Saxonia Galvanik richtet Tagschichtplätze für Mütter ein

Mittlerweile beschäftigt die Halsbrücker Firma am Standort Hainichen 67 Mitarbeiter, vorwiegend Frauen. Familienfreundliche Arbeitszeiten ermöglichen auch jungen Müttern, weiter im Betrieb zu bleiben. Diese Regelung ist nicht ganz uneigennützig.

Hainichen.

Erst vor vier Jahren hat die Firma Saxonia Galvanik ihre Qualitätskontrollstelle auf dem Parkplatz am ehemaligen Einkaufszentrum auf dem Ottendorfer Hang in Hainichen eröffnet. Die Zahl der Mitarbeiter ist seitdem von etwa 20 auf derzeit 67 gewachsen. Der Großteil davon sind Frauen. Und um diese zu halten, gibt es nun in Hainichen auch sieben Tagschichtplätze für junge Mütter. Eingerichtet wurden sie in der neuen Leichtbauhalle.

"Unsere Frauen arbeiten normalerweise in zwei Schichten", sagt Geschäftsführer Stefan Tilke. Vor allem für Mütter mit kleinen Kindern sei das oftmals ein Problem. Aber: "Kein Mitarbeiter soll das Unternehmen verlassen, weil Möglichkeiten fehlen, die kleinen Kinder zu betreuen", sagt Tilke. Deshalb seien ab nächstem Monat auch fünf der sieben Plätze bereits besetzt.

Auch im Stammwerk in Halsbrücke gebe es laut Tilke elf Tagschichtplätze, am Standort in Nossen maximal zwei. "Darüber sind wir sehr froh, denn wir sind ein Schichtbetrieb", erklärt Ramona Morgenstern, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Froh auch deswegen, weil gut qualifizierte Frauen nicht wegfallen. "Die meisten kommen aus der Produktion. Noch während der Schwangerschaft werden sie aus dem Schichtsystem herausgenommen", sagt Ramona Morgenstern. In der Qualitätskontrolle leisteten sie gute Arbeit.

Die Tagschichtplätze könnten die Frauen bis zum vollendeten elften Lebensjahr ihres Kindes nutzen. "Wenn die Mütter es wünschen und einrichten können, dürfen sie natürlich auch eher wieder in die Schichtarbeit zurückkehren, aber das ist ganz freiwillig", sagt Ramona Morgenstern.

Wie wichtig gut eingearbeitete Mitarbeiter sind, zeigt sich am Standort Hainichen, denn der ist bereits an seiner Kapazitätsgrenze. Das Halsbrücker Unternehmen mit Niederlassungen in Freiberg, Nossen und Hainichen galvanisiert Kunststoffteile für alle gängigen Automobilhersteller. "Wir haben noch nie so viel produziert wie in diesem Jahr", sagt Tilke. Selbst das produktionsarme Sommerloch sei ausgeblieben. Der Geschäftsführer spricht von 15 Prozent Produktionssteigerung allein in den vergangenen drei Jahren. Und das macht sich auch in Hainichen bemerkbar. Dort war auf rund 860 Quadratmetern Fläche begonnen worden, heute sind es knapp 1700 Quadratmeter.

"Im Sommer 2012 hatten wir mit dem ehemaligen Tipp-Markt nur einen Teilbereich übernommen", erklärt Tilke. Als kurz danach der Drogeriemarkt Schlecker auszog und 2014 ein Lagerladen, konnte sich die Niederlassung vergrößern. "Bis 2014 waren 250.000 Euro in den Standort geflossen", erzählt der Geschäftsführer. Im September vergangenen Jahres kam noch eine neue Leichtbauhalle dazu, die die Saxonia Galvanik angemietet hat. Mittlerweile werden laut Tilke mehr als zwei Millionen Teile im Monat in Hainichen auf ihre Qualität kontrolliert. Hauptsächlich seien das in Halsbrücke galvanisierte Türinnengriffe für viele gängige Automarken.

Die Qualitätskontrolle hat es in sich und verlangt von den Frauen in der Sichtkontrolle ein geschultes Auge. "Jedes Teil muss einzeln in die Hand genommen und auf Fehler untersucht werden", erklärt Standortleiter Uwe Fröhlich. "Bei den Fehlern sprechen wir nicht von großen Kratzern, sondern von feinsten Fehlstellen, die der Endverbraucher wahrscheinlich gar nicht bemerken würde", ergänzt Tilke. "Die Automobilhersteller sind sehr anspruchsvoll", weiß er. Um der "Betriebsblindheit" vorzubeugen, kontrollieren die Frauen maximal eine Woche lang das gleiche Teil, dann wechseln sie zu einem anderen Design. Spezielle Arbeitsplatzbeleuchtungen, eine augenentspannende Wandfarbe und Anleitungen zur Augenentspannung sollen den Frauen die Arbeit erleichtern. "Wir sind sehr froh, wie sich der Standort in Hainichen entwickelt hat", sagt Tilke.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...