500-Euro-Schein wird zum Auslaufmodell

In nur wenigen Tagen endet in Deutschland die Ausgabe des teuersten Euro-Scheins. Die Abschaffung der Banknote hat gleich zwei Gründe.

Frankfurt (Main).

Am Freitag bringen die Bundesbank und die Österreichische Nationalbank die letzten 500-Euro-Scheine in Umlauf. Bei vielen Geschäftsbanken werden die lilafarbenen Scheine auch danach noch zu haben sein - einige Institute haben ihre Geldautomaten aber auch schon umgerüstet. Wer noch über 500er verfügt, kann aber weiter damit bezahlen - mit gewissen Einschränkungen: Viele Tankstellen beispielsweise nehmen schon seit Jahren keine 500-Euro-Scheine mehr an. Das Risiko, eine Fälschung untergejubelt zu bekommen, ist auch manch anderem Geschäftsinhaber bei einem so hohen Betrag zu groß.

In den meisten Ländern der Währungsunion haben die Notenbanken die Ausgabe des 500ers schon Ende Januar eingestellt. Beschlossen wurde das Aus für den wertvollsten Euro-Schein vor drei Jahren von der Europäischen Zentralbank (EZB). Die knappe Begründung: "Damit hat der EZB-Rat Bedenken Rechnung getragen, dass diese Banknote illegalen Aktivitäten Vorschub leisten könnte." Anders als Überweisungen oder Kartenzahlungen hinterlassen Bargeld-Transaktionen bekanntlich keine Spuren, und große Banknoten sind besonders leicht zu transportieren. "So wiegt eine Million Euro in 500-Euro-Scheinen nur 2,2 Kilogramm und passt in eine Handtasche", heißt es in einem Erklärstück auf der gemeinsamen Webseite aller Volks- und Raiffeisenbanken.

Der österreichische Volkswirtschaftler Friedrich Schneider, ein international anerkannter Experte für die Erforschung der Schattenwirtschaft, hält die offizielle Begründung für die Abschaffung des 500ers dennoch für absurd. "Die Leute schauen zu viel "Tatort", da werden regelmäßig noch Koffer mit Geld herumgeschleppt", sagt Schneider. Die organisierte Kriminalität habe längst andere Zahlungswege gefunden - ein prominentes Beispiel sind Online-Währungen wie Bitcoin.

Auf der anderen Seite richtet die Abschaffung des 500-Euro-Scheines keinen großen Schaden an. Im Alltag der meisten Bürger spielt die Banknote keine Rolle, lediglich zwei Prozent der aktuell im Umlauf befindlichen Euro-Scheine sind 500er.

Dennoch lässt der Ausgabestopp bei Kritikern die Alarmglocken schrillen: "Es ist zu vermuten, dass es darum geht, Bargeldzahlungen unattraktiv zu machen und sie so durch elektronische Zahlungen zu ersetzen. Dann ist die private Finanzsphäre der Bürger perdu und der Staat kann ungehemmt die Kontenbewegungen der Bürger verfolgen", warnt der Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH, Thorsten Polleit.

Die EZB hat wiederholt versichert, sie plane kein Bargeldverbot. Genährt werden derartige Befürchtungen allerdings durch die Geldpolitik der Notenbank. Seit 2014 zählen zu ihrem Instrumentarium auch Negativzinsen - praktisch sind das Parkgebühren, die Kreditinstitute zahlen müssen, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB bunkern. Damit will die Notenbank die Institute dazu bewegen, möglichst viel Geld in Kredite zu stecken oder am Markt anzulegen. In einer Wirtschaftskrise wäre es also prinzipiell im Interesse der EZB, die Negativzinsen noch zu verschärfen. Ihr Spielraum dabei wird aber durch die Existenz von Bargeld eingeschränkt. Denn wenn die Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank noch mehr Strafzinsen berappen müssten, könnten sie auf die Idee kommen, das Geld lieber in Tresoren zu horten. Oder sie müssten die Strafzinsen vermehrt an ihre Kunden weitergeben - die dann vermutlich ihre Konten leerräumen würden. Da ein solcher Bank-Run die gesamte Finanzbranche destabilisieren könnte, ist der EZB der Weg zu wirklich tiefen Negativzinsen derzeit versperrt.

In einer vom Internationalen Währungsfonds (IWF) veröffentlichten Studie wurde deshalb ernsthaft diskutiert, die Aufbewahrung von Bargeld künstlich zu verteuern: Die Notenbanken müssten dazu eine Art Gebühr für den "Umtausch" von Buchgeld in Münzen und Scheine einführen, empfehlen die beiden Autorinnen, darunter eine Mitarbeiterin der EZB. Das Papier gibt zwar nicht die offizielle Position der Notenbank wieder, zeigt aber eben doch, warum die Bargeldnutzung theoretisch eingeschränkt werden könnte. Praktisch würde ein derartiger Schritt allerdings auch Gesetzesänderungen und damit die Zustimmung der Politik erforderlich machen - dass es so weit kommt, ist also äußerst unwahrscheinlich.

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