Streit um alte Sparkassen-Sparverträge nimmt kein Ende

In Zwickau sind die Fronten verhärtet: Verbraucherschützer haben Klagen gegen die Sparkasse vorbereitet. Der Zwist hat nun die Politik erreicht.

Zwickau.

In der Auseinandersetzung zwischen Verbraucherschützern und der Sparkasse Zwickau um gekündigte Prämiensparverträge wird der Ton rauer. Am Donnerstag meldete sich Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS), noch einmal zu Wort. Es sei "perfide", dass das Institut seine Versprechen an die Kunden nicht halte. Ihnen habe sie bei Abschluss ein lebenslanges Produkt versprochen. Die VZS wird demnach drei bis vier Kunden beim Gang vor das Gericht begleiten. Die Klagen würden in Kürze eingereicht. Er sehe hohe Erfolgschancen, sagte Eichhorst.

Bei den Verträgen handelt es sich um eine Anlage mit festgelegter Sparrate und variablem Zins, der zuletzt bei 0,001 Prozent lag. Interessant wird das "Prämiensparen flexibel" durch die gestaffelte Bonuszahlung. Ab dem 15. Jahr gibt es einen Bonus von 50 Prozent auf die jährliche Einzahlsumme. Insgesamt kommen die Kunden laut VZS so auf Renditen von 1,5 bis 1,9 Prozent.

Die Sparkasse hatte den Schritt mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank begründet. Aus wirtschaftlichen Gründen könne man die Anlageform nicht mehr aufrechterhalten, hieß es. Betroffen sind gut 1000 Kunden, deren Verträge zum 31. Oktober gekündigt wurden. Insgesamt besaßen 5000 Kunden derartige Verträge. 4000 haben sich laut dem Institut aber für andere Produkte entschieden und die Verträge selbst aufgelöst.

Inzwischen hat die VZS in Zwickau 650 Beratungen durchgeführt. Die Experten stießen sich nicht nur daran, dass die Sparkasse einst gegebene Versprechen nicht einhalte. Den Kunden würden als Anlagealternative zudem fondsbasierte Produkte und Versicherungen angeboten, die aufgrund von Provisionen teuer, teils "hochkompliziert" und nicht bedarfsgerecht seien. Es handele sich hier schließlich um den "sicherheitsorientiertesten Kundenstamm, den es gibt", so Eichhorst.

Es sind Kunden wie Rosemarie L.*, die nun verärgert sind. Sie habe das Prämiensparen abgeschlossen, um im Rentenalter den Lebensstandard halten zu können. Dafür habe sie anfangs auf Zinseinnahmen verzichtet. Nun aber, wo sie die höchste Bonusstufe bekommt, werde sie rausgeworfen. Auch Christine K.* zeigte sich "total enttäuscht". Dabei steht in ihrem 1994 geschlossenen Vertrag eine Laufzeit von 1188 Monaten, also 99 Jahren. Ähnlich sieht es bei L. aus: In Mitteilungen ist als Fälligkeitsdatum 2099 angegeben. In Schreiben, die "Freie Presse" vorliegen, pries das Institut das Sparmodell einst zur "Sicherung Ihres Lebensstandards im Ruhestand" an.

Sabine Zimmermann, Linken-Bundestagsabgeordnete aus Zwickau, hält das Vorgehen der Sparkasse daher für unangemessen. Das Institut könne nicht die Risiken auf die Kunden verlagern. Es müsse für solche Fälle Vorsorge treffen und Rücklagen bilden. Es habe ja auch in der Hochzinsphase Geld damit verdient. Sie will sich nun an das Bundesfinanzministerium wenden, dem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht als zuständige Aufsichtsbehörde unterstellt ist.

Neben der Zwickauer Sparkasse haben vier weitere Alt-Sparpapiere gekündigt, zuletzt die Erzgebirgssparkasse. Mit Leipzig, Muldental und Meißen hatte die VZS aber Alternativangebote für Kunden ausgehandelt. Im Erzgebirge wird es nächste Woche ein Gespräch geben.

* Namen sind der Redaktion bekannt.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    Stonep
    13.10.2017

    Zum besseren Verständnis sollte man folgenden Artikel im Archiv der FP nachlesen. ?So viel verdienen die Sparkassenchefs? vom 27.09.2016.



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