Gefälle bei Vermögen zwischen West und Ost immer noch groß

Wer Häuser, Wohnungen und Aktien besitzt, konnte sein Vermögen in den vergangenen Jahren deutlich mehren. An vielen Menschen in Deutschland geht der Boom allerdings vorbei.

Berlin/Frankfurt (Main).

Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte weiterhin ungleich verteilt - auch wenn sie im Schnitt gestiegen sind. Das geht aus der am Montag veröffentlichten europaweiten Bundesbank-Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF) hervor. Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. Befragt wurden 4942 repräsentativ ausgewählte Haushalte im Zeitraum März 2017 bis Oktober 2017. Knapp drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung besteht bei den Privatvermögen zudem weiter ein erhebliches Gefälle zwischen West- und Ostdeutschland. Während ein typischer Haushalt im Westen über ein Nettovermögen von 92.500 Euro verfüge, seien es im Osten lediglich 23.400 Euro, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Bei diesen 2017 erhobenen Zahlen handelt es sich um die Medianwerte, die einen Haushalt in der Mitte der Vermögensverteilung repräsentieren. Die Durchschnittswerte, die stärker von Ausreißern beeinflusst werden, liegen im Westen bei 269.600 und im Osten bei 93.200 Euro. Ein Grund für das Gefälle ist, das in der Vermögensstudie der Wert des Eigenheims eine große Rolle spielt. Im Osten leben nur 34 Prozent aller Haushalte in den eigenen vier Wänden, in Westdeutschland 47 Prozent.

Die Studie bestätigt außerdem die Ungleichheit der Vermögensverteilung in ganz Deutschland: Die unteren 50 Prozent aller Haushalte verfügen laut Bundesbank lediglich über drei Prozent des gesamten Nettovermögens. In Italien lag der Median im Jahr 2016 bei 126.000 Euro, also deutlich höher als in Deutschland. Die Finanzvermögen der Italiener, also reine Geldanlagen ohne Sachwerte, sind laut Zahlen der Banca d'Italia zwar geringer als die der Deutschen. Doch in dem Mittelmeerland besitzen rund 70 Prozent aller Haushalte ein Eigenheim. Allerdings sind auch in Österreich, wo der Anteil der Eigenheimbesitzer ähnlich niedrig ist wie hierzulande, die Haushalte etwas vermögender als in Deutschland: Hier lag der Median bei 83.000 Euro. Die Ergebnisse der übrigen Staaten, die an dem europäischen Forschungsprojekt beteiligt sind, liegen noch nicht vor. Frühere Erhebungswellen hatten großes Aufsehen erregt, weil danach selbst im krisengeschüttelten Griechenland der Median-Haushalt über ein größeres Nettovermögen verfügte als in Deutschland. In Griechenland ist Wohneigentum ähnlich verbreitet wie in Italien.

Wie stark sich Immobilienbesitz auf das Gesamtvermögen auswirkt, zeigt der Vergleich von Mietern und Hauseigentümern innerhalb Deutschlands: Eigentümerhaushalte kommen laut Bundesbank auf einen Medianwert von 277.000 Euro, Mieter dagegen nur auf 10.400 Euro. Dieser gewaltige Unterschied ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass für den Erwerb eines Eigenheims schon ein gewisses Vermögen vorhanden sein muss. Zudem hat sich der Abstand zwischen Mietern und Hauseigentümern durch den Anstieg der Immobilienpreise seit 2014 weiter vergrößert. Das Nettovermögen der Mieter stieg zwar ebenfalls, aber nicht im gleichen Umfang.

In Italien sind die Hauspreise in den vergangenen Jahren gefallen, dementsprechend gingen auch die Nettovermögen zurück. Anders als der Medianwert liegt das Durchschnittsvermögen italienischer Haushalte mit 206.000 Euro nun unter dem deutschen. Weit über dem europäischen Niveau liegt mit umgerechnet 625.000 Euro das durchschnittliche Nettovermögen der US-Haushalte. Der Medianwert ist mit 88.000 Euro allerdings erheblich niedriger, was das Ausmaß der Ungleichheit in den USA unterstreicht.

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1Kommentare
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  • 2
    2
    Interessierte
    24.04.2019

    Unser ´Vermögen´ haben die sich doch in den Westen geholt mit dubiosen Geschäften/Spielchen , und wenn man nichts wieder dazu verdient , wo soll denn dann ´Vermögen´ herkommen ???
    Hier haben Westler gut verdient und viel ´Vermögen` gemacht , hatte man doch die Ostler ausgenommen und das Land ausgeräumt und sich selbst zum Millionäre gemacht. ...

    Die Häuser und Wohnungen haben die Wessis aufgekauft und vermieten die für viel Geld und haben dafür Aktien gekauft ...
    Wer kein Eigentum hat und wenig verdient , kann keine Aktien kaufen , der hat damit zu tun , sich am letzten Tag im Monat noch ein Brot zu kaufen ......



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