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Mitarbeiter der Firma Staffbase auf dem Wirkbau-Gelände: Das Unternehmen zieht Mitte Mai in das Gebäude mit dem Uhrenturm. Martin Böhringer (links) ist der Gründer, daneben Sina Kaye Lockley, Patrick Noack und Sandra Hergert (von links). Hündin Coco ist das Maskottchen der Firma.

Foto: Andreas Seidel

Junge Chemnitzer Firma will Weltmarktführer werden

Ein Software-Unternehmen aus der Stadt wächst in rasantem Tempo. Für mehr Platz ist bereits gesorgt. Doch der Aufstieg sorgt auch für Probleme.

Von Andreas Klinger
erschienen am 05.01.2018

Angefangen hat alles in einer Altbauwohnung auf dem Kaßberg. Ende 2014 gründete der promovierte Wirtschaftsinformatiker Martin Böhringer dort zusammen mit zwei Partnern und vier Mitarbeitern das Software-Unternehmen Staffbase. Schon damals hatte der heute 32-jährige Geschäftsführer vor, die Firma zum Weltmarktführer zu machen. Diesem Ziel ist Böhringer mittlerweile deutlich näher gekommen.

"Aktuell sind wir bereits weltweit unter den Top Drei in unserer Sparte", berichtet er. Staffbase hat eine Anwendung für Smartphones entwickelt, die von den Mitarbeitern von Großunternehmen als internes Firmennetzwerk genutzt werden kann. "So sind zum Beispiel auch Außendienstmitarbeiter ohne festes Büro besser in die interne Kommunikation eingebunden", sagt Böhringer. Zu den Nutzern der Anwendung gehörten aktuell Firmen wie Siemens, Daimler und die Brauerei Paulaner. "Unser Produkt kommt gut an. Der Umsatz hat sich in den letzten zwei Jahren vervierfacht und liegt nun im siebenstelligen Bereich. Wir wachsen explosionsartig", so Böhringer.

Die Wohnung auf dem Kaßberg ist für Staffbase schon lange zu klein geworden. Das Unternehmen zog Mitte 2016 in das Gebäude an der Zwickauer Straße, in dem auch das Möbelhaus Tuffner ansässig ist. Doch auch dort wird es nun zu eng für die auf über 50 Mitarbeiter angewachsene Belegschaft, die aus acht Nationen stammt - Indien, England, Pakistan, Frankreich, USA, Georgien, Lettland und Deutschland. Daher steht nun ein weiterer Umzug an, auf das Gelände des ehemaligen Wirkbaus an der Annaberger Straße. Das unter Denkmalschutz stehende Areal mit dem Backsteinturm diente bis 1993 als Werk für Textilmaschinen. Heute sind dort über 50 Unternehmen, Vereine und Kreative angesiedelt.

"Im Wirkbau sind alle Voraussetzungen gegeben, vom Standort bis zur Architektur", sagt Staffbase-Gründer Böhringer. Wenn alles läuft wie geplant, sollen Ende 2018 über 140 Mitarbeiter auf einer Fläche so groß wie zwei Profi-Fußballfelder ihre Arbeit verrichten. Eine ganze Etage soll zum Großraumbüro werden. Das gehört zu Böhringers Philosophie: "In kleinen Räumen entsteht keine Kreativität. Der permanente Austausch aller Mitglieder ist nicht nur für das Arbeitsklima wichtig." Dennoch werde es einige abgetrennte Räume für diejenigen geben, die etwa viel telefonieren müssen. Obwohl die Mitarbeiter nach Unternehmensangaben im Schnitt 31 Jahre alt sind, hätten viele bereits Kinder, sagt Böhringer. Es werde daher auch ein Spielzimmer eingerichtet.

Böhringer sieht sein Unternehmen im globalen Wettbewerb: "Unsere Referenz ist nicht die Region, sondern das Silicon Valley. Wir wollen besser sein als die", sagt er. Dazu benötige das Unternehmen erfahrene Fachleute, vor allem aus dem IT-Bereich. Genügend Informatiker in der Region zu finden, sei aber schwierig, sagt der Gründer und fügt hinzu: "Die TU Chemnitz kriegt ihre IT-Studiengänge nicht voll." Ein Sprecher der Uni widerspricht: "Die Auslastung der IT-Studiengänge liegt in diesem Semester bei 160 Prozent." Nach einer Studie des Sächsischen Wissenschaftsministeriums von 2015 geht jedoch ein Viertel der Absolventen von sächsischen Hochschulen aus Sachsen weg.

Auch einige Staffbase-Mitarbeiter hatten anfangs nicht vor, in Chemnitz zu bleiben. Und nicht alle sind Informatiker. Sarah Hergert etwa hatte an der TU Chemnitz Wirtschaft studiert und entschied sich danach, in Berlin zu arbeiten. Ihre Entscheidung, nach Chemnitz zurückzukehren, hatte auch persönliche Gründe. Dennoch ist die 30-Jährige mit ihrem Posten im Kundenservice sehr zufrieden: "So einen Job wie bei Staffbase in Chemnitz zu finden, ist nicht einfach, daher orientieren sich viele zuerst woanders."

Für Chemnitz spricht noch etwas anderes. "Der hohe Leerstand macht die Stadt interessant für junge Unternehmen, die sich die Mietpreise in anderen Städten nicht leisten wollen", so Böhringer. Das hinderte das Unternehmen jedoch nicht daran, 2016 eine Niederlassung in New York zu gründen. Auch in Dresden wurde im vergangenen Jahr eine weitere Filiale eröffnet, die vor allem dazu dienen soll, Informatiker von der TU Dresden für die Firma zu gewinnen. Und dennoch, so versichert der Firmengründer, soll Chemnitz der Hauptsitz des Unternehmens bleiben.

 
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