Kunst-Weltstar Georg Baselitz bringt drei Werke nach Chemnitz

Georg Baselitz, einer der höchstgehandelten Künstler der Welt, kommt am Montag zur Eröffnung einer Ausstellung seiner Werke in die Kunstsammlungen Chemnitz. Und er kommt nicht mit leeren Händen.

Chemnitz.

Der Maler Georg Baselitz erweist den Chemnitzer Kunstsammlungen und ihrer scheidenden Generaldirektorin seine Reverenz. "Ingrid Mössinger war eine der ersten Museumsdirektorinnen, die mein Werk nach der Wende mehrfach und umfangreich in Ostdeutschland präsentiert hat", sagte Georg Baselitz zur Begründung für sein Kommen. Als "Geschenk an das Land und die Stadt" überlässt der gebürtige Sachse den Kunstsammlungen drei Werke, zunächst als langfristige Dauerleihgaben. Sie sollen den bisherigen Bestand von 48 Arbeiten aus den Jahren 1966 bis 2013 ergänzen, die ab Montag erstmals komplett in den Kunstsammlungen zu sehen sind.

Die Schau unter dem Titel "Georg Baselitz" ist eine der letzten Ausstellungen unter der Ägide der aus Baden-Württemberg stammenden Generaldirektorin Mössinger, die Ende April in den Ruhestand geht. Für ihre Verdienste wird ihr die Stadt Chemnitz am Freitag dieser Woche die Ehrenbürgerwürde verleihen.

Zuvor kann sie am Montag Georg Baselitz, der im Januar seinen 80. Geburtstag feierte, in den Kunstsammlungen begrüßen. Baselitz gehört zu den bedeutendsten lebenden deutschen Malern. Als sein Markenzeichen gilt, dass er die Motive seit 1969 auf den Kopf stellt. Seit Anfang der 1990er-Jahre erzielen die Gemälde des Künstlers Millionenerlöse bei internationalen Auktionen. In allen führenden Museen der Welt sind die Werke des Malers und Bildhauers zu finden, der 1938 als Hans-Georg Kern in dem Ort Deutschbaselitz in der Lausitz geboren wurde.
Die in den Kunstsammlungen Chemnitz versammelten Arbeiten wurden seit 1998 hier zusammengetragen. Zum Bestand gehören die frühe Zeichnung "Kopf mit Lade", Gemälde, Skizzen und die monumentale Skulptur "Mondrians Schwester" (1977). Dazu kommen 29 Entwürfe für das Bühnenbild von György Ligetis "Le Grand Macabre" an der Oper Chemnitz sowie vier große Aquarelle mit Porträts unter anderem von Karl Schmidt-Rottluff. Erstmals sind vier 2012 erworbene großformatige Holzschnitte der "Remix"-Serie zu sehen.

Baselitz' Stil wird von Ingrid Mössinger als "sehr direkt" beschrieben. Er habe "eine starke Kraft an und in sich" und arbeite mit starkem emotionalem Antrieb, ganz im Duktus der sächsischen Expressionisten. "Er ist einer, der sich als Mensch und als Künstler sehr geradlinig gibt. Er will so wahr wie möglich sein, geht keine Kompromisse ein. Gelegentlich wirkt er prov0kativ. Und er will auch ein Stück weit provozieren." Das bekamen 2015 die Kunstsammlungen zu spüren, als Georg Baselitz aus Protest gegen das Kulturgutschutzgesetz seine Leihgaben aus deutschen Museen zurückforderte, darunter zwei Bilder aus Chemnitz. Die Beziehung des Künstlers zu dem Haus habe das nicht getrübt: "Er verhält sich durchaus großzügig", betont Ingrid Mössinger.

Den Hang zur Provokation stellt Baselitz, der laut Selbstauskunft von seiner Bestimmung zum Künstler schon als Kind überzeugt war, häufig unter Beweis. Vor seiner Übersiedlung nach Westberlin war er 1957 von der Ostberliner Hochschule für bildende Künste verwiesen worden. DDR-Künstler wie Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke beschimpfte er nach der Wende als "Arschlöcher". Die bundesdeutsche Demokratie sei eine Autokratie, die Presse so konform wie das "Neue Deutschland", sagte er in einem aktuellen Interview. In Chemnitz trägt sich Baselitz am Montag in das "Goldene Buch der Stadt" ein.

Ausstellungseröffnung und Eintrag von Georg Baselitz ins Goldene Buch der Stadt Chemnitz am Montag, 15 Uhr in den Kunstsammlungen am Chemnitzer Theaterplatz.

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