Wunderkammer beamt Besucher in die Natur

Mit den Themen Biodiversität und Naturschutz beschäftigt sich die neue Sonderschau in der "Terra mineralia". Auf den gehobenen Zeigefinger wird verzichtet.

Freiberg.

Neben der dauerhaften mineralogischen Sammlung zeigt die "Terra mineralia" jedes Jahr eine Sonderschau. Diesmal wird es eine multimediale und interaktive Ausstellung zum Thema "Vielfalt zählt! - Eine Expedition durch die Biodiversität" sein. Vom 18. September bis zum 27. Januar 2019 wird sie in den Räumen der "Terra mineralia" und des Bergarchivs im Schloss Freudenstein zu sehen sein.

Das wenig mit der Mineralogie verbundene Thema wurde anlässlich des zehnjährigen Jubiläums und im Gedenken an die Stifterin des Museums, Dr. Erika Pohl-Ströher, ausgewählt. Als Biologin und Chemikerin lag es ihr am Herzen, sich nie nur für eine, sondern für alle Naturwissenschaften zu interessieren. Ganz in ihrem Sinne soll die Ausstellung Denkanstöße für nachhaltige Entwicklung geben.

50 Exponate und Medieninstallationen erklären an zehn Stationen, warum die biologische Vielfalt wichtig und schützenswert ist. "Ich bin überzeugt, dass jeder, der die Ausstellung gesehen hat, zum Naturschützer wird", sagt Anna Dziwetzki, die Leiterin der "Terra mineralia", schmunzelnd. Doch die Exposition solle keinen gehobenen Zeigefinger symbolisieren, fügt sie an. Vielmehr soll Faszination für die Natur geweckt werden, betont Dziwetzki. Nachdem die Schau 2015 zu diesem Zweck von Professor Erwin Beck eröffnet wurde, reiste sie unter anderem schon nach Wien, Frankfurt und auf die Insel Rügen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf Flora und Fauna in Bergbauregionen, speziell um Freiberg. Eine echte Rarität ist zum Beispiel das Schleichblütengras, das nur in Bergwerksteichen der Freiberger Region, wie dem Großhartmannsdorfer Teich wächst. Ein weiterer Höhepunkt ist eine Wunderkammer. Anstatt in einem Infobuch, erscheinen die Bilder wie durch Zauberhand rings um den Besucher an der Wand. Die Ausstellung ist für Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre konzipiert, jedoch soll es für Kinder Extra-Veranstaltungen geben. In den Herbstferien begeben sich Mädchen und Jungen unter dem Titel "Steinbock, Kaktus, Gecko - wen gibt´´s wo?" auf Entdeckungstour. Pro Kontinent untersuchen sie eine Lagerstätte und gehen Fragen nach: Welche Landschaftsform liegt vor und wie ist sie entstanden? Welche Pflanzen und Tiere leben dort? Im Mitmach-Labor "Forschungsreise" wird es spannend: Dort haben die jungen Forscher die Möglichkeit, mithilfe von Experimenten herauszufinden, wie die Geologie Naturräume beeinflusst.

Auch einen Film zur Ausstellung gibt es. "More Than Honey" zeigt das Leben der Bienen heute. Das Aussterben der Bienen werde dabei nur am Rand thematisiert, so Anna Dziwetzki. Der Film sei nicht moralisch, sondern rein dokumentarisch zu verstehen.

Ein besonderes Angebot stellen die Gesprächsrunden "Frag den Wissenschaftler" dar. Nach einem Impulsvortrag stellen sich Wissenschaftler den Fragen des Publikums zu biologischen und geologischen Themen. Diese reichen von Tiefseebergbau bis zu Beziehungen zwischen Pflanzen und Insekten. Dziwetzki ist gespannt, wie das Experiment bei Gästen und Wissenschaftlern ankommt: "Es wird sicher eine Herausforderung für die Professoren, keine Vorträge zu halten, sondern auf ihr Publikum einzugehen."

Jede Woche, vom 23. Oktober bis zum 19. Januar, kommt ein anderes Thema jeweils dienstags, 17 Uhr und samstags, 16 Uhr zur Sprache. Auch für Schulklassen soll das Angebot unter terminlicher Absprache mit den Professoren möglich sein.

Die Sonderausstellung ist im Preis der "Terra mineralia" inbegriffen. Eintritt: 10 Euro pro Person, Ermäßigung für Kinder 5 Euro. Geöffnet: Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

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