Industrie will höhere Preise für CO-Ausstoß

Vor dem zweitägigen G20-Gipfel in China mahnen Experten mehr Klimaschutz an. Eine neue Studie weist auf die Defizite hin. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Peking/Hangzhou.

Eine Allianz aus Umweltaktivisten, Industrie und Klimaforschern drängt die führenden Industrie- und Schwellenländer vor ihrem am Sonntag in Hangzhou beginnenden Gipfel zu mehr Anstrengungen beim Klimaschutz. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Umweltorganisation Germanwatch und das Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) forderten die G20-Länder auf, globalen Klimaschutz mit einer Initiative für ein starkes Preissignal für Kohlendioxid voranzutreiben. Umsetzen könnten die Staaten die Bepreisung durch einen funktionierenden Emissionshandel oder CO2-Abgaben", so MCC-Direktor Ottmar Edenhofer.

Holger Lösch vom BDI ergänzte mit Blick auf die deutsche G20-Präsidentschaft ab Dezember: "Wir hoffen, dass es Berlin gelingt, die Einführung von abgestimmten CO2-Preisen auf die Agenda zu setzen."

Die G20-Länder stehen für gut 85 Prozent der Weltwirtschaftsleistung sowie zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie sind aber auch für 75 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine neue internationale Studie zeigt, dass die G20 ihre Anstrengungen deutlich vergrößern muss, um den Einstieg in eine treibhausgasneutrale Welt zu organisieren, so wie sie das Pariser Klimaabkommen anstrebt. Prioritäten müssten insbesondere in den Bereichen Kohleverstromung, Subventionsabbau für fossile Energien und bei einem langfristigen Rahmen für die Klimapolitik gesetzt werden. Würden so viele Kohlekraftwerke gebaut wie geplant, liefe das auf eine Verdoppelung der klimaschädlichen Kohlenutzung hinaus, warnen die Experten von Climate Transparency, einem Zusammenschluss von Klimaforschungsinstituten und Organisationen.

Die gute Nachricht: "Die CO2-Emissionen sind innerhalb der letzten zwei Jahre nicht mehr gewachsen, aber insgesamt sind die natürlich immer noch auf einem viel zu hohen Niveau", sagte am Donnerstag Jan Burck, Klimaexperte von Germanwatch und Co-Autor der Studie.

Climate Transparency legt mit ihrer neuen Studie offen, wer besonders viel für den Klimaschutz tut und wer hinterherhinkt. Gute Noten erhält vor allem China, obwohl aufgrund der rasanten Entwicklung der CO2-Ausstoß eines Chinesen, rein rechnerisch betrachtet, mittlerweile fast an den eines Deutschen heranreicht. Bei der Investitionsattraktivität in erneuerbare Energien rangieren China, Indien, Frankreich, Deutschland, die USA und Großbritannien an der Spitze. Und Deutschland? Lange Weltmeister beim Ausbau der erneuerbaren Energien und vorbildlich bei der internationalen Klimafinanzierung - bereiten der weiter hohe Anteil von Kohleverstromung und Subventionen für fossile Energien Sorgen.

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