Wirbel um das "Bunte Haus"

Im Freiberger Mehrgenerationenhaus sind Angebote reduziert worden. Die Leiterin und der Chef des Kindertreffs wurden versetzt. Nun gibt es Kritik am Träger.

Freiberg.

Besucher und ehrenamtliche Mitarbeiter bangen um die Zukunft des Freiberger "Bunten Hauses". Nach Recherchen der "Freien Presse" gibt es seit einiger Zeit Unstimmigkeiten zwischen dem Team und dem Träger der Einrichtung, dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD). Sie wirken sich jetzt offenbar auf die Arbeit aus.

Das Freiberger Mehrgenerationenhaus (MGH) wurde 2007 als eines der ersten in der Bundesrepublik eröffnet. Finanziert wird das Haus, das wöchentlich bis zu 650 Besucher zählt, über das MGH-Bundesprogramm, Gelder der Stadt und des Trägers sowie Einnahmen.


Der Kindertreff ist seit Montag geschlossen, laut Aushang soll er Mitte April wieder öffnen. Sein Leiter Thomas Starke wurde per 1.April in den CJD-Hort der Winklerschule versetzt. Freie-Wähler-Stadträtin Heidi Hinkel schüttelt darüber den Kopf. "Die Schüler stehen vor verschlossenen Türen - unter ihnen viele Kinder aus sozial schwachen Familien. Für sie war Thomas Starke ein wichtiger Ansprechpartner", so Hinkel. Sylvia Richter, die bisherige Chefin des Hauses, wurde in den Kindertreff versetzt. Die Leitung übernahm bis auf weiteres Yvonne Mitterer.

Birgitt Pasternak, einstige langjährige Leiterin des "Bunten Hauses", sagt: "Besucher und Ehrenamtler stehen voll hinter Sylvia Richter und Thomas Starke." Das bestätigt Heidi Hinkel: "Wir unterstützen die beiden 100-prozentig." Auch Karin Kurucz, frühere Kursleiterin, stimmt zu.

Derzeit werde der Fokus auf Kinder und Familien gelegt - und nicht auf Senioren, findet Karin Kurucz. Diese Befürchtung äußern ihre Seniorensportgruppen auch in einem Schreiben an Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). Die Unterzeichner befürchten "den Rauswurf" der Senioren. Das Sozialministerium suchte daraufhin das Gespräch mit dem "Bunten Haus". "Es wurde uns bestätigt, dass weiterhin zahlreiche Angebote für Senioren stattfinden", so eine Ministeriumssprecherin. In einer weiteren Beschwerde, die an die zuständige Fachbereichsleiterin im CJD Sachsen ging, fordern Ehrenamtler und Besucher, dass die Senioren-Angebote nicht gekürzt werden. Neuerdings müsse jeder Kurs kostendeckend arbeiten; der bisher übliche Finanzausgleich innerhalb der Kurse sei nicht mehr möglich, heißt es in dem Brief, den rund 100 Besucher unterschrieben. Eine weitere Besucherin hatte sich im Februar an die CJD-Fachbereichsleiterin gewandt - bisher habe sie, wie die Freibergerin sagt, keine Antwort erhalten.

CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann ist Patin des Hauses. Sie warnt: "Wenn keine Lösung gefunden wird, ist Gefahr in Verzug." Der Treff habe bis 2017 sehr erfolgreich gearbeitet. Doch "um den Zeitpunkt des Ausscheidens von Frau Pasternak Ende 2017 herum"habe sich der Himmel über dem Haus verdunkelt. Das habe hauptsächlich an veränderten Strukturen des CJD gelegen. Die "offenkundigen Personalprobleme" müssten schnell gelöst werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Einrichtung ins Rutschen gerate und der Bund seine Unterstützung zurückziehe.

Die Stadt "steht zum Bunten Haus und wird es auch weiterhin unterstützen - und das nicht nur finanziell", betont Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos). Das Haus sei ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Stadt und Träger seien sich einig, dass die Angebote für Senioren ein wesentlicher Bestandteil sind. "Allerdings müssen wir auch die anderen Altersgruppen berücksichtigen", so der OB. Alle Angebote - auch für Senioren - sollten "durch qualifiziertes Personal noch weiter ausgebaut werden". Am Montag finde ein Gespräch dazu statt.

Corinna Thamm ist Referentin im CJD Sachsen. "Seniorenarbeit bleibt auch künftig eine wichtige Konstante im ,Bunten Haus'. Dennoch sind wir dem Konzept für ein Mehrgenerationenhaus, das für alle Generationen attraktiv sein soll, verpflichtet", sagt sie. Das CJD überprüfe deshalb ständig sein Portfolio, um neue Angebote zu entwickeln, "ohne dass die wichtige Seniorenarbeit vernachlässigt wird". Es gehe um die "langfristige Absicherung" des Hauses.Laut Thamm will das CJD "mitten im gemeinsamen Lösungsprozess zurückhaltend agieren". Sobald Ansätze gefunden werden, werde informiert. Weitere Auskünfte zu den angesprochenen Problemen gab es nicht. Zu personellen Interna nehme das CJD Sachsen "als verantwortungsvoller Arbeitgeber grundsätzlich keine Stellung" und gebe keine Informationen an Dritte weiter.


Kommentar: Schnelles Handeln nötig

Wenn Angebote einmal weggebrochen sind, ist es oft schwierig, sie wieder aufzubauen. Dessen sollten sich der Träger des "Bunten Hauses" und die Stadt Freiberg bewusst sein und schnell handeln. Das Mehrgenerationenhaus auf dem Wasserberg ist in den vergangenen 20 Jahren eine wichtige Adresse für alle Altersgruppen geworden. Klar, dass vor allem Senioren, Kinder und Jugendliche den Treff an der Tschaikowskistraße aufsuchen. Wer arbeitet, hat oft wenig Zeit. Doch derjenige ist froh, wenn Kinder und Eltern einen Anlaufpunkt haben. Und zwar mit Ansprechpartnern, die sie gut kennen.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    ChWtr
    08.04.2019

    Eins sollte klar sein: ein MGH bietet Vorteile für Groß und Klein - miteinander partizipieren doch Generationen und alle sollten voneinander profitieren.

    Stattdessen gibt es lt. dem Artikel Unstimmigkeiten, die man als Außenstehender nicht begreifen bzw. nachvollziehen kann.

  • 1
    1
    ChWtr
    05.04.2019

    Ohne Internas bzw. die Arbeit des MGH zu kennen, hört sich der Artikel sehr nach "größeren Unstimmigkeiten" an. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich die Senioren lt. Bericht benachteiligt fühlen. Wenn dies zutrifft und man sich "woanders" hinwendet, statt das Gespräch und eine einvernehmliche Lösung zu suchen, finde ich das sehr bedenklich und nicht zielführend.

    Ganz abgesehen von möglichen Querelen innerhalb des CJD Sachsen.



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