Doch Urlaub am Mittelmeer? Maas will Reisewarnung aufheben

Lange Zeit war Außenminister Maas skeptisch, was den Sommerurlaub im Ausland angeht. Jetzt gibt er seine Zurückhaltung auf. Der Urlaub am Mittelmeer soll irgendwie ermöglicht werden. Nur eins steht jetzt schon fest: Er wird ganz anders als bisher.

Berlin (dpa) - Die Chancen auf Urlaub am Mittelmeer steigen: Bundesaußenminister Heiko Maas verständigte sich am Montag mit seinen Kollegen aus zehn der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen darauf, auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen bis zum Sommerbeginn hinzuarbeiten.

Bei einer Videokonferenz setzten sie sich gemeinsam das Ziel, die wegen der Corona-Pandemie angeordneten Grenzkontrollen und Quarantäneregeln aufzuheben und die notwendige Hygiene an den Urlaubsorten zu gewährleisten.

Maas (SPD) kündigte nach dem Treffen an, die noch bis zum 14. Juni weltweit geltende Reisewarnung für deutsche Touristen zunächst nur für die Europäische Union aufheben und durch individuelle Reisehinweise für die einzelnen Länder ersetzen zu wollen. Darin soll dann auf die unterschiedlichen Risiken aufmerksam gemacht werden. Auch über eine Aufhebung der Reisewarnung für einzelne Länder außerhalb der EU wird im Auswärtigen Amt bereits nachgedacht.

«Wir wollen Schritt für Schritt in die Normalisierung zurück», sagte Maas. Er betonte aber auch, dass der Sommerurlaub nicht so werden wird wie vor der Corona-Krise. «Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass es eine schnelle Rückkehr zu Business as usual geben kann.»

Ähnlich äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. «Es wird keine normale Tourismussaison sein können, es wird eine Tourismussaison im Zeichen der Pandemie sein. Das ist die Wahrheit.»

START IN DEN AUSLANDSURLAUB IN MEHREREN SCHRITTEN

An der Videokonferenz nahmen Spanien, Italien, Österreich, Griechenland, Kroatien, Portugal, Malta, Slowenien, Zypern und Bulgarien teil. Frankreich und die Schweiz fehlten, weil sie am Mittwoch bei einer weiteren Videokonferenz auf Einladung Maas' mit den Nachbarländern Deutschlands dabei sind. Deutschland und die Urlaubsländer haben noch ein Stück Arbeit vor sich, bevor der Startschuss für den Urlaub gegeben werden kann. Dafür sind drei Schritte nötig:

- Zunächst einmal müssen die Grenzen geöffnet werden. Für seine Nachbarländer will Deutschland das bis zum 15. Juni umsetzen - nur bei Tschechien und Polen ist unklar, wann es da zu einer Einigung kommen kann.

- Dann muss die in vielen Ländern noch geltende zweiwöchige Quarantänepflicht für einreisende Ausländer aufgehoben werden.

- Wenn das alles auf gutem Weg ist, soll ab dem 15. Juni auch die weltweite Reisewarnung fallen. «Wir können nicht dauerhaft eine Reisewarnung für die ganze Welt aufrechterhalten», sagte Maas. In den Reisehinweisen sollen dann möglichst viele Einzelheiten zu den Reiseländern stehen. Wie sind die Hygienevorschriften? Wie ist die Infektionslage? Ist man als Urlauber überhaupt willkommen? Besteht die Gefahr, dass man nicht mehr zurückkommt? Das Auswärtige Amt legt damit die Urlaubsentscheidung wieder ganz in die Hände der Reisenden. Bisher ist die Reisewarnung noch der unmissverständliche Ratschlag: Bleibt zu Hause in Deutschland!

GRATWANDERUNG MIT DEM VIRUS

Das klingt nach einem plausiblen Plan. Das große Problem: Die Unberechenbarkeit des Virus, die sehr unterschiedliche Betroffenheit der einzelnen Länder und voneinander abweichende Gegenmaßnahmen. Merkel mahnte am Montag eine Angleichung dieser Maßnahmen an. Sie schlug vor, sich dabei an der deutschen Obergrenze für Neuinfektionen zu orientieren. Danach sollen aufgehobene Lockerungen rückgängig gemacht werden, wenn die Grenze von 50 Neuerkrankungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner überschritten wird. «So muss es auch in anderen Ländern sein, dann kann man sich gut aufeinander verlassen», betonte die Kanzlerin.

Die positiven Stimmen zum grenzüberschreitenden Urlaub überwiegen inzwischen auch in den potenziellen Zielländern deutscher Touristen - selbst in denen, die stark von der Pandemie getroffen wurden. Ausgerechnet Italien - der Corona-Hotspot der ersten Wochen in Europa - setzt sich an die Spitze der Bewegung und will die Grenzen für Touristen schon am 3. Juni öffnen. Die Wiederbelebung des Tourismus spielt für die notleidende Wirtschaft des Landes eine herausragende Rolle.

«WIR WOLLEN KEIN EUROPÄISCHES WETTBIETEN UM TOURISTEN»

Aus dem Inland bekommt Maas aber auch Gegenwind. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der auf Inlandstouristen in den Hotels und Gaststätten im eigenen Land hofft, trat am Montag auf die Euphoriebremse. «Ich glaube nicht wie Heiko Maas, dass es so leicht ist, dass wir heute schon Pläne vorgeben können, dass wir in einem Monat schon wieder in Italien oder in Spanien sind oder in Frankreich», sagte der CSU-Chef. Man bewege sich weiter auf sehr dünnem Eis.

Söder forderte stattdessen eine finanzielle Förderung von Urlaub in Deutschland. Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit - er sei da relativ offen. Söder plädierte aber für eine Förderung «vor allem für diejenigen, die nicht so viel Geld haben und sich so etwas nicht so leisten können».

Der Wettbewerb um die Urlauber hat also längst begonnen - auch wenn Maas ihn eigentlich verhindern will. «Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen», mahnt er.

URLAUB DER BESONDEREN ART

Die Reiseveranstalter rüsten sich nun nach wochenlangem Stillstand für den Start in die Sommersaison in Europa. «Wir haben uns in den vergangenen Wochen sehr intensiv mit den Regierungen der Urlaubsländer abgestimmt und begrüßen den Schritt, Sommerurlaub in den europäischen Feriengebieten darstellen zu können», sagte ein Tui-Sprecher. Die Veranstalter haben Hygiene- und Schutzmaßnahmen für Reisen in Zeiten von Corona erarbeitet. Tui könne entsprechend beginnen, die Mitarbeiter in den Hotels und Urlaubsgebieten vorzubereiten, sagte der Sprecher. «In enger Abstimmung mit den Urlaubsländern werden wir unseren Gäste einen sicheren Urlaub ermöglichen - das Interesse der Deutschen ihren Sommerurlaub am Mittelmeer zu verbringen ist da und wird jetzt neuen Schub bekommen.»

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    1
    cn3boj00
    19.05.2020

    Da immer mehr Leute gegen die Beschränkungen auf die Straße gehen ist es der Politik eben wichtiger diese zu besänftigen statt die Bürger weiter zu schützen. Letztlich aber geht es wohl doch nur ums Geld. Wirtschaftliche Einschränkungen verkraftet unser System nur in kleinen Grenzen, und die sind wohl nun erreicht. Na ja muss jeder selber wissen ob er sich zur Pauschalreise an der Adria drängt. Ich hab ein Ferienhaus im Norden, und auch wenn darüber gar nicht gesprochen wird gehe ich davon aus dass dies möglich wird.

  • 0
    0
    harzruessler1911
    19.05.2020

    Gestern noch habe ich in Eurem Artikel gelesen Maas will die weltweite Reisewarnung aufheben. Heute dann dies (siehe unten) . Was stimmt denn nun??? Weltweit oder nur Europa??

    https://www.n-tv.de/politik/Maas-macht-Hoffnung-auf-Mittelmeer-Urlaub-article21789885.html
    Er hoffe, dass die noch bis zum 14. Juni geltende weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes anschließend durch Reisehinweise zu den einzelnen Ländern ersetzt werden könne, sagte Maas. Auf deren Grundlage könne dann jeder selbst entscheiden, "wo man hinfahren kann, was einen da erwartet und wo man besser in diesem Sommer noch nicht hinreisen sollte". Mit Blick auf Reisen an Ziele außerhalb Europas sagte der Außenminister, das Auswärtige Amt werde "da mit Sicherheit größte Vorsicht an den Tag legen" und konzentriere sich stattdessen vorerst auf Europa.

    https://www.n-tv.de/21790682
    „“Maas hatte sich mit seinen Kollegen aus zehn der beliebtesten Reiseländer von Urlaubern aus Deutschland darauf verständigt, auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen bis zum Sommerbeginn hinzuarbeiten. Er kündigte an, die noch bis zum 14. Juni weltweit geltende Reisewarnung für deutsche Touristen zunächst nur für die Europäische Union aufzuheben und durch individuelle Reisehinweise für die einzelnen Länder ersetzen zu wollen.““

  • 5
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    Lesemuffel
    19.05.2020

    Die Entscheidung von Maas erweckt den Eindruck, ob bisher alles heiße Luft gewesen sei. Wenn Hr. Maas es sagt, werden keine Viren mehr eingeschleppt. Ob diese sich danach richten werden?

  • 4
    1
    harzruessler1911
    18.05.2020

    Das ist ja wohl jetzt der größte Witz überhaupt man hebt die weltweite Reisewarnung auf um das Risiko auf den normalen Bürger abzuschieben, Ihrer vorherigen Ankündigung keine Rückholaktionen mehr??
    Ehemalige Thomas Cook Kunden und Frühbucher die schon vor Corona gebucht haben werden es Ihnen ganz besonders "danken"
    Kunden die jetzt anfangen können gerichtlich zu streiten, das die Reiseveranstalter mit Sicherheit erhebliche Einschränkungen im jeweiligen Urlaubsland erst mal ganz anders auslegen.

    Haben Sie sich fein ausgedacht Herr Maaß, nicht nur dass diese Unternehmen bereits Milliarden erhielten jetzt schustert man Ihnen auch noch jede Menge Stornogebühren zu oder man streitet ewig. Leid tun mir vor allem die , welche schon ewig auf einen Urlaub gespart haben und von Hause aus nicht zu den Großverdienern gehören.

    Die Gerichte werden sich "freuen" ... aber dafür haben sie sicher auch schon was in der Schublade , endet dann wahrscheinlich irgendwann wie der Loveparade Prozess.

    Ist das Corona nun gefährlich oder nicht ? Dann kann ich das Risiko doch nicht eingehen , dass die Leute dies wieder Massenhaft einschleppen? Treten Reisende Ihre bereits gebuchte Reise bereits an un kommen zurück mit Corona dürften diese sich wenn es aufkommt zumindest verbalen Lynchaktionen ausgesetzt sehen oder sie nehmen einen wirtschaftlichen Schaden in kauf .

    Naja wenigstens Herr Söder sieht dies mit Vernunft.