Will man heutzutage noch Landwirt werden? Aber sicher!

Die Hitzewelle macht es vor allem den Landwirten derzeit schwer. Dennoch steigen die Auszubildendenzahlen wieder leicht an. Das macht Hoffnung.

Freiberg/Zug.

30 Facharbeiterzeugnisse konnte Landrat Matthias Damm gestern im Fachschulzentrum Zug an frischgebackene Land- und Tierwirte, Landwirtschaftswerker und Agrarservice-Fachkäfte übergeben. "In diesem Jahr haben drei Viertel der Auszubildenden in diesen Bereichen erfolgreich abgeschlossen", verkündete Schulleiter Gerd Alscher stolz. Etwa fünf der Absolventen sind bereits für die weiterführende Fachschulausbildung zum Techniker im Landbau angemeldet, die demnächst beginnt.

Es gibt etwas Grund zum Optimismus, denn die Zahlen bei der Ausbildung in den Agrarberufen steigen ganz allmählich wieder an. "Zwischen 40 und 50 werden es ab September sein", schätzt Alscher. Und das, obwohl die momentane Hitzeperiode zu schweren Einbußen führt. Bildungsberaterin Andrea Sillke erkennt darin keine abschreckende Wirkung. "Die jungen Leute wissen genau, worauf sie sich einlassen", meint sie. "Freie Presse" hat vier der Absolventen nach ihrer Motivation gefragt, warum sie gerade diesen Beruf erlernen wollten.


Niklas Neuhaus, Landwirt

Der 19-Jährige aus Geithain hat bei der Agraset Agrargenossenschaft Erlau bei Mittweida gelernt. "Das ist einer der vielfältigsten und schönsten Berufe, die es überhaupt gibt", sagt er. "Mein Großvater war auch Landwirt, da habe ich mich angesteckt. Es ist toll, mit Land, Tieren und dem Wetter umgehen zu können. Ebenfalls gefällt mir, draußen in der Natur zu sein. Das alles hat mich schon immer gereizt." Auch wenn seine Eltern selbst nicht in der Landwirtschaft tätig sind, stand für ihn nie wirklich in Frage, diesen Beruf einmal ausüben zu wollen.


Pascal Richter, Landwirt

Der Lunzenauer ist 19 Jahre alt und wurde ebenfalls bei der Agraset Agrargenossenschaft Erlau ausgebildet. "Es gibt in diesem Beruf sehr viel Reizvolles", sagt er. "Für mich beispielsweise ist das, die Großtechnik zu bedienen. Das ist doch mittlerweile ein großer Unterschied zu früher, was den Fortschritt angeht. Aber mit entscheidend für meine Berufswahl war auch, das Wachstum auf den Feldern und in den Ställen beobachten zu können, Ernten und Erträge zu sehen." In seiner Familie gab und gibt es niemanden, der schon vor ihm in der Landwirtschaft tätig wurde.


Vanessa Müller, Tierwirtin

Die 18-Jährige aus Steinbach wurde in der Agrargenossenschaft Neukirchen-Hirschfeld ausgebildet. Bei ihr sieht es mit der beruflichen Weiterentwicklung etwas anders aus. "Ich bin auf dem Land mit Tieren groß geworden", erzählt sie. "Da lag dieser Berufswunsch nahe. Ich habe ihn sehr gern erlernt. Dennoch gehe ich nun andere Wege, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben. Aber die Risiken, die momentan ein Thema sind, haben nicht zu diesem Entschluss geführt." Es habe sich einfach anderes ergeben.


Felix Hentschel, Landwirt

Der 19-Jährige stammt aus Geringswalde und lernte in der Reinsdorfer Agrargenossenschaft bei Waldheim. "Pflanzen von Anfang an wachsen zu sehen, das finde ich spannend", meint er. "Außerdem liegt mir, aber auch den anderen, die Herstellung von Lebensmitteln sehr am Herzen. Großstädter sehen am Ende nur, was im Supermarkt in den Regalen liegt. Die Arbeit, die dahinter steckt, Jahr für Jahr und bei jedem Wetter, die bleibt den meisten unsichtbar. Es ist ein wunderschöner Beruf, den ich gerne erlernt habe und gerne weitermachen werde."

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