Schlussspurt sichert Siemens gute Jahresbilanz

Ein starkes Schlussquartal hat Siemens auch für das abgelaufene Geschäftsjahr gute Geschäfte beschert. Für das kommende Jahr bleibt der Konzern vorsichtig. Die wichtigste Frage dreht sich aber um jemanden, der am Donnerstag gar nicht auf dem Podium sitzt.

München (dpa) - Dank eines starken vierten Quartals kann Siemens mit dem Geschäftsjahr 2019 zufrieden sein. Trotz der aktuellen Konjunkturflaute und einer der größten Umbruchphasen seiner Geschichte steigerte der Dax-Konzern von Oktober 2018 bis September 2019 Umsatz und operatives Ergebnis.

«Wir sind sehr gut für die Zukunft aufgestellt», betonte Siemens-Chef Joe Kaeser. Nach dem eher schwachen dritten Quartal hatte es nicht unbedingt nach einem Happy-End für das Gesamtjahr ausgesehen. «Die Abschwächung der Weltwirtschaft hat sich im Lauf des Geschäftsjahrs 2019 deutlich beschleunigt», sagte Kaeser.

Dennoch sei das vierte Quartal «fulminant» gewesen. Während viele andere Unternehmen ihre Prognose revidiert hätten, «konnten wir unsere Versprechen halten», betonte er. Das Unternehmen habe jetzt zum sechsten Mal in Folge seine Jahresziele erreicht, sagte Kaeser. «Das war bei Siemens nicht immer der Fall. Auf diese Serie können wir stolz sein.»

Insgesamt konnte Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um 5 Prozent auf 86,8 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn nach Steuern lag mit 5,6 Milliarden zwar um 8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings hatte es im vergangenen Jahr positive Sondereffekte in Milliardenhöhe gegeben. Freuen können sich die Aktionäre: Die Dividende soll um 10 Cent auf 3,90 Euro je Anteil steigen.

Für das bereits laufende Geschäftsjahr 2020 erwartet Siemens weiter Gegenwind von der Weltwirtschaft und rückläufigen Märkte. Dennoch will der Konzern den Umsatz moderat steigern, was typischerweise ein Plus von 3 bis 5 Prozent bedeutet. Zum operativen Ergebnis des Unternehmens gab Siemens keine konkrete Prognose ab. Die für das Ergebnis je Aktie angegebene Spanne deutet allerdings tendenziell nach oben.

Wichtiger als die genauen Zahlen wird in den kommenden zwölf Monaten allerdings der Konzernumbau in Struktur und Führung sein. Siemens Chef Joe Kaeser wird das Unternehmen verlassen. Sein Vertrag endet Anfang 2021 und sein Nachfolger Roland Busch läuft sich seit Anfang Oktober in der neu geschaffenen Position eines stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden warm. Eine offizielle Entscheidung über die Nachfolge soll im Sommer kommenden Jahres getroffen werden. Zuletzt wurde sowohl über einen früheren Abgang als auch eine Verlängerung spekuliert.

Busch selbst saß am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen nicht auf dem Podium. Dennoch war er präsent - und das nicht nur, weil Kaeser zu Beginn seiner Rede Grüße von ihm bestellte. Der Siemens Chef wirkte dabei zunehmend genervt von Nachfragen zum anstehenden Wechsel. Mehr als dass er in fünf Jahren nicht mehr Siemens-Chef sein werde, und Busch nicht nur auf Bewährung stellvertretender Vorstandsvorsitzender sei, wollte er nicht zum Thema sagen. Busch, der im Anschluss an die Bilanzpräsentation noch für Fragen zur Verfügung stand, zeigte sich in der Sache demonstrativ entspannt. Er sei schon bewährt, sagte er.

Zudem soll das Energiegeschäft, das aus der heutigen Sparte Gas and Power sowie der Mehrheitsbeteiligung an Siemens Gamesa besteht, im Frühjahr als Siemens Energy abgespalten und voraussichtlich im September an die Börse gebracht werden. Dies werde unabhängig von der Entwicklung der Kapitalmärkte geschehen, betonte Finanzchef Ralf Thomas. «Wir sind nicht abhängig davon, ob die Börse gut gelaunt ist», betonte er.

Am Donnerstag waren die Kapitalmärkte in jedem Fall zufrieden. In einem freundlichen Marktumfeld konnte die Siemens-Aktie bis zum frühen Donnerstagnachmittag knapp 5 Prozent zulegen.

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