Viele Bewerber für Jobs in neuer Chipfabrik von Bosch

Das Werk in Dresden hat in Rekordzeit Gestalt angenommen. Bald werden auch die ersten Büros besetzt. Doch bis zum Produktionsstart wird noch einige Zeit vergehen.

Dresden.

Es geht voran auf der Baustelle einer der größten Neuansiedlungen der vergangenen Jahre in Sachsen. Am Stadtrand von Dresden errichtet der Stuttgarter Bosch-Konzern seine neue Halbleiterfabrik. Eineinviertel Jahr nach der Grundsteinlegung steht der Komplex weitgehend. Mehr als 1000 Mitarbeiter der verschiedenen Ausbaugewerke sind auf dem Baufeld mit der Größe von 14 Fußballfeldern tätig. Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger sprach am Montag von einer "fantastischen Baustelle, die in Rekordzeit gewachsen ist".

In den Büroräumen sind bereits die ersten Schreibtische aufgestellt, zum Jahresende sollen sie bezugsfertig sein. Im Herzstück der Fabrik - dem 10.000 Quadratmeter großen Reinraum - wird gerade das vollautomatische Transportsystem eingebaut. Der nächste große Schritt ist für den Jahresbeginn geplant - dann soll der Reinraum mit der Fertigungstechnik ausgerüstet werden. Rund 120 Anlagen werden angeliefert. "Da erwarten wir über 300 Lkw-Ladungen", erklärt Werkleiter Otto Graf (62). Bis die ersten Mikrochips das neue Werk verlassen, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Der Produktionsstart ist für Ende 2021 vorgesehen. Vor allem auch das Hochfahren der Anlagen und die Testläufe für die Produkte nehmen viel Zeit in Anspruch. "Das dauert einfach lange", so Graf.

Bosch wird in Dresden auf sogenannten Wafern (Siliziumscheiben) mit 300 Millimeter Durchmesser Chips für die Autoindustrie sowie für das "Internet der Dinge" fertigen. Unter letzterem versteht man die Vernetzung verschiedener Gegenstände und Geräte wie etwa Heizung und Smartphone. Die Chips aus der Landeshauptstadt sollen unter anderem in Airbagsteuerungen, ESP-Systemen und Motorsteuerungsgeräten zum Einsatz kommen.

Rund eine Milliarde Euro kostet die Fabrik - es ist die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. An den Kosten beteiligt sich auch die öffentliche Hand. Kröger wollte keine konkrete Summe nennen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte vor gut einem Jahr von "Beträgen im dreistelligen Millionenbereich" gesprochen.

Konzipiert ist die Fabrik "bei voller Ausbaustufe" für bis zu 700 Mitarbeiter. Wann das erreicht sein soll, konnte Werkleiter Graf nicht sagen. Das hänge auch von der Nachfrage und der Auslastung ab. Eshandele sich jedoch um "hoc attraktive Arbeitsplätze", betonte Geschäftsführer Kröger. Bosch sei hier langfristig orientiert. Die ersten 200 Mitarbeiter - sie stammen aus neun Nationen - haben ihren Arbeitsvertrag unterschrieben. Pro Monat kämen zehn bis 15 neue Mitarbeiter hinzu. Graf: "Wir bauen kontinuierlich Personal auf." Man bekomme viele sehr gute Bewerbungen, so Graf. Bosch könne unter den "guten und sehr guten Bewerbern auswählen" und "punktgenau einstellen", so der Werkleiter. "Unsere hohen Erwartungen wurden noch einmal übertroffen, wir sind einfach happy", sagte Kröger.

Bosch betreibt bereits eine Chipfabrik in Reutlingen bei Stuttgart, jedoch wird dort mit den älteren 150- und 200-Millimeter-Technologien gearbeitet. Aus den 300-Millimeter-Wafern, die in Dresden zum Einsatz kommen, lassen sich pro Scheibe erheblich mehr Chips gewinnen und somit Kostenvorteile erzielen.

Wie Bosch am Montag bekannt gab, sollen in Reutlingen künftig aber auch neuartige Chips aus Siliziumkarbid produziert werden. Diese sorgten für einen Technologiesprung in der Elektromobilität. Wegen ihrer besseren Leitfähigkeit ermöglichten die Chips aus "dem Wundermaterial" höhere Schaltfrequenzen und sorgten dafür, dass viel weniger Energie in Form von Wärme verpuffe. Das bringe mehr Power in elektrische Antriebe, so Kröger. "Für Autofahrer bedeutet das sechs Prozent mehr Reichweite", sagte er und fügte hinzu: "Siliziumkarbid-Halbleiter werden die Elektromobilität nachhaltig verändern." 2020 sollen erste Muster vorliegen. Allerdings werden diese Bausteine teurer sein als die üblichen Siliziumchips. Aus technologischen Gründen könnten dafür bisher auch nur die kleinen 150-Millimeter-Wafer verwendet werden. Die Fabriken in Reutlingen und Dresden ergänzten daher einander perfekt, hieß es.

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