Umweltministerium legt Konzept zum Schutz der Insekten vor

Mehr Blühflächen auf Feldern, an Gewässern und in Siedlungen - erstmals in Sachsen gibt es einen Maßnahmenplan, um den Insektenrückgang zu stoppen. Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle.

Leipzig.

Das Feld, das die Agrarproduktion Kitzen eG am Stadtrand von Leipzig in diesem Jahr zur Blühwiese gemacht hat, leuchtet schon von weitem - es steht in voller Blüte. Matthias Nuß entdeckt, ohne groß suchen zu müssen, Garten- und Steinhummeln sowie Honigbienen. Der Sektionsleiter bei der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Dresden, zeigt auf eine krautige Pflanze mit lilafarbenen Blüten: Hummeln liebten die Phacelia. Gemeinsam mit Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) stellt Nuß an diesem Donnerstagnachmittag auf der Blühwiese der Genossenschaft ein Handlungskonzept des Freistaates zum Insektenschutz vor. Denn es soll in Zukunft noch mehr von solchen Flächen geben, auf denen möglichst keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und Insekten Lebensraum finden.

Der Entwurf enthält neun Handlungsfelder, in denen vorhandene und neue Maßnahmen der Landesregierung zusammengefasst sind. Neben den Blühwiesen sieht das Konzept auch die Förderung von Totholz im Wald, den Ausbau von Feldhecken und Ufergehölzen sowie Gewässerrandstreifen vor. Aber auch in den Dörfern und Städten könne noch viel getan werden - etwa durch insektenfreundliche Lichtquellen, blütenreiche Vorgärten oder entsprechend bewirtschaftete Wiesen. Das Land soll dabei mit gutem Beispiel vorangehen und die landeseigenen Grünflächen so gestalten, dass Insekten sich dort ansiedeln. Auch da gebe es noch "eine Menge Reserven", so Schmidt. Durch Umweltbildungsmaßnahmen sollen zudem Kommunen, Wohnungsgesellschaften sowie Privat- und Kleingärtner über Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt aufgeklärt werden. "Das wollen wir verstärken", kündigt Schmidt an.

Das Konzept war zuvor mit Naturschutzverbänden, Landwirten und Kommunen diskutiert worden. Nuß, der den Prozess begleitet hat, sprach von einer "großen Gesprächsbereitschaft" der Beteiligten - auch wenn sich "nicht immer alle vertragen hätten". Im Herbst soll sich dann das Regierungskabinett mit dem Konzept befassen. Danach sollten die Handlungsschwerpunkte in konkrete Maßnahmen überführt werden, hieß es. Wie viel Geld für die Umsetzung nötig ist, konnte Schmidt aber nicht sagen.

Die Ursachen für das Insektensterben sind laut Schmidt vielfältig. Dazu gehörten der Verlust von Lebensräumen, der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln, Schadstoffe in der Luft, aber auch Klimawandel und "Lichtverschmutzung" in der Nacht. Der anhaltende Rückgang der Insekten ist für ihn "alarmierend, da die Folgen für das gesamte Ökosystem kaum abzusehen sind".

Der Minister wies aber darauf hin, dass schon einiges getan werde. So seien 150 Hektar Hecken und Feldgehölze angelegt worden. Schulen, Bürger und Firmen unterstützten im Rahmen der Aktion "Puppenstube gesucht" rund 300 Schmetterlingswiesen. "Ich möchte aber, dass wir noch stärker in die Fläche kommen", sagt Schmidt mit Blick auf die Landwirtschaft. Die wird auch im Insektenschutzkonzept als einer der maßgeblichen Handlungsbereiche angesehen - immerhin werden 54 Prozent der Landesfläche Sachsens landwirtschaftlich genutzt. Was Schmidt gern sehen würde, wären einzelne Blühstreifen, die in die Felder integriert werden. Da man heute zentimetergenau säen und düngen könne, sei das technisch kein Problem. Auch Nuß plädiert dafür.

Lob bekam Schmidt für das Konzept von den Grünen. Der Vorstoß enthalte viele gute Ideen, kommentierte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Wolfram Günther, den Entwurf. Der Umweltminister sei "endlich aufgewacht".


Steinhummel liegt bei Insektenzählung vorn 

Halbzeit bei der diesjährigen Insektenzählung des Naturschutzbundes (Nabu): Wie schon im Vorjahr liegt die Steinhummel vorn, gefolgt von der Honigbiene, der Hainschwebfliege und dem Asiatischen Marienkäfer. Der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer habe es wieder nicht in die Top 20 geschafft, teilte der Nabu mit. Nach vorläufigem Auszählungsstand gingen die Schmetterlingssichtungen gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zurück - mit Ausnahme des Distelfalters, den die Zähler dreimal so oft gesehen haben wie 2018.

Bislang beteiligten sich 6400 Menschen an der Aktion, sie gaben 3600 Meldungen ab. In Sachsen gingen 265 Meldungen über 2422 beobachtete Insekten ein. Die meisten Sichtungen entfielen auch hier auf die Steinhummel. Die nächste Zählrunde findet vom 2. bis 11. August statt. (jdf)

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