Wenn die Gasleitung ein Loch hat

Ein Anti-Havarie-Training haben 16 Feuerwehrleute am Donnerstag in Freiberg absolviert. Zu der Übung hat eine Firma eingeladen - aus gutem Grund.

Freiberg.

Die Flamme schlägt mehrere Meter hoch. Es zischt ohrenbetäubend. Die Hitze ist enorm: Für 16 Feuerwehrleute ist am Donnerstagnachmittag auf der Baggerschaden-Demonstrationsanlage im Freiberger DBI eine Havarie an einer Erdgasleitung simuliert worden.

"Ruhe bewahren und die Flamme mit der Pulverwolke von unten nach oben wegschieben", hatte Steffen Franke den Kameraden vor der Löschübung erklärt. Erfolg versprechend sei nur der Einsatz von Pulverlöschern, so der Schulungsleiter vom Trainingszentrum Erdgas des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) weiter. Bei Löschwasser entstehe nur Dampf, die Abkühlung sei zu gering. Die eigene Sicherheit habe Priorität: "Die Flammen können auch hinter das Visier des Helmes schlagen - halten Sie zwei bis drei Meter Abstand!" Auch auf die Windrichtung müsse geachtet werden, so der Schulungsleiter.

Als Erster trat Toralf Wolff an die Grube: Binnen Sekunden hatte er die Flamme gelöscht. "Bei uns gab es bislang noch keine Gasunfälle. Da ist es gut zu sehen, wie man vorgehen muss", kommentierte der 45-Jährige die Übung, der bei der Freiwilligen Feuerwehr Klingenthal auch Jugendfeuerwehrwart ist.

Zu dem Anti-Havarie-Training beim DBI Gastechnologischen Institut hatte die Chemnitzer Eins-Energie Kameraden aus Bad Elster, Dennheritz, Eibenstock, Oberschöna, Thermalbad Wiesenbad, Eppendorf, Klingenthal, Crinitzberg, Colditz, Rodewisch, Theuma und Frankenberg eingeladen. Insgesamt will der Energiedienstleister nach eigenen Angaben bis Ende 2020 für rund 30.000 Euro je zwei Mitglieder von mehr als 100 freiwilligen Feuerwehren aus Chemnitz und Südsachsen schulen.

"Unser Erdgasnetz ist sehr sicher. Die Kameraden der Feuerwehren müssen nur in sehr seltenen Fällen zu Einsätzen an Erdgasleitungen ausrücken", erklärt Roland Warner, Vorsitzender der Eins-Geschäftsführung. Gerade weil diese Situationen nur vereinzelt aufträten, sei es wichtig, sie zu üben. "Mit den Anti-Havarie-Trainings möchten wir dazu beitragen, dass die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren im Umgang mit Erdgas und bei der Bekämpfung von Gasbränden Sicherheit erlangen", so Warner.

Zu der Unterweisung gehört ein Theorieteil am Vormittag, in dem die Feuerwehrleute unter anderem lernen, wie Gefahrensituationen bei unkontrolliert austretendem Erdgas vermieden werden können und welche Verhaltensregeln einzuhalten sind. Am Nachmittag schließen sich praktische Demonstrationen wie beispielsweise eine Gasexplosion in einem Keller und das Sichtbarmachen einer Druckwelle an. Apropos: Für die Löschübung hat Steffen Trinks vom DBI-GTI gestern "nur" 400 Millibar Gasdruck eingestellt. An der Trainingsanlage lägen maximal 6 bar an: "Wir haben hier einen Anschlusswert von 84 Megawatt, damit könnte man ungefähr 4000 Haushalte versorgen." Bei großen Überlandleitungen ist der Gasdruck noch deutlich höher. In der Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung Opal etwa liegen bis zu 100 bar an - und die Rohre haben einen Durchmesser von bis zu 140 Zentimetern.

Eins-Energie ist nach eigenen Angaben der führende kommunale Energiedienstleister in Südsachsen. Das Unternehmen mit Sitz in Chemnitz versorge rund 400.000 Haushalts- und Gewerbekunden mit Erdgas, Strom, Internet, Wärme und Kälte sowie Wasser und energienahen Dienstleistungen. Der Umsatz habe im Geschäftsjahr 2018 bei mehr als einer Milliarde Euro gelegen, heißt es weiter, in der Eins-Gruppe arbeiteten rund 1100 Beschäftigte. Der Energiedienstleister engagiert sich für Jugend, Sport, Kultur und soziale Projekte im Versorgungsgebiet. www.eins.de

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