streitpunkt: Die Linie D fährt nicht mehr über den Wasserberg und die dort verkehrende Linie sei gerade für ältere Leute schwer zu erreichen. Zudem sei es ärgerlich, dass die Linie B teilweise nicht mehr bis Brand-Erbisdorf fährt.

In Abstimmung mit der Stadt hatte Regiobus reagiert und den neuen Fahrplan überarbeitet. Neun Fahrten der Linie A über den Seilerberg und neun Fahrten der Linie D bis Zug sind umgesetzt worden. "Damit konnte auf einen Großteil der Anfragen und Einwendungen reagiert werden", heißt es von Regiobus. Auch möchte man darauf hinweisen, dass "uns nicht nur negative Kritik erreicht, sondern Veränderungen auch sehr positiv bewertet werden. Nur artikuliert sich Zufriedenheit leider nicht so stark."

Das Unternehmen kündigt an, Hinweise zum Stadtverkehr zu prüfen. Weitere Änderungen seien nicht ausgeschlossen. "Nach Prüfung und Abwägung ist dies zu einem kleinen Fahrplanwechsel (Schuljahresbeginn) möglich." (akli )

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