Elektroautos für den Kampf gegen den Klimawandel

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt sich für hohe Investitionen in Ladeinfrastruktur ein - VW-Chef: Elektrischer Antrieb einzig verfügbare Technologie für Massenmarkt

Zwickau.

Mit der Automobilproduktion in Zwickau hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits zu DDR-Zeiten ihre eigene Erfahrung gemacht. Einst hatte sie auf ein Auto aus dem Fahrzeugwerk Zwickau gewartet - bevor es geliefert werden konnte, kam aber die Wiedervereinigung dazwischen. "Meine eigene Trabant-Bestellung hat sich zu Zeiten der DDR nicht mehr realisiert", erzählt die Regierungschefin am Montag beim Festakt zum Start der Serienproduktion des neuen VW-Elektroautos ID.3.

Planwirtschaft und Protektionismus hat sie als kontraproduktiv abgehakt. "Gerade in Zeiten struktureller Umbrüche ist es wichtig auf einen freien Welthandel zu setzen", hat Merkel selbst bei der Feier in Zwickau eine Spitze für den US-Präsidenten Donald Trump parat. An diesem Montag freut sie sich aber vor allem, dass "Zwickau ein Eckpfeiler für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie ist".

Merkel hat erkannt, dass die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 nur erreicht werden können, wenn viel mehr Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sind. "Wir brauchen sieben bis zehn Millionen E-Autos", rechnet sie vor. Zudem seien rund eine Million Ladesäulen notwendig. "50.000 davon müssen jetzt ganz schnell geschaffen werden", mahnt die Bundeskanzlerin, die vor dem Autogipfel am Abend verspricht, dass der Bund in den nächsten Jahren rund 3,5 Milliarden Euro in die Ladeinfrastruktur investieren wird. Zudem appelliert sie in ihrer Rede vor geladenen Gästen und vielen VW-Mitarbeitern an die Wirtschaft, ein einheitliches Bezahlsystem zu schaffen. Die Behörden ermahnt Merkel, die Genehmigungen für Ladestationen zu beschleunigen.

VW-Konzernchef Herbert Diess macht noch einmal deutlich, warum man den Kampf gegen den Klimawandel ohne Elektroautos nicht gewinnen kann. "Alleine die rund 100 Millionen Pkw unserer Marken stoßen ein Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus", rechnet Diess vor. Der batterieelektrische Antrieb sei die einzig verfügbare Technologie, die sich schnell und zu vertretbaren Kosten in die Breite bringen lässt. Wasserstoff könne erst in der nächsten Dekade wettbewerbsfähig werden.

Den Serienstart des Elektroautos ID.3 bezeichnet Thomas Ulbrich, Chef von VW Sachsen, als einen ganz besonderen Tag. "Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung für das Werk, für Volkswagen und für die deutsche Automobilindustrie", erklärt Ulbrich. Er kündigt die Markteinführung für den Sommer 2020 überall in Europa an. Sein Kollege Reinhard de Vries legt die Latte hoch. "Der ID.3 soll so erfolgreich werden wie einst der Käfer", sagt de Vries, der bei VW Sachsen für Produktion und Logistik zuständig ist.

Bevor das Auto auf den Markt kommt, werden die Mitarbeiter von VW Sachsen es im Alltag auf Herz und Nieren prüfen. 250 Fahrzeuge stehen für eine Mitarbeiterflotte bereit, damit für die Beschäftigten der "Kulturwandel in die neue Technologie erlebbar wird", so Dirk Coers, Personalchef von VW Sachsen.

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