Aushängeschild hält dem Chemnitzer Radsport-Team die Treue

Als letzter Fahrer hat der mehrfache Weltmeister Maximilian Levy am Mittwoch seinen Vertrag bei der Erdgas-Mannschaft verlängert. Auch Kristina Vogel soll nach ihrem Schicksalsschlag weiter eine Rolle spielen.

Chemnitz.

Die "Schockstarre" nach dem schweren Unfall von Kristina Vogel ist überwunden. Endgültig. Nach einem Jahr mit vielen Höhen, darunter fünf WM-Medaillen in Apeldoorn und die erfolgreiche Crowdfunding-Aktion #staystrongkristina, sowie dem emotionalen Tiefpunkt im Juni mit den schlimmen Nachrichten um Ausnahmesprinterin Kristina Vogel blickt das Chemnitzer Erdgasteam optimistisch in das neue Jahr. "Krisen hatten wir immer schon. Ich denke, wir sind an der Situation gewachsen und gehen extrem gestärkt in das Jahr 2019", sagt Daniel Rekowski, Präsident des Vereins.

Ohne die zweimalige Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin steht das Team 2019 vor einem "Neustart", wie Rekowski glaubt. Wichtiger Eckpfeiler in der sechsköpfigen Mannschaft ist deshalb mehr denn je Maximilian Levy. Der 31-Jährige, seit mehr als einem Jahrzehnt die Galionsfigur im deutschen Männersprint, verlängerte als letzter Fahrer seinen Vertrag für die Saison 2019 - mit einer Option für 2020. "Maximilian Levy ist der professionellste Rennfahrer, den ich kenne. Er ist ein Athlet, auf den wir uns immer verlassen können. Als Vorbild und Leitfigur ist ,Vaddi', wie wir ihn im Team nennen, für uns ein absoluter Glücksfall. Deshalb wünsche ich mir auch, dass er auch 2020 bei uns bleibt", hofft Michael Hübner, Sportlicher Leiter der Truppe.

Maximilian Levy fährt seit 2011 für das "Drachenteam", wechselte damals vom französischen Rennstall Cofidis. Der Cottbuser ist der erfolgreichste deutsche aktive Sprinter. Neben drei Olympiamedaillen stehen zehn WM-Podestplätze - darunter vier WM-Titel - in seiner Vita. In diesem Monat ist er bei den Sechstagerennen in Rotterdam (3. bis 8.1.), Bremen (10. bis 15.1.) und Berlin (24. bis 29.1.) am Start. Auf die WM 2019 in Pruszkow verzichtet Levy, da seine Frau Madeleine Ende Februar ihr drittes Kind erwartet.

"Ich freue mich auf ein weiteres Jahr im Team. Nach dem Ausscheiden von Kristina Vogel war es keine Frage, mich ein weiteres Jahr zur Verfügung zu stellen und meine Erfahrungen weiterzugeben", sagt Levy. Ob er, der seit 2005 die deutsche Männerspitze bestimmt, auch 2020 im Sattel sitzen wird, steht noch nicht fest. "Bis zu den Deutschen Meisterschaften Anfang August habe ich vom Verband freie Hand bekommen. Danach werde ich eine Entscheidung treffen. Eines ist aber klar: Sollte 2020 ein weiteres Jahr für mich rankommen, fahre ich definitiv für das Team Erdgas."

Vor dem Routinier hatten Teamsprintweltmeisterin Pauline Grabosch sowie die Nationalfahrer Maximilian Dörnbach und Nik Schröter ihre Verträge bis Ende 2020 verlängert. Das Trio reist am 7. Januar nach Durbanville in der Nähe von Kapstadt, bereitet sich dort gut drei Wochen lang auf die Weltmeisterschaften (27.2. bis 3.3.) vor. Zudem verpflichtete die Mannschaft die vierfache Junioren-Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich und Marc Jurczyk bis 2020. Beide - privat auch ein Paar - fliegen Ende des Monats zum Weltcup nach Hongkong und wollen noch auf den WM-Zug aufspringen. "Mit unseren Verpflichtungen haben wir den Generationswechsel vorangetrieben. Auch das zeigt: Ein neuer Abschnitt liegt vor dem Team", betont Rekowski.

Auch finanziell ist das Team wieder in ruhigem Fahrwasser angelangt, was auch der größte Kader seit Jahren unterstreicht. "Wir haben uns bei den Sponsoren breiter als in der Vergangenheit aufgestellt", berichtet der Präsident. Weiterer positiver Nebeneffekt: Das Team wird für 2019 beim Weltverband UCI erneut eine Lizenz als Track-Team beantragen. "Wir wollen unseren Sportlern wieder mehr Möglichkeiten schaffen, sich international zu präsentieren", begründet der Vereinschef, nachdem man bei den Weltcups in diesem Winter fehlt.

Nicht verlängert wurde indes der Vertrag von Kristina Vogel, die seit 2013 die Farben des Teams trug und in dieser Zeit die meisten ihrer Erfolge feierte. Die 28-Jährige, seit ihrem Unfall querschnittsgelähmt, soll aber weiter dazugehören. "Für mich ist Kristina immer noch Bestandteil der Mannschaft - auch ohne Vertrag. Es ist unser fester Wille und großer Wunsch, Kristina im Team zu halten", betont Michael Hübner. Noch im Laufe des Januars soll es ein Treffen geben, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Aber schon jetzt ist sich der siebenfache Weltmeister sicher: "Kristinas Unfall hat uns noch einmal einen Ruck gegeben. 2019 wird ein ganz interessantes Jahr für das Team."

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