Düngen mit Gülle: Werden die Vorschriften noch strenger?

Seit eineinhalb Jahren gibt es eine neue Düngeverordnung. Noch ist nicht klar, ob sie auch Wirkung zeigt. Doch Brüssel reicht das offenbar nicht - zum Ärger der Bauern.

Dresden.

Deutschlands Grundwasser enthält mehr Nitrat als erlaubt. Auf Druck der EU reagierte die Bundesregierung mit einer Verschärfung der Düngeverordnung. Seit eineinhalb Jahren ist diese in Kraft. Doch womöglich muss Berlin schon demnächst nachbessern. Denn die EU-Kommission ist unzufrieden mit der Umsetzung.

Michael Stübgen (CDU), Staatssekretär im Bundesagrarministerium, wies kürzlich darauf hin, dass aus Sicht Brüssels zusätzliche Maßnahmen in den Katalog aufgenommen werden müssten. Zudem werde eine Öffnungsklausel für die Länder gefordert, damit weitere zielgerichtete Maßnahmen vor Ort getroffen werden könnten. Derzeit befinde man sich in "konstruktiven Gesprächen" mit der EU-Kommission. Eine Anpassung der novellierten Düngeverordnung könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, so Stübgen.

Wolfgang Vogel, Präsident des Landesbauernverbandes (SLB), bringt das auf die Palme. Man habe schon genug Probleme mit der jetzigen Verordnung. Auf Ackerland gilt ein Verbot von Düngemitteln mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff wie Gülle von Oktober bis Ende Januar. Eine Ausnahme gibt es für Raps und Wintergerste, wo bis 1. Oktober gedüngt werden darf. Nur auf Grün- und Ackerland mit mehrjährigem Futter fängt die Sperrfrist im November an. Wenn der Winter länger anhalte und das Frühjahr nass werde, "wird es schwierig", sagt Vogel. Dann drohten Ertragsausfälle. Beim Deutschen Bauernverband warnt man vor gesetzgeberischen "Schnellschüssen": Auch die EU müsse akzeptieren, dass die Wirkung des neuen Düngerechts in der Landwirtschaft und für den Gewässerschutz nicht schon nach wenigen Monaten abschließend beurteilt werden könne, heißt es.

Eine Meinung, die in der Wissenschaft geteilt wird. "Die Düngeverordnung bringt eine Entlastung, die nicht kurzfristig wirkt", meint Bernhard Osterburg vom bundeseigenen Thünen-Institut in Braunschweig. Die Reform müsse jetzt erst mal wirken und verstanden werden. Er hielte es für besser, ein paar Jahre abzuwarten und dann zu überprüfen. Dennoch: Osterburg hält die Reform für einen Schritt in die richtige Richtung. Mit Ende der Hauptkulturen sollte nichts mehr ausgebracht werden. Was die Pflanze an Nitrat nicht aufnehme, werde ausgewaschen. Was gar nicht passieren dürfte, sei das Verklappen von Gülle - nur weil der Landwirt sie auf dem Hof habe. Der Experte sagt aber auch: "Es muss Freiheitsgrade für Entscheidungen geben." In Regionen mit mageren Böden sorge der Dünger für den Ausgleich. Entfällt der Schritt, wirkt sich das auf das Wachstum aus. "Das ist ein komplexes Thema."

Ein Satz, den auch Andreas Jahnel unterschreiben würde. "Es ist kompliziert geworden für die Landwirte", sagt der Referatsleiter Pflanzenbau beim SLB. Man habe 2018 viele Anfragen dazu bei den Behörden stellen müssen. Die Betriebe müssten nicht nur ihre Düngepraxis umstellen. Teils sei es auch nötig, die Fruchtfolge zu ändern. Der Bau von Behältern, um die Gülle bis zum Frühjahr zu lagern, verursache Kosten. Die Betriebe bräuchten daher Rechtssicherheit, um die Investitionen stemmen zu können.

Wie sich das alles auf den Feldern auswirkt, kann Jahnel noch nicht sagen. Das werde sich im Frühjahr zeigen. Dass aber die Bauern durchaus zurechtkommen, legen Zahlen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nahe. Im Herbst 2018 hatte das Amt knapp 100 Landwirten erlaubt, ihr Grünland zwei Wochen länger zu düngen, da die Betriebe wegen der Dürre länger auf die Futternutzung angewiesen waren. 2017 hatten noch doppelt so viele Höfe einen Antrag gestellt.

Für die Grünen ist aber auch das zu viel. "Nach dem 1. November haben die Pflanzen keinen nennenswerten Aufwuchs mehr. Das bedeutet, dass der Stickstoff aus der Gülle nicht mehr aufgenommen wird. Somit gelangt er in den Boden und weiter ins Grundwasser", erklärte Fraktionschef Wolfram Günther. Für ihn liegt das Grundproblem darin, dass es in Teilen der Landwirtschaft keine Kreislaufwirtschaft mehr gibt, wo nur so viele Tiere gehalten werden, wie die Böden hergeben. "Da müssen wir wieder hinkommen."

Auslöser für die Novelle war eine Klage der EU gegen Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Überschreitung der Nitratgrenzwerte im Grundwasser. Ein Wert über 50 Milligramm Nitrat pro Liter gilt als gesundheitsschädlich. Die Klage ist noch auf Basis der alten Verordnung verhandelt worden.

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