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Die Wahlplakate von Rolf Weigand und Volkmar Schreiter hängen auch vor dem Großschirmaer Rathaus. Am Sonntag wird der neue Bürgermeister gewählt.

Foto: Eckardt Mildner

Die nächste Chance der AfD heißt Großschirma

In der mittelsächsischen Gemeinde wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Es könnte eine Zäsur für die Landespolitik werden.

Von Kai Kollenberg
erschienen am 13.06.2018

Dresden/Großschirma. Zunächst die Fakten: Die Stadt Großschirma hat rund 5600 Einwohner, liegt unweit von Freiberg im Landkreis Mittelsachsen und hat eine Fläche von fast 62 Quadratkilometern. Hobbyhistoriker könnten noch wissen, dass im 16. Jahrhundert der sächsische Kurfürst August Großschirma an seinen Diplomaten Ulrich von Mordeisen verkaufte. Kurzum: Es gibt vielleicht bedeutendere Städte in der sächsischen Geschichte. Doch an diesem Sonntag blickt die Landespolitik gespannt auf die Kommune. Schließlich wird ein neuer Bürgermeister gewählt - und Rolf Weigand von der AfD hat Aussichten, das Rennen zu machen.

Der 34 Jahre alte Landtagsabgeordnete wäre der erste direkt gewählte und hauptamtliche Bürgermeister, den die AfD in Sachsen stellt. Zuvor hatte nur der Bürgermeister von Reuth im Vogtland ein blaues Parteibuch. Allerdings wechselte er von der Kleinpartei DSU zur AfD, als er bereits im Amt war. Weigands Wahl wäre deswegen eine Zäsur. Sie würde der AfD nach dem guten Abschneiden bei der Bundestagswahl, wo sie im Freistaat die CDU knapp hinter sich ließ, und den jüngsten Umfrage-Ergebnissen von 25 Prozent einen weiteren Schub geben. Der Partei- und Fraktionschef Jörg Urban ist deshalb schon euphorisiert: "Die mögliche Wahl eines ersten hauptamtlichen Bürgermeisters in Sachsen wäre ein wichtiges Signal an alle Bürger, dass die AfD inzwischen eine echte Volkspartei geworden ist, die auch in der politischen Praxis beweist, dass sie auf allen Ebenen, also auch auf der kommunalen, in der Lage ist, sehr gute Sacharbeit zu leisten."

Wen man in Dresden oder vor Ort im Landkreis fragt, es gibt immer die gleiche Einschätzung: "Es wird ein knappes Rennen." Weigand profitiert davon, dass Mittelsachsen eine Hochburg der AfD ist. Anderswo wäre seine Kandidatur wahrscheinlich schwieriger gewesen, das weiß auch seine Partei. Erst am vergangenen Wochenende scheiterte ein AfD-Mann bei der Bürgermeisterwahl im vogtländischen Bergen. Dabei war er der einzige Kandidat, der auf dem Wahlzettel stand.

Weigands Mitbewerber, der aktuelle Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP), ist eher schleppend in den Wahlkampf gekommen. Dabei hat er seine Verdienste: Politiker anderer Parteien betonen, dass Großschirma sich unter dem 57-Jährigen gut entwickelt habe. Die Wirtschaft im Ort boome. Doch selbst Beobachter, die es mit Schreiter gut meinen, können sich beispielsweise darüber echauffieren, dass er auch alte Plakate aufhängen ließ: Während derzeit das Thermometer gern mal Temperaturen um die 30 Grad anzeigt, ist er darauf mit dicker Jacke und Schal zu sehen. Erst seit Kurzem nutzt Schreiter neue Motive.

Rolf Weigand dagegen setzt auf den Slogan "Zeit für frischen Wind" und tritt konziliant im Ton auf. So lud er am Vatertag zum "Radeln mit Rolf" durch das Gebiet von Großschirma ein. In der Landespolitik wird das schon als Strategie der AfD für die anstehenden Kommunalwahlen im Mai 2019 gewertet: Die Partei versuche sich möglichst bieder zu geben, um die Wähler nicht zu vergraulen.

Dabei ist Weigand im Landtag schon ganz anders zu erleben gewesen, schärfer im Ton. Sein Fraktionschef Urban betont zwar, dass Rolf Weigand "nicht nur ein guter Sacharbeiter" sei, "sondern auch ein überaus sympathischer Kollege, der immer ruhig und freundlich auftritt". Immer? Im März, als das Parlament über die Studentenwerke debattierte, griff Weigand den Abgeordneten Valentin Lippmann (Grüne) nach einem Zwischenruf frontal an. "Ja, Herr Lippmann, Sie können erst einmal über Ihre sexuellen Orientierungen nachdenken, und dann können Sie Ihre Meinung noch einmal sagen!"

Zwar gab Weigand später zu Protokoll, dass es ihm leid täte. Doch die Entschuldigung misslang für viele. Er habe nicht Herrn Lippmann gemeint, sondern "natürlich die Grünen-Ideologie", sagte Weigand. Die Vizepräsidentin des Landtags, Andrea Dombois, stellte darauf trocken fest: "Ich glaube, das hat es jetzt nicht besser gemacht."

 
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Kommentare
14
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 18.06.2018
    09:59 Uhr

    Zeitungss: @Hinterfragt: Ich nehme diesen Vorschlag zur Kenntnis und spiele den Ball zurück, was das Lesen betrifft. Hier ging es um das Prinzip und nicht darum, ob SIE AfD wählen oder was auch immer.
    Für mich war der Ausgang der Wahl wichtig und der war gut so. Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass ich NICHT zu den glühenden Anhängern von Höcke, Gauland & Co gehöre und dabei wird es auch bleiben.

    1 2
     
  • 18.06.2018
    07:30 Uhr

    Hinterfragt: @Zeitungss; wo habe ich geschrieben, dass ich einen AfDler wähle.
    Ich schrieb, dass mir bei der Bürgermeisterwahl Schnuppe ist in welcher Partei der Kandidat ist, weil es hier um die Person und deren Leistung.geht!

    Also lesen Sie nochmals meine Beiträge! Sie haben doch die ganze Zeit versucht, mich in Großschirma zu verorten...

    2 1
     
  • 17.06.2018
    20:32 Uhr

    Zeitungss: Wenn ich mich recht erinnere, ging es um die AfD und nicht um die CDU. Vermischungen bringen uns nicht zum Ziel.

    1 2
     
  • 17.06.2018
    15:46 Uhr

    Hinterfragt: @Zeitungss; ach so, ich vergaß es zu erwähnen, mein Bürgermeister ist in der CDU ...

    2 0
     
  • 15.06.2018
    21:06 Uhr

    Zeitungss: @Hinterfragt: Aber bitte, ich werde Sie nicht aufhalten, der Aufwand wäre schon viel zu groß. Wenn Sie seine Partei nicht als Richtlinie sehen, müßten wir hier keinen einzigen Buchstaben verlieren, können Sie diesen Gedanken folgen ???? .......ich fürchte NEIN.

    2 1
     

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