Windkraftpläne sorgen für Protest

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Bei Kleinschirma sollen vier Windräder errichtet werden. Die fast 250 Meter hohen Giganten würden kaum 700 Meter vor den Häusern stehen.

Kleinschirma.

Oberschönas Bürgermeister Rico Gerhardt (CDU) hält den Abstand zur Wohnbebauung für unzureichend, Naturschützer Tobias Mehnert sorgt sich um Rotmilane und Fledermäuse: Die Pläne der Stadtwerke Leipzig, auf dem Feld zwischen Kleinschirma und Kleinwaltersdorf vier Windkraftanlagen aufzustellen, stoßen in der Region auf Widerstand. "Der Rotmilan ist ein Aasfresser und solche Anlagen locken ihn wie eine Imbissbude an - eine Todesfalle für die geschützte Tierart", urteilt Mehnert.

Es sei auch wohlfeil von den Stadtwerken der Messestadt, so der Vorsitzende des Naturschutzverbands Sachsen (Nasa) weiter, das Öko-Gewissen ihrer Klientel mit vermeintlich grünem Strom zu bedienen, wenn die Anlagen dafür "in Kolonialherrenart" weit weg gebaut würden: "Sollen sie die Dinger doch um Leipzig aufstellen - dort wohnen ja auch ihre Kunden."

Bürgermeister Gerhardt verweist darauf, dass sich der Gemeinderat bereits vor Jahren gegen ein sogenanntes Vorrangeignungsgebiet an der Stelle ausgesprochen habe. "Der Abstand zu den Höfen in Kleinschirma liegt zum Teil unter 700 Metern. Auch zu Häusern in Kleinwaltersdorf ist es kaum mehr."

"Es hat den Anschein, als ob die Corona-Situation genutzt werden soll, um insgeheim vollendete Tatsachen zu schaffen", sagt Mathias Luft vom Windkraftstammtisch Kleinwaltersdorf. Die Pandemie erschwere die Kommunikation zwischen den betroffenen Anwohnern, so der Sprecher der Bürgerinitiative, und verzögere die Gesetzgebung. So habe sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für einen Mindestabstand von 1000 Metern ausgesprochen; dieser Wert sei auch im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Sachsen festgeschrieben.

"Die Planungen basieren auf den aktuell gültigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die auch in Sachsen, wie in den meisten anderen Bundesländern, keine Mindestabstände von 1000 Metern vorsehen", erklärt Frank Viereckl von den Leipziger Stadtwerken. Der Pressesprecher gibt die Entfernung zwischen den Wohnhäusern und den Windkraftanlagen mit 730 bis 784 Metern an. Die vier Anlagen seien 218 bis 246,60 Meter hoch, hätten eine Gesamtspitzenleistung von 19,4 Megawatt und würden in Summe etwa 21 Millionen Euro kosten.

Aktuell handele es sich, so der Stadtwerke-Sprecher weiter, um einen Antrag auf einen Vorbescheid, der bauplanungs-, immissions- und bauordnungsrechtliche Aspekte klären solle. Als Beispiel nennt Viereckl Schall und Schattenwurf sowie Standsicherheit und Turbulenz: "Weitere Feststellungen, zum Beispiel hinsichtlich des Natur- und Landschaftsschutzes, werden Bestandteil eines späteren Vollantrages zur Bundesimmissionsschutzgenehmigung."

Eine frühzeitige Beteiligung der Anwohner sei den Stadtwerken Leipzig wichtig, so der Sprecher: "Derzeit werden die Projektdetails für die Bürger aufbereitet und ihnen zeitnah und im Vorfeld der Beantragung des Vollantrages zur Verfügung gestellt." Mit Realisierung des Windparks könnten die Bürger durch neue lokale Stromtarife ihre Stromkosten senken und den Kommunen über die gesetzliche Ertragsbeteiligung in 20 Jahren Betriebsdauer mehr als 2 Millionen Euro zufließen, wirbt Viereckl.

Zusätzlich würden mindestens 70 Prozent der Gewerbesteuer in der Standortgemeinde der Windanlagen verbleiben. Die Betreiber würden der Gemeinde Oberschöna einen Vertrag anbieten, der ihr die komplette Gewerbesteuer sichere - Viereckl spricht von 3,5 bis 4 Millionen Euro in 20 Jahren. Es seien Unternehmen aus Sachsen - die Leipziger Stadtwerke und die eab New Energy aus Großschirma - die die Windanlagen planen, bauen und betreiben und damit langfristig Arbeitsplätze sichern würden.

In Leipzig gebe es kaum potenzielle Windkraftflächen mit 750 Metern Wohnbauabstand, räumt Viereckl ein. Das Zukunftskonzept der Stadtwerke setze auf eine intelligente Kombination von erneuerbaren, innovativen und konventionellen Technologien. Dazu zähle ein Gaskraftwerk im Herzen der Messestadt mit zwei Turbinen, die je 62,5 Megawatt elektrische und 81,5 Megawatt thermische Leistung hätten. Zudem werde in Leipzig Deutschlands größte Solarthermieanlage entstehen, auch seien hier mehrere Blockheizkraftwerke in Planung.

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