Zweite Chance für berufliche Quereinsteiger

Die Firma Ludwig Verpackungen in Siebenlehn trotzt dem Fachkräfte- mangel mit einem ganz eigenen Weg.

Siebenlehn.

Sorgfältig streichen Ferenc Toths Hände über eine bedruckte Verpackung aus Papier. Der 43-jährige Ungar ist stolz auf die Zwei-Naht-Flachbeutel, die gerade aus der Beutelmaschine kommen, die er eingerichtet hat. "Ich arbeite lieber mit Papier als mit Glas", fasst der gelernte Elektriker und Vater dreier Kinder seine Arbeit zusammen. "Meine Tätigkeit bei Ludwig Verpackungen ist flexibel und gefällt mir gut. Das Betriebsklima ist super. Hier möchte ich bis zur Rente bleiben."

Ferenc Toth ist ein typischer Quereinsteiger, der bei Ludwig Verpackungen in Siebenlehn eine zweite berufliche Chance als Maschineneinrichter bekommen hat. 2014 kam er als Meister nach Deutschland, um in einem Glaswerk in Brand-Erbisdorf zu arbeiten. Sein dortiges Engagement nahm jedoch ein jähes Ende, als das Unternehmen Insolvenz anmeldete und sich Ferenc Toth in einer Beschäftigungsgesellschaft wiederfand. Sehr schnell wusste er, dass er als beruflicher Quereinsteiger flexibel sein muss, um kurzfristig einen guten Job zu ergattern.

Auch der 46-jährige Unternehmer Thomas Walcha bezeichnet sich selbst als "Quereinsteiger" im väterlichen Unternehmen, Heinrich Ludwig Verpackungen in Siebenlehn, und schmunzelt dabei. Er zählt in der nunmehr fünften Generation zur Gründerfamilie des Familienunternehmens, das mit 77 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern am Ort zählt. Thomas Walcha trat 1995 als diplomierter Kaufmann in den Verpackungsbetrieb ein. Hier wuchs er auf. Im Betrieb hat er im Wesentlichen seine Kindheit und Jugend verbracht. Seit über 20 Jahren unterstützt er als kaufmännischer Geschäftsführer seinen Vater, Achim Walcha, der heute 75 Jahre alt ist. Achim Walcha ist bis heute für die Produktion der Blockbodenbeutel, dem Hauptumsatzträger des Verpackungsmittelherstellers, verantwortlich.

Die zahlreichen Quereinsteiger im Unternehmen sieht Thomas Walcha als "große Chance". Er erwartet von ihnen aber in erster Linie "Flexibilität und den Willen, etwas zu lernen und zu leisten". Dafür gibt er beruflichen Quereinsteigern gern eine Chance für einen Neuanfang im Betrieb. Von den 77 Mitarbeitern kommen laut Walcha viele Fachkräfte aus anderen Bereichen und Berufen. Allein 20 Quereinsteiger seien als Packmitteltechnologen und fünf als Medientechnologen der Fachrichtung Druck bei Ludwig Verpackungen umqualifiziert worden. Mit Hilfe der Quereinsteiger möchte der Junior-Chef dem Fachkräftemangel im Unternehmen trotzen. Gemeinsam mit dem Industrieverband Papier- und Folienverpackung (IPV) unterstützt Walcha daher die Initiative seines Verbandes, Quereinsteigern den Eintritt in Papier- und Folienverarbeitungsbetriebe zu ermöglichen, und geht selbst mit gutem Beispiel voran.

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