Willkommen in Fantasy City

Als Architekten wuchsen Ohain-Schüler über sich hinaus. Für den nötigen Schwung sorgte eine Quereinsteigerin.

Freiberg.

"Stopp, Schau!", steht an einer leuchtenden Sperrlinie auf dem Gang der dritten Etage der Ohain-Oberschule in Freiberg. Dahinter: eine Miniaturstadt aus Pappkarton, Papier, Draht, schwarzem Klebeband und bunten Strohhalmen mit Bäumen und einer breiten Straße aus Buntpapier. "Wir machen Raum" heißt das Kunstprojekt, das Schüler der achten und zehnten Klassen seit gestern zeigen. Sowohl die Kreativität als auch die filigrane handwerkliche Umsetzung der Gedanken lassen den Betrachter staunen. "Fantasy City" haben die Schüler ihre Stadt genannt. Ein Name, der passt.

Inspiriert durch den momentanen Umbau der Schule, entstand das Projekt innerhalb des Kunstunterrichts. Kunstlehrerin Katja Hoffmann war ursprünglich freischaffende Künstlerin, kam vor drei Jahren als Quereinsteigerin in die Schule und sorgt seitdem für frischen Wind. "Frau Hoffmann ist sehr kreativ und bringt neue Ideen in den Unterricht ein", erzählt Schulleiter Dieter Heydenreich stolz. "Eigentlich ist jedes Jahr etwas anderes."

Noch mehr Stolz empfinden die Lehrerin und ihr Chef für ihre Schüler. Aus begrenztem Material und einfachen Mitteln konnten sie etwas Großes schaffen. Die Häuser auf dem Boden stammen von den Schülern der jetzigen achten Klasse. Nachdem im Kunstunterricht das Thema Architektur bearbeitet und ein Interview mit einem Architekten geführt worden war, konnte es losgehen. "Wir haben uns vorher Gedanken gemacht, und dann erst mal einen Grundriss und einen Entwurf angefertigt", erzählt Ella Schneider, die eines der Gebäude mit Leonie Rückner erdachte und erschuf. Ein halbes Jahr habe es gedauert, bis die Schüler, in Zweiergruppen eingeteilt, ihre Traumhäuser fertiggestellt hatten.

Die Schüler der nunmehr zehnten Klasse hatten es noch schwerer: Ihnen standen nur weißes Papier und Kleber zur Verfügung, und statt Traumhäusern mit Pool und Sonnenschirmen auf der Dachterrasse, sollten Klassenzimmer dargestellt werden. Davon ließen sich die Schüler allerdings nicht abhalten, Palmen in den Raum zu stellen, Wolken aufzuhängen oder das Klassenzimmer ganz einfach durch ein Zelt mit Sitzsäcken zu ersetzen. "Sie sollten in ihren Klassenzimmern Bedingungen schaffen, die für sie das Lernklima verbessern", erklärt Katja Hoffmann. "Ich möchte meinen Schülern Angebote machen, die dazu beitragen, dass sie gern in die Schule gehen."

Tatsächlich sorgte das Projekt für mehr Begeisterung der Schüler. Mit viel Elan und Kreativität waren die meisten dabei. So Jonas Benno Göhler, der zusammen mit einem Freund eigens für die Eröffnung ein Gummibärchenhaus baute. Die Ziele des Projekts gehen auch über die Schule hinaus. "Einige der Schüler hier werden dann sicher mal Leute, die in Freiberg mitbestimmen. Und dafür werden hier schon die Grundsteine gelegt", findet die Lehrerin. So erlebten die Schüler, die die Objekte, die letztendlich in der Ausstellung gezeigt werden sollten, aussuchen durften, erste Anfänge von Stadtgestaltung.

Und das Ergebnis ist selbst für die Lehrer überraschend. Neben einem Flugzeug, das inklusive dem Strand, auf dem es geparkt ist, über der Stadt schwebt, gibt es auch noch ein Haus, das wohl bewusst sanierungsbedürftig aussieht. Ist das schwarze Klebeband an anderen Häusern liebevoll als Eckverzierung oder schwarzes Schieferdach eingesetzt, vermittelt es hier in Kombination mit quer über die Fenster geklebten Pappstreifen einen verfallenen Eindruck. Passend zum realen Teil des Gesamtkunstwerks, wie es die Schüler und ihre Lehrerin gern sehen: das Baugerüst hinter dem Fenster. "Hier sieht man eben, dass man das Material vielfältig einsetzen kann. Als Befestigung, als Farbe oder für die Gestaltung", erklären die drei Zehntklässler Nicola Aigeltinger, Kennet Gartner und Jasmin Niclas, Schöpferin des Titels für die Ausstellung.

Eine Woche soll die Ausstellung noch zu sehen sein, lange genug, dass die tschechischen Austauschschüler, die ab heute in der Ohain-Schule zu Gast sein werden, die Schule trotz Baugerüsten von ihrer künstlerischen Seite kennenlernen können.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...