Flugchaos und hoher Kerosinpreis: Lufthansa bremst Wachstum

Wegen der holprigen Integration der Air Berlin und steigender Kerosinpreise muss die Lufthansa Abstriche machen. Trotz nach wie vor hoher Gewinnziele, kommen die Neuigkeiten am Finanzmarkt nicht gut an.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa bremst angesichts des Flugchaos vom Sommer und stark gestiegener Treibstoffpreise ihre Wachstumspläne.

Im Sommer 2019 will sie ihr Flugangebot nur noch halb so stark ausweiten wie im laufenden Jahr. Zusätzlich dürfte sich der stark gestiegene Kerosinpreis negativ auf den Gewinn auswirken.

Im laufenden Jahr schlägt sich die Lufthansa aber trotz der holprigen Integration eines Großteils der Air-Berlin-Flotte gut. Vorstandschef Carsten Spohr erwartet weiterhin den zweithöchsten Gewinn der Konzerngeschichte. Der Rekordwert von fast 3 Milliarden Euro operativem Gewinn (bereinigtes Ebit) aus dem Vorjahr soll demnach nur leicht verfehlt werden. Analysten gingen im Schnitt zuletzt von 2,86 Milliarden Euro aus. Eine Gewinnprognose für 2019 gab der Vorstand nicht ab.

Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten trotzdem schlecht an. Kurz nach Handelsstart verlor die Lufthansa-Aktie am Dienstagmorgen in einem starken Markt fünf Prozent und fiel auf unter 18 Euro. Damit setzte sie den Abwärtstrend der vergangenen Monate fort.

Wie anderen Fluggesellschaften auch, droht der Lufthansa nun ein deutlicher Anstieg der Kerosinrechnung. Im laufenden Jahr dürfte die Ausgaben für Sprit auch wegen des ausgeweiteten Flugangebots um 850 Millionen Euro steigen und bis zu 6,1 Milliarden Euro erreichen. Für 2019 rechnet der Konzern allein wegen des höheren Ölpreises mit einem Anstieg der Tankkosten um 900 Millionen Euro.

Als Grund für die gekappten Wachstumspläne nannte die Lufthansa am Dienstag in Frankfurt - neben den steigenden Treibstoffkosten - die Tatsache, dass einige Flughäfen zuletzt an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen seien. Im nächsten Sommer will die Lufthansa-Führung das Flugangebot daher nur noch um 3,8 Prozent ausweiten. Für das laufende Jahr plant sie weiterhin ein Plus von rund 8 Prozent.

Der aktuelle Ausbau ist vor allem der Übernahme großer Teile von Air Berlin geschuldet. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat mit 77 Maschinen mehr als die Hälfte der Flotte übernommen, was nicht reibungslos verlief. Der operative Gewinn bei der Billigtochter ging um 40 Prozent zurück. Eurowings musste reihenweise Ersatzflugzeuge chartern, Passagiere versorgen und Fluggast-Entschädigungen bezahlen. «Ohne den Ergebnisrückgang bei Eurowings wäre uns sogar ein neuer Rekord gelungen», sagt Spohr über die ersten neun Monate.

Insgesamt lief der Sommer für die Lufthansa nur mäßig. Im dritten Quartal steigerte das Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aufgrund veränderter Rechnungslegung nur um 1,5 Prozent auf 9,96 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging auch wegen der Sonderkosten bei der Integration der Air-Berlin-Teile und vieler Verspätungen um elf Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zurück. Der Überschuss sank um zehn Prozent auf 1,07 Milliarden Euro.

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