Die nächste Chance der AfD heißt Großschirma

In der mittelsächsischen Gemeinde wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Es könnte eine Zäsur für die Landespolitik werden.

Dresden/Großschirma.

Zunächst die Fakten: Die Stadt Großschirma hat rund 5600 Einwohner, liegt unweit von Freiberg im Landkreis Mittelsachsen und hat eine Fläche von fast 62 Quadratkilometern. Hobbyhistoriker könnten noch wissen, dass im 16. Jahrhundert der sächsische Kurfürst August Großschirma an seinen Diplomaten Ulrich von Mordeisen verkaufte. Kurzum: Es gibt vielleicht bedeutendere Städte in der sächsischen Geschichte. Doch an diesem Sonntag blickt die Landespolitik gespannt auf die Kommune. Schließlich wird ein neuer Bürgermeister gewählt - und Rolf Weigand von der AfD hat Aussichten, das Rennen zu machen.

Der 34 Jahre alte Landtagsabgeordnete wäre der erste direkt gewählte und hauptamtliche Bürgermeister, den die AfD in Sachsen stellt. Zuvor hatte nur der Bürgermeister von Reuth im Vogtland ein blaues Parteibuch. Allerdings wechselte er von der Kleinpartei DSU zur AfD, als er bereits im Amt war. Weigands Wahl wäre deswegen eine Zäsur. Sie würde der AfD nach dem guten Abschneiden bei der Bundestagswahl, wo sie im Freistaat die CDU knapp hinter sich ließ, und den jüngsten Umfrage-Ergebnissen von 25 Prozent einen weiteren Schub geben. Der Partei- und Fraktionschef Jörg Urban ist deshalb schon euphorisiert: "Die mögliche Wahl eines ersten hauptamtlichen Bürgermeisters in Sachsen wäre ein wichtiges Signal an alle Bürger, dass die AfD inzwischen eine echte Volkspartei geworden ist, die auch in der politischen Praxis beweist, dass sie auf allen Ebenen, also auch auf der kommunalen, in der Lage ist, sehr gute Sacharbeit zu leisten."

Wen man in Dresden oder vor Ort im Landkreis fragt, es gibt immer die gleiche Einschätzung: "Es wird ein knappes Rennen." Weigand profitiert davon, dass Mittelsachsen eine Hochburg der AfD ist. Anderswo wäre seine Kandidatur wahrscheinlich schwieriger gewesen, das weiß auch seine Partei. Erst am vergangenen Wochenende scheiterte ein AfD-Mann bei der Bürgermeisterwahl im vogtländischen Bergen. Dabei war er der einzige Kandidat, der auf dem Wahlzettel stand.

Weigands Mitbewerber, der aktuelle Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP), ist eher schleppend in den Wahlkampf gekommen. Dabei hat er seine Verdienste: Politiker anderer Parteien betonen, dass Großschirma sich unter dem 57-Jährigen gut entwickelt habe. Die Wirtschaft im Ort boome. Doch selbst Beobachter, die es mit Schreiter gut meinen, können sich beispielsweise darüber echauffieren, dass er auch alte Plakate aufhängen ließ: Während derzeit das Thermometer gern mal Temperaturen um die 30 Grad anzeigt, ist er darauf mit dicker Jacke und Schal zu sehen. Erst seit Kurzem nutzt Schreiter neue Motive.

Rolf Weigand dagegen setzt auf den Slogan "Zeit für frischen Wind" und tritt konziliant im Ton auf. So lud er am Vatertag zum "Radeln mit Rolf" durch das Gebiet von Großschirma ein. In der Landespolitik wird das schon als Strategie der AfD für die anstehenden Kommunalwahlen im Mai 2019 gewertet: Die Partei versuche sich möglichst bieder zu geben, um die Wähler nicht zu vergraulen.

Dabei ist Weigand im Landtag schon ganz anders zu erleben gewesen, schärfer im Ton. Sein Fraktionschef Urban betont zwar, dass Rolf Weigand "nicht nur ein guter Sacharbeiter" sei, "sondern auch ein überaus sympathischer Kollege, der immer ruhig und freundlich auftritt". Immer? Im März, als das Parlament über die Studentenwerke debattierte, griff Weigand den Abgeordneten Valentin Lippmann (Grüne) nach einem Zwischenruf frontal an. "Ja, Herr Lippmann, Sie können erst einmal über Ihre sexuellen Orientierungen nachdenken, und dann können Sie Ihre Meinung noch einmal sagen!"

Zwar gab Weigand später zu Protokoll, dass es ihm leid täte. Doch die Entschuldigung misslang für viele. Er habe nicht Herrn Lippmann gemeint, sondern "natürlich die Grünen-Ideologie", sagte Weigand. Die Vizepräsidentin des Landtags, Andrea Dombois, stellte darauf trocken fest: "Ich glaube, das hat es jetzt nicht besser gemacht."

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14Kommentare
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  • 2
    1
    Zeitungss
    18.06.2018

    @Hinterfragt: Ich nehme diesen Vorschlag zur Kenntnis und spiele den Ball zurück, was das Lesen betrifft. Hier ging es um das Prinzip und nicht darum, ob SIE AfD wählen oder was auch immer.
    Für mich war der Ausgang der Wahl wichtig und der war gut so. Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass ich NICHT zu den glühenden Anhängern von Höcke, Gauland & Co gehöre und dabei wird es auch bleiben.

  • 1
    2
    Hinterfragt
    18.06.2018

    @Zeitungss; wo habe ich geschrieben, dass ich einen AfDler wähle.
    Ich schrieb, dass mir bei der Bürgermeisterwahl Schnuppe ist in welcher Partei der Kandidat ist, weil es hier um die Person und deren Leistung.geht!

    Also lesen Sie nochmals meine Beiträge! Sie haben doch die ganze Zeit versucht, mich in Großschirma zu verorten...

  • 2
    1
    Zeitungss
    17.06.2018

    Wenn ich mich recht erinnere, ging es um die AfD und nicht um die CDU. Vermischungen bringen uns nicht zum Ziel.

  • 0
    2
    Hinterfragt
    17.06.2018

    @Zeitungss; ach so, ich vergaß es zu erwähnen, mein Bürgermeister ist in der CDU ...

  • 1
    2
    Zeitungss
    15.06.2018

    @Hinterfragt: Aber bitte, ich werde Sie nicht aufhalten, der Aufwand wäre schon viel zu groß. Wenn Sie seine Partei nicht als Richtlinie sehen, müßten wir hier keinen einzigen Buchstaben verlieren, können Sie diesen Gedanken folgen ???? .......ich fürchte NEIN.

  • 5
    2
    Hinterfragt
    15.06.2018

    @Zeitungss; genau, das mache ich schon seit vielen Wahlperioden so, weil ich diese Person als Bürgermeister für fähig sehe und nicht seine Partei.

  • 2
    1
    Zeitungss
    15.06.2018

    @Hinterfragt: Tun Sie das!

  • 4
    0
    Hinterfragt
    15.06.2018

    @Zeitungss, was hatz die Führungsriege einer Partei mii einem Bürgermeister zu tun?

    Ich wähle meinen Bürgermeister auch nur nach dessen Vorstellungen und inzwischen Leistungen für meinen Ort - da ist mir die Mitgliedschaft in einer Partei reinweg Schnuppe!

  • 3
    4
    Zeitungss
    15.06.2018

    @Hinterfragt: Das Problem dieser Partei ist die personelle Besetzung in der Führungsriege und kein Programm. Wem genau das reicht, der sollte natürlich sein Kreuzchen dafür spenden.

  • 8
    1
    Hankman
    14.06.2018

    Ach Gott, ich denke, Großschirma würde es überleben, sollte ein AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt werden. Insofern gebe ich Ihnen Recht, @Hinterfragt: Wenn er einen guten Job macht und die Stadt gut vertritt, wäre es für mich okay. Und wenn es denn die Wähler wirklich so wollen. Aber: Weigand ist Landtagsabgeordneter. Würde er zum Bürgermeister gewählt, müsste er auf das Mandat verzichten und sich ganz der Aufgabe in Großschirma widmen. Ansonsten wird's Mist.

  • 5
    5
    Hinterfragt
    14.06.2018

    Die Linke Seite der Zähler bestätigt meine Vermutung ...

  • 8
    9
    Hinterfragt
    14.06.2018

    Wo ist das Problem, wenn er in der AfD ist?!?

    Wenn er einen ordentlichen Job tut, ist das gut für den Ort und Basta!

    Die Toleranz hört hier wirklich bei vielen am eigenen Ego auf!

    Wie war doch gleich noch mal des Geschrei der "Experten" als Thüringen einen Linken und Baden Württemberg einen Grünen Ministerpräsidenten bekamen?
    Und was ist heute?
    Und Kretschmann ist sicherlich nicht der Grund, dass auch Mercedes beim Dieselabgas bescheißt.

  • 12
    13
    Zeitungss
    14.06.2018

    @Chill...: Wenn sich das die Gemeinde antun möchte, dann mal los. Die Einwohner werden zeitig genug mitbekommen, dass man von Worthülsen ohne Programm leider nichts wird. Man wird rummotzen, mehr wird es nicht werden. Höcke bastelt bestimmt schon an einer Dankesrede an die Wähler, wollen wir hoffen, dass er sie umsonst erstellt hat.

  • 7
    10
    Chillinger
    14.06.2018

    Meines Wissens wäre es auch der erste regulär als AfD-Mitglied gewählte Bürgermeister auf Bundesebene. Großschirma würde damit als AfD-Stadt in die Geschichte eingehen. Will man das?



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