Ifo sieht Wirtschaft bis Ende 2021 wieder auf "Vorkrisenniveau"

Die Konjunkturprognose der Dresdner Experten sieht Sachsen für 2021 bei minus 6,4 Prozent - ein einmaliger Ausrutscher?

Dresden.

Als die Konjunkturexperten der Republik vor sieben Monaten ihre Prognosen für 2020 abgaben, durfte ein Hinweis nirgends fehlen - dass es im gesamtdeutschen Durchschnitt kalendarisch 3,7 Arbeitstage mehr als 2019 geben werde, was die Wirtschaftsleistung automatisch etwas anheben wird.

Von zusätzlichen Arbeitstagen konnte die Wirtschaft in der ersten Coronajahreshälfte nur träumen. Wenig übrig geblieben ist dank globaler Pandemie auch von der damaligen Ifo-Prognose, die für Sachsen 2020 ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent voraussah und damit auch die Erwartung auf 10.000 neue Arbeitsplätze verband. Jetzt rechnen die Dresdner Fachleute um Joachim Ragnitz für 2020 mit einem Einbruch um 6,4 Prozent - und mit einer "Abnahme der Erwerbstätigkeit" um 20.700 Personen.

Die Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung hätten die deutsche Wirtschaft in die "tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte" gestürzt. Dass die Wirtschaftsleistung im Osten etwas weniger einbricht als im Westen, hat nach Einschätzung von Ragnitz vor allem mit ihrer kleinteiligeren Struktur zu tun. Dass Sachsen deshalb "glimpflicher" als andere Bundesländer aus der Krise hervorgehe, wie Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zuletzt der "Freien Presse" sagte, glaubt der Ökonom aber eher nicht.

Ein grundsätzlicher Optimismus scheint freilich auch den Ifo-Forschern nicht fremd zu sein: Die Frühindikatoren und Unternehmenseinschätzungen sprechen laut Ragnitz dafür, dass der Tiefpunkt der konjunkturellen Krise "im zweiten Quartal durchschritten sein dürfte". Man gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft ab dem - inzwischen ja schon begonnenen - dritten Quartal "aus diesem Tal befreien" werde.

Deutschland insgesamt könne Ende 2021 wieder das "Vorkrisenniveau" erreichen - vorausgesetzt, die Weltkonjunktur erhole sich und eine neue Infektionswelle bleibe aus. Dann könne die Corona-Rezession ein "einmaliger Ausrutscher" sein, der 2021 überwunden sein werde. Davon lässt sich Ifo auch bei seiner Prognose für das nächste Jahr leiten: Für Sachsen werden 6,3 Prozent - und 6000 neue Arbeitsplätze - vorhergesagt, für Ostdeutschland insgesamt nach minus 5,9 Prozent 2020 dann wieder plus 5,8 Prozent.

Ragnitz kritisierte zugleich die jüngsten Politik-Anreize durch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes und den 300-Euro-Kinderbonus. Der Staat verschenke damit Geld. "Die Nachfrage ist nicht das Problem." Nötiger wären Hilfen, um Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren. Diese Gefahr sei in Ostdeutschland wegen der vergleichsweise schwachen Eigenkapitalbasis größer als im Westen. Wer als Unternehmer nicht wisse, ob er die Krise überlebe, der nehme auch Kredithilfen nicht in Anspruch, um sich nicht langfristig zu verschulden. Angesichts der staatlichen Beschränkungen hätte er auch Entschädigungszahlungen für "angemessen" gehalten, sagte Ragnitz - fügte aber sofort hinzu, dass sie vermutlich zu teuer ausgefallen wären.

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