Zum 25. Mal gelungene Ideen mit Pfiff gesucht

Holzkunsthandwerker und Spielzeughersteller können erneut zeigen, mit welchen neuen Produkten sie aufwarten. Die "Freie Presse" legt dabei Wert auf das Urteil ihrer Leser.

Olbernhau.

Wolfgang Braun aus Deutschneudorf im Erzgebirge hat in der Vergangenheit viermal beim Wettbewerb "Tradition und Form" mitgemacht, dreimal jeweils einen Hauptpreis abgeräumt. Auch in diesem Jahr, wenn der Wettbewerb zum 25. Mal ausgeschrieben ist, will seine Volkskunstwerkstatt mit einer neuen Idee aufwarten. Braun ist diesmal besonders mutig.

Der Erzgebirger greift das Thema 100 Jahre Bauhaus auf. Lichterbogen, Reiterlein sowie Engel und Bergmann hat er dabei ganz stark auf ihre Grundformen reduziert, im Sinne des Bauhauses. Er ist gespannt, wie die Jury im Juni seine "Erzgebirgische Spielerei" bewerten wird. Für Braun ist das Mitmachen wichtig: "Das erweitert den eigenen Horizont, weil man dazu neigt, zu sehr im eigenen Saft zu schmoren oder Ideen lange in Schubladen liegen zu lassen." Braun wünscht sich, dass sich mehr junge Gestalter und Hersteller beteiligen, sie ihren Mut zum Experimentieren zeigen, "auch wenn da mal was durchfällt".

Ein Vertreter dieser jungen Generation ist Robert Weigel aus Jöhstadt. Dem 30-Jährigen gehört die Drechslerei Am Schwarzwasser. 2018 verlieh ihm die Jury den Nachwuchspreis, der seit wenigen Jahren an innovative Unter-30-Jährige vergeben wird. "Das spornt an", sagt Weigel. Trotzdem werde er sich diesmal nicht beteiligen. Jedes Jahr ein völlig neues Produkt sei für eine Zwei-Mann-Firma nicht zu schaffen. Er plädiert dafür, den Wettbewerb nur alle zwei Jahre auszurichten.

Das ist auch die Meinung von Kerstin Drechsel, Chefin der Werkstätten Flade in Olbernhau. Sechsmal reichte sie schon Arbeiten ein, fünfmal wurde sie mit Preisen bedacht. "Wer als Werkstatt seine unverwechselbare Handschrift pflegen möchte, der will gar nicht ständig grundlegend Neues präsentieren", meint sie. Im Grunde sei da der Wettbewerb sogar etwas kontraproduktiv. In jedem Fall seien Innovationen für die Branche aber wichtig.

Eine Einschätzung, die auch die Firma Erzgebirgische Holzspielwaren Ebert im Olbernhauer Ortsteil Blumenau teilt. Büroleiterin Andrea Köhler verrät, dass der von ihrer Familie 1995 auf dem Gelände eines DDR-Vero-Betriebes gegründete Zehn-Mann-Betrieb wieder mitmachen wird. "Schon deshalb, weil sich der Wettbewerb ja nicht nur an Kunsthandwerker, sondern auch Spielzeughersteller wendet und deren Beteiligung über die Jahre stetig sank. Wir nutzen ihn aber auch, um auf neue Produkte aufmerksam zu machen. Allein könnten wir eine solche Präsentation einer Neuheit finanziell gar nicht stemmen."

Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, hofft, dass viele Firmen bis 24. Mai Wettbewerbsbeiträge am Verbandssitz in Olbernhau einreichen. 2018 hatte die Jury über insgesamt 20 Arbeiten zu befinden, 13 wurden für die Endrunde nominiert. Nur nominierte Produkte haben Chancen auf einen der drei Hauptpreise des Verbandes sowie die Sonderpreise des Landrates, der Sparkasse und der "Freien Presse".

Die "Freie Presse" ist dabei das elfte Jahr in Folge der einzige Preisstifter, der nicht Experten, sondern die Leser über die gelungenste Arbeit entscheiden lässt. Zusätzlich kann auch 2019 ein Nachwuchspreis für junge Hersteller oder Gestalter vergeben werden sowie ein Preis für hervorragende Traditionspflege. Der wird seit 2018 zusätzlich für ein Erzeugnis aus dem Bereich erzgebirgisches Holzspielzeug vergeben.

Laut Uhlmann soll der Wettbewerb Ansporn sein, gute Produkte abzuliefern. Da er auch Nichtmitgliedern offen steht, die entsprechend der Wettbewerbssatzung produzieren, sei er zudem eine gute Gelegenheit, sich zu begegnen und zu sehen, welche Ideen andere umsetzen. Uhlmann war derjenige, der Anfang der 1990er-Jahre die Idee hatte, die im Warenzeichenverband Expertic der DDR vergebene Auszeichnung für gute Form neu aufleben zu lassen. Daraus entstand 1995 der erste Wettbewerb "Tradition und Form". Seither wurde 94 Hauptpreise an Hersteller verliehen. Ein repräsentativer Querschnitt dieser preisgekrönten Arbeiten wird anlässlich des 25. Jubiläums im Herbst in einer Sonderausstellung auf Schloss Schwarzenberg gezeigt.

Die Bemühungen der Handwerker um innovative Neuentwicklungen tragen vor allem zum Fortbestand der Branche bei. Der Herstellerumsatz der rund 250 Firmen lag 2018 bei über 50 Millionen Euro.

Bewerben können sich alle Hersteller, auch Nichtmitglieder im Kunsthandwerkerverband. Abgabetermin ist der 24. Mai. Die "Freie Presse" veröffentlicht alle nominierten Arbeiten für eine Leserabstimmung im Juli. www.erzgebirge.org

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