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Wenn interkulturelle Vielfalt zum Erfolgsgarant wird: Das Sicherheitsunternehmen Black Knight erhält Sonderpreis

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Sachsens Unternehmer des Jahres: Bei Black Knight aus Leipzig haben 80 Prozent der Beschäftigten einen Migrationshintergrund – ein Grund für den 1. Platz in der Sonderkategorie „Fokus X – Integration und Inklusion“.

Im Leipziger BMW-Werk sind Beschäftigte aus 77 Nationen tätig. Bei der Leipziger Black Knight GmbH kommen die Mitarbeiter „aus 20 unterschiedlichen Ländern“, wie Geschäftsführer Ramin Al Khakani berichtet. Allerdings stockt die Autofabrik im Norden der Stadt ihre Mitarbeiterzahl derzeit um 900 auf knapp 7000 auf und zählt zu den größten sächsischen Arbeitgebern, während bei dem in der Sicherheitsbranche tätigen mittelständischen Unternehmen 260 Menschen auf den Gehaltslisten stehen. Davon aber haben 80 Prozent einen Migrationshintergrund. Zum Vergleich: Bei BMW sind es elf Prozent.

„Sie fühlen sich bei uns gut aufgehoben und werden geachtet“, begründet Al Khakani diese besonders ausgeprägte interkulturelle Vielfalt, die generell in der deutschen Wirtschaft Einzug gehalten hat. Mehr als die Hälfte der Firmen in der Bundesrepublik beschäftigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor einiger Zeit ermittelt.

Rücksicht auf kulturelle und religiöse Hintergründe der Mitarbeitenden

Al Khakani macht eine Menge, damit sich seine Angestellten in der Firma wohlfühlen, gleich welcher Herkunft. Arbeitszeit sei Lebenszeit, sagt er und ergänzt, er lege großen Wert darauf, dass seine Beschäftigten Freude bei ihrer Tätigkeit empfinden. „Natürlich nehmen wir auf muslimische und christliche Feiertage Rücksicht“, so der 37-Jährige, der den Betrieb 2015 gemeinsam mit seinem Freund Husein Abdulla gegründet hat, der ebenfalls Geschäftsführer ist. „Die Vielfalt ist eine unserer Stärken“, betont Al Khakani.

Und auch ein Grund für die Auszeichnung als Sachsens Unternehmer des Jahres in der Sonderkategorie „Fokus X – Integration und Inklusion“. In der Begründung erklärt die Jury: „Die Unternehmer Ramin Al Khakani und Husein Abdulla stehen exemplarisch für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte mit und gerade wegen ihres Migrationshintergrundes.“ Das Engagement der beiden Unternehmer beweise, dass die Anerkennung verschiedener kultureller Hintergründe und Lebensgeschichten essenziell für den geschäftlichen Erfolg ist.

So achtet der verheiratete Vater einer Tochter beispielsweise darauf, dass es in der Belegschaft keine Spannungen gibt ob der unterschiedlichen Herkunft. Der kulturelle Hintergrund wird im Arbeitsalltag erklärt. Was eine gründliche Personalauswahl bedingt: „Wir filtern stark im Bewerbungsprozess.“ Wobei es egal sei, ob jemand Christ, Sunnit oder Schiit sei. Die Folge des Verfahrens sei ein „guter und respektvoller Umgang untereinander“.

Flüchtlinge, auch aus dem arabischen Raum (sie stammen aus Marokko, Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Libanon, Palästina, Libyen, Algerien, Tunesien, Jordanien, Kuwait, Jemen oder den Vereinigten Arabischen Emiraten), gehören ebenfalls wie selbstverständlich zum Personal. „Sie sind mit viel Herzblut dabei.“ Sie seien „unfassbar fleißig und müssen eher ein wenig gebremst werden“, erzählt der Geschäftsführer und spricht von einer „coolen Mischung“ in seinem Betrieb.

Diese sei so groß, „dass wir bei Vorstellungsgesprächen von Flüchtlingen immer einen in der Firma haben, der diese Sprache spricht“. Damit ist das Engagement nicht beendet. Al Khakani und seine Mitstreiter sprechen da, wenn erforderlich, mit der Ausländerbehörde, helfen bei der Arbeitserlaubnis wie bei der Vermittlung von Wohnungen.

Großen Wert legt der Chef darauf, seine Mitarbeiter individuell zu behandeln. So sei es vorgekommen, dass ein Flüchtling traumatische Erlebnisse noch nicht verarbeitet habe und daher die erforderlichen Schulungen etwa in Erster Hilfe oder De-Eskalation nicht mit voller Konzentration absolvieren konnte. „Dann geben wir ihm die erforderliche Zeit.“ Die Menschen seien eben unterschiedlich, darauf müsse Rücksicht genommen werden.

Al Khakanis Eltern flohen selbst aus dem Irak

Diese Integrationsgeschichte ist nicht zu erklären ohne den Hintergrund von Al Khakani. Er wurde in Deutschland geboren, hat die hiesige Staatsbürgerschaft. Seine Eltern lebten im Irak, flohen aber Anfang der 80er-Jahre aus politischen Gründen aus dem Land. „Ich bin bi-kulturell aufgewachsen.“ Manchmal fühle er sich als Araber, manchmal als Deutscher.

Typisch arabisch sei es, wenn die ganze Familie sich treffe, die Kinder herumwuselten. „Das ist ein liebenswertes Chaos.“ Auf der anderen Seite halte er im beruflichen Kontext „deutsche Tugenden wie Pünktlichkeit und Ordnung für sehr wichtig“. Arbeit könne sehr effektiv sein, „wenn sie in geordneten Bahnen verläuft“.

Al Khakani, der einen Master of Business Administration in der Tasche hat, fing schon in jungen Jahren im Nebenjob in der Sicherheitsbranche an. „Damit bin ich aufgewachsen.“ Das weckte in ihm den Wunsch, sich selbstständig zu machen. „Mit viel Start-up-Enthusiasmus“ wurde der Betrieb 2015 gegründet, wobei die ersten Besprechungen in der Anfangsphase in einem Café stattfanden, da es noch keine Büroräume gab.

Die Firma wurde Black Knight, schwarzer Ritter, genannt. „Mit Rittern assoziiere ich Vokabeln wie ehrenwert, beschützend, bewachend.“ Und schwarz sei die Kleidung seiner Angestellten.

Was mit vier Mini-Jobbern begann, hat sich im Laufe der Jahre permanent weiterentwickelt. So wurde im vorigen Jahr ein Umsatz im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet, schwarze Zahlen seien selbstverständlich.

Eine Erfolgsgeschichte mit und auch wegen des Migrationshintergrundes. Der Wachstumsschub kam unter anderem durch die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften. „Unsere Aufgabe war und ist, unsere Tätigkeit so menschlich wie möglich im Umgang mit den zu Bewachenden zu gestalten.“

Die schwarzen Ritter haben inzwischen eine breite Palette an Tätigkeiten. Da wird im Firmenauftrag der Empfangsdienst durchgeführt, Sicherheitstechnik installiert und gewartet, Betriebe und Baustellen werden bewacht. Zu den Kunden in den mitteldeutschen Ballungsräumen gehören Privatpersonen wie Unternehmen, aber auch Einrichtungen der öffentlichen Hand, etwa der Leipziger Zoo, die Stadtwerke Leipzig, die Leipziger Verkehrsbetriebe, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Auch bei Sportveranstaltungen, Messen, Konzerten und Festivals sind die Leipziger im Einsatz.

Eigener Ansatz gegen den Fachkräftemangel: die Black Knight Akademie

Noch gibt es nach Al Khakanis Angaben mehr Bewerbungen als freie Stellen. Der Fachkräftemangel macht sich jedoch auch bei ihm so langsam bemerkbar. „Je qualifizierter die Position ist, desto schwieriger wird es, sie zu besetzen“. Helfen soll die im vergangenen Jahr gegründete Black Knight Akademie. Sie fördert dabei Bildung und Integration in Schlüsselbereichen wie Brandschutz und interkulturelle Kompetenz. Spezielle Kurse unterstützen die Chancengleichheit und bringen Geflüchtete aktiv in den ersten Arbeitsmarkt.

Die erste gesetzlich vorgeschriebene Qualifizierung, um im Sicherheitsdienst arbeiten zu dürfen, führt Black Knight bei genügend vielen Teilnehmern selbst durch. Al Khakani und sein Geschäftspartner Abdullah sind zudem Dozenten der Industrie- und Handelskammer. „Ansonsten werden über unsere Online-Akademie in einfacher Sprache auch absolute Grundlagen vermittelt, um auf jedem Niveau aufbauen zu können.“

Der Ruf der Firma hat sich herumgesprochen. „Wir hatten zwei Auszubildende, die bereits in Marokko Deutsch gelernt haben, um bei uns zu arbeiten.“ Im Übrigen, sagt der Geschäftsführer, habe er noch nie gehört, dass Menschen hierher geflüchtet seien wegen des Bürgergeldes. „Sie fangen bei null an und wollen sich etwas aufbauen.“ Al Khakani hat privat ein Faible für ritterliche Heldengeschichten. Für viele Geflüchtete ist er selbst in der Hauptrolle.

Der Preis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative der Sächsischen Zeitung, der Freien Presse, Leipziger Volkszeitung, MDR sowie von Volkswagen Sachsen, LBBW, der Schneider+Partner Beratergruppe, der Gesundheitskasse AOK Plus und „So geht sächsisch“. www.unternehmerpreis.de (lvz)

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