Zugstrecke nach Leipzig: Betreiber will Reichsbahnwagen ersetzen

Die Mitteldeutsche Regiobahn reagiert nach Pannen und Ausfällen auf die Kritik an der Linie Chemnitz-Leipzig. Doch die Beschaffung von Wagen dauert. Und: Ganz neu werden die auch nicht sein.

Chemnitz.

Nach Zugausfällen, immer wieder klemmenden Türen, Kundenbeschwerden und nicht zuletzt auch nach öffentlichem Druck zieht der Bahnkonzern Transdev auf der Linie Chemnitz-Leipzig wohl die Konsequenzen. Das Unternehmen, das die Strecke unter der Marke Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) betreibt, kündigte an, die bis zu 30Jahre alten modernisierten Reichsbahnwagen schrittweise durch neueres Wagenmaterial zu ersetzen. Bis Jahresende soll der erste Zug ausgetauscht sein, wie Transdev-Regio-Ost-Geschäftsführer Tobias Richter der "Freien Presse" sagte. Man habe sich dazu entschlossen, obwohl die jetzigen Wagen "bei vielen Reisenden auch beliebt sind, unter anderem wegen der Beinfreiheit", fügte Richter hinzu.

Das künftige Wagenmaterial wird demnach ebenfalls vom Gebrauchtmarkt kommen, aber deutlich verbessert sein. Statt der lauten Klotzbremsen sollen die Wagen moderne, zeitgemäße Scheibenbremsen haben und zudem über barrierearme Einstiegsbereiche verfügen.

Um welche Fahrzeuge es sich genau handelt, ließ Richter offen. Es sei noch nichts unterschrieben, "aber wir sind auf einem guten Weg", sagte der MRB-Manager. Man stehe hierzu in engem Kontakt mit den beteiligten Verkehrsverbünden. Die Beschaffung sei jedoch nicht einfach. Außerdem müsse man die Wagen zu Umbauten in die Werkstatt schicken. "Auch dieses Material soll ja heutigen Ansprüchen gerecht werden", betonte der MRB-Chef. So müssten etwa oftmals Sitze erneuert werden.

Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Detlef Müller, der kürzlich die zuständigen Vertragspartner der MRB - das sind der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) - aufgefordert hatte, den Betreibervertrag notfalls zu kündigen, äußerte sich nach einem Gespräch mit der MRB-Chefetage erleichtert. Das sei ein starkes Signal und er sei froh darüber, dass die MRB nun Geld in die Hand nehme, um das Angebot zu verbessern, sagte der SPD-Politiker. "Es zeigt, dass Druck und Beschwerden etwas bewirken können", so Müller. Der Abgeordnete hatte über sein Wahlkreisbüro in den letzten Tagen selbst zahlreiche Nachrichten "frustrierter Bürger" über die Bahnlinie erhalten.

Zuletzt hatte es Mitte März zahlreiche Zugausfälle auf der Regionalexpresslinie 6 gegeben. Zeitweise hatte die MRB jeden dritten Zug gestrichen. Grund dafür waren Technikprobleme mit Dieselloks. Von den drei Loks, die täglich im Umlauf sind, waren Richter zufolge zwei ausgefallen. In so einem Fall habe man trotz eines weiteren Reservefahrzeugs ein Problem. Man habe keine Erklärung für die Ausfälle, sagte Richter. "Die Loks sind in den letzten Jahren sehr stabil gelaufen."

Im Gegensatz zu den Wagen sind die Dieselloks von Siemens neuerer Bauart. Sie gelten als modern und zuverlässig. MRB-Chef Richter widersprach Gerüchten, dass wegen fehlender Werkstattkapazitäten eine Lok nach Husum in Norddeutschland gebracht wurde. Züge und Wagen würden ausschließlich im Instandhaltungswerk in Delitzsch gewartet. Da aber ein nicht sofort verfügbares Bauteil ausgefallen war, habe die Instandsetzung etwas länger gedauert, so Richter.

Um auch solchen Situationen künftig vorzubeugen, wurde laut Richter eine zweite Reservelok angemietet. Sie werde nach Ostern zur Verfügung stehen, kündigte er an. Beim Wagenmaterial habe man bereits einen Reservezug auf dem Gleis stehen, wie er sagte. Damit hoffe man, nicht mehr in Situationen zu kommen wie im Herbst, als "ganze Zugverbände ausfielen". Grund dafür seien Verschleißschäden an den Rädern gewesen, die laut Richter auftraten, nachdem sich auf den Schienen witterungsbedingt Schmierfilme gebildet hatten.

Vor über einem Jahr hatte die MRB ein ähnliches Problem bei ihren neuen Elektrotriebzügen auf der Strecke Dresden-Hof. Dort war es sogar über einen längeren Zeitraum hinweg zu massiven Zugausfällen gekommen.

Die grau-blauen Züge sind seit über zwei Jahren auf der 81 Kilometer langen Strecke zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs. Eigentlich sollten die Wagen bis mindestens Ende 2023 im Einsatz sein, so lange läuft der Verkehrsvertrag, den sich Transdev nach einer Ausschreibung gesichert hatte. Falls die Bahnstrecke bis dahin nicht elektrifiziert ist, kann der Vertrag bis Ende 2025 verlängert werden.

Die zwischen 1988 und 1990 gebauten Wagen waren zuvor bei der Nord-Ostsee-Bahn auf der Linie Hamburg-Husum-Westerland im Einsatz. Sie wurden zu DDR-Zeiten für den Fernverkehr konzipiert und fuhren damals zwischen Rostock und Berlin. Die früheren Schnellzugwagen sind modernisiert, allerdings nicht klimatisiert. Die Regionalexpressstrecke Chemnitz-Leipzig ist die nach der Auslastung viertstärkste Bahnlinie in Sachsen. Laut MRB nutzen im Schnitt pro Tag 9000 Reisende die Verbindung.

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1Kommentare
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  • 5
    0
    Deluxe
    01.04.2018

    Die Reichsbahnwagen sind nun wirklich das kleinste Problem an dieser Zugverbindung. Aber wenn man keine eigenen Loks hat, sondern die mieten muß, zeigt das mal wieder, wie krank unser System ist. Das eigentliche Problem ist doch aber die Strecke selbst. Seit 1945 fehlt das zweite Gleis und keine der danach folgenden Gesellschaftsordnungen war in der Lage, es zu ersetzen. Und die Elektrifizierung fehlt auch. Daß es die DDR nicht geschafft hat, ist noch irgendwie nachvollziehbar. Aber warum schafft es auch der Westen nicht? Weil es am Willen fehlt... Wir haben Miliarden und aber Milliarden für Rüstung - aber ein paar Hundert Millionen für den Ausbau der am stärksten frequentierten Großstadtverbindung in Sachsen fehlen - und das seit 30 Jahren.



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