Sachsens Autozulieferer bleiben optimistisch

Die Konjunkturschwäche in der Automobilindustrie bekommen auch die sächsischen Zulieferer zu spüren. Trotzdem blicken sie zuversichtlich in die Zukunft. Ein Thema ist allerdings eine besondere Herausforderung.

Chemnitz.

Die aktuellen Konjunkturschwankungen betreffen auch die Firma Wesko in Stollberg. Das Unternehmen mit 125 Beschäftigten ist in den Bereichen Werkzeug- und Formenbau, Kunststoffverarbeitung und Prüftechnik tätig und bietet seine Leistungen auch in der Autoindustrie an. "Wir werden 2019 das Vorjahresniveau nicht ganz erreichen", sagte Wesko-Geschäftsführer Michael Wiesehütter bei der Vorstellung eines Branchenmonitorings des sächsischen Zuliefernetzwerkes AMZ am Donnerstag in Chemnitz.

Nach zehn Jahren Wachstum sei wohl jedem klar, dass das nicht ungebremst so weitergehen könne. "Deshalb darf jetzt keine Krise herbeigeredet werden", mahnte der Wesko-Chef. Das sehen wohl auch viele seiner Managerkollegen in der Branche so. Nach der Umfrage des AMZ-Netzwerkes vermelden zwar 53 Prozent der Unternehmen rückläufige Umsätze im Vergleich zu 2018. Ein Viertel behauptet konstante Umsätze, während 22 Prozent sogar zulegen konnten. Aufstecken wollen die Unternehmen trotz des schwachen Ergebnisses aber nicht.

Auf die Frage nach der mittelfristigen Perspektive des Standorts sehen 49 Prozent den Bestand als sicher und stabil an. Lediglich 15 Prozent erwarten Reduzierung, während 36 sogar so optimistisch sind, weiteres Wachstum zu prognostizieren. Der Optimismus drückt sich auch in der Investitionsbereitschaft aus. Mit 69 Prozent gibt die große Mehrheit an, dass weitere Investitionen am Standort geplant seien. 31 Prozent verneinen das. "Unsere Kunden sind die großen Automobilhersteller. Chancen kann ich nur nutzen, wenn ich mich bewege", sagte AMZ-Netzwerkmanager Andreas Wächtler. In großer Mehrheit haben das die Zulieferer schon getan. 72 Prozent geben an, dass sie bereits Aufträge für Teile oder Komponenten von Elektrofahrzeugen in den Büchern haben.

Ihre größte Herausforderung sehen Unternehmen der Zulieferbranche neben dem Wandel zur Elektromobilität (22 Prozent) vor allem in der Personalrekrutierung (30 Prozent). Die Entwicklung neuer Produkte liegt mit 19 Prozent auf dem dritten Platz. Die Gestaltung CO2-neutraler Wertschöpfungsketten, wie es die Autohersteller immer öfter fordern" sehen nur 9 Prozent als die größte Herausforderung an, während immerhin 13 Prozent die Rahmenbedingungen für die Produktion in Sachsen als Problem sehen. Für die Umfrage wurden rund 100 repräsentativ ausgewählte Unternehmen befragt. Zur Automobilzulieferindustrie in Sachsen zählen rund 800 Unternehmen, 160 davon sind im Netzwerk AMZ organisiert. In Sachsens Automobilindustrie mit ihren Zulieferern sind insgesamt rund 95.000 Menschen tätig.

Um den intensiven Strukturwandel in der Automobilindustrie zu begleiten, hat das AMZ-Netzwerk ein Arbeitspapier entworfen, um eine Grundlage für den Zukunftsdialog in der Branche zu haben. "Unser Papier haben wir auch den Parteien für die Beratung des Koalitionsvertrages zukommen lassen", erklärte AMZ-Manager Dirk Vogel. Einiges sei in den Koalitionsvertrag eingeflossen. Wichtig sei aber die Dialogbereitschaft zwischen Politik und Automobilindustrie. Dafür sei das Bekenntnis zum Produktionsstandort der Autoindustrie ein gute Grundlage. "Wünschenswert wäre eine Stabsstelle für die Automobilindustrie im sächsischen Wirtschaftsministerium", sagte Vogel. Es gehe darum, die Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen der automobilen Wertschöpfungskette in Sachsen zu verbessern.

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