Beim Debüt Geschichte geschrieben

Die Motorrad-Weltmeister standen bereits vor dem Saisonfinale fest. So fuhr sich Can Öncü in Valencia ins Rampenlicht. Nicht nur wegen seines Husarenstücks am Sonntag ist dem 15 Jahre alten Türken künftig einiges zuzutrauen.

Valencia.

15 Jahre, 115 Tage: In diesem Alter hat Can Öncü bereits WM-Geschichte geschrieben. Er gewann am Sonntag beim Saisonfinale in Valencia als jüngster Pilot der Motorradhistorie einen Grand Prix. Zum ersten Mal stand ein Türke ganz oben auf dem Podest eines WM-Laufs. Und das alles als Gaststarter bei seinem ersten WM-Rennen überhaupt. "Das ist unglaublich. Das erste Mal. Mit einer Wildcard. Und dann ein Sieg. Unglaublich. Ich weiß gar nicht, was passiert ist", stammelte der Nachwuchspilot freudetrunken nach seinem Coup in die Mikrofone der Fernsehsender. Zuvor war der Youngster jubelnd von der Maschine gesprungen und seinem Vater und seinem Zwillingsbruder in die Arme gefallen.

Bereits im Qualifikationstraining der Moto3-Klasse am Sonnabend hatte Öncü mit Rang vier für Aufsehen gesorgt. Und trotz regennasser Piste ließ sich der Youngster auch im Rennen am Sonntag nicht aus der Ruhe bringen. In einem Spitzenquartett mischte der Debütant vom Start weg mit - und war den Bedingungen zu jedem Zeitpunkt gewachsen.

Während Marco Bezzecchi vom sächsischen PrüstelGP-Team (Italien/KTM) und Tony Arbolino (Italien/Honda) wegrutschten, blieb der Hondapilot auf der Strecken und nahm dem bereits vor dem Saisonfinale gekürten neuen Moto3-Weltmeister Jorge Martin (Spanien/Honda) bis zum Zielstrich mehr als vier Sekunden ab. Das Podium komplettierte als Dritter der Schotte John McPhee (KTM).

"Natürlich haben wir nicht mit einem Podestplatz gerechnet", sagte Öncüs Teammanager, Niklas Ajo, dem Fachmagazin "speedweek.com". Der Finne betreut den Red-Bull-Ajo-Junior-Rennstall, der seinem Vater Aki Ajo gehört. 2017 hatten die Skandinavier Can Öncü und dessen Zwillingsbruder Deniz in den Rookies-Cup geholt. Can wurde auf Anhieb Dritter im Gesamtklassement der Nachwuchsserie, der zwei Köpfe kleinere Deniz Vierter. In diesem Jahr machten die Brüder den Titel unter sich aus. Nur in einem der insgesamt zwölf Rennen stand keiner der beiden Türken auf dem Podest. Am Ende der Saison behielt Can gegen Deniz die Oberhand und durfte am zurückliegenden Wochenende in Spanien dank einer Wildcard erstmals bei den Großen ran.

"Diese beiden Jungs sind mit einem unglaublichen Talent gesegnet", sagte Niklas Ajo nach der Siegerehrung in Valencia. "Ich habe noch nie bei einem Rennfahrer so eine Einstellung und so eine Gesinnung gesehen. Das konnten wir am Sonntag im Qualifying beobachten. Can ist auf Platz vier gelandet. Ein erstaunliches Ergebnis. Aber er war zornig und hat sich geärgert, er hat fast geweint - denn er kam hierher, um zu gewinnen." Obwohl dem Jugendlichen genau das auf Anhieb gelang, trat Ajo auf die Euphoriebremse: "Wir müssen gestehen, dass das Wetter ein bisschen auf unserer Seite war. Ich weiß nicht, ob wir auch im Trockenen gewonnen hätten. Das werden wir nie erfahren."

Dass er nicht nur auf nassem Asphalt schnell ist, kann Can Öncü nächste Saison nachweisen. Bereits vor seinem Husarenstück hatte er den Platz im Moto3-Team von Aki Ajo sicher.

Bitteres Finale für PrüstelGP

Marco Bezzecchi (KTM) vom sächsischen Rennstall PrüstelGP verlor beim Saisonfinale der Motorrad-WM noch seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung der Moto3-Klasse. Wegen mehrer Stürze konnte der 20 Jahre alte Italiener am Sonntag keine Punkte sammeln. Seinem Landsmann Fabio di Giannantonio (Honda) reichte damit Rang vier, um in der WM an Bezzecchi vorbeizuziehen. Jakub Kornfeil (KTM) von PrüstelGP stürzte ebenfalls, wurde noch 15. und sammelte noch einen WM-Zähler. In der Endabrechnung belegt der 25-jährige Tscheche Platz acht.

Philipp Öttl (KTM) ging im Rennen der Moto3-Klasse leer aus. Schon beim Start hatte der 22-Jährige Probleme und schied acht Runden vor Ende aus. Er verabschiedet sich als 16. der Fahrerwertung aus der kleinsten WM-Klasse. Nächste Saison geht Öttl als Teamkollege von Bezzecchi in der Moto2 an den Start.

Marcel Schrötter (Kalex) beendete in der Moto2 die Saison mit dem siebenten Platz, mit dem der 25-Jährige in der WM Rang acht sicherte. Der Portugiese Miguel Oliveira (KTM) gewann das Rennen vor den Spaniern Iker Lecuona und Alex Marquez (beide KTM). Den WM-Titel hatte sich Francesco Bagnaia (Kalex) aus Italien vor zwei Wochen gesichert. Lukas Tulovic (Suter) fuhr in Valencia als 20. ins Ziel. Der 18-Jährige aus Eberbach in Baden-Württemberg steigt 2019 als Stammpilot in die Moto2-WM auf.

Andrea Dovizioso (Ducati/Italien) hat das Saisonfinale der MotoGP gewonnen. Er behielt die Nerven in einem Rennen, das wegen anhaltenden Regens unterbrochen werden musste. Die Spanier Alex Rins (Suzuki) und Pol Espargaro (KTM) komplettierten das Podium. Valentino Rossi (Yamaha/Italien) und Weltmeister Marc Marquez (Honda/Spanien) stürzten. Stefan Bradl wurde Neunter. dpa/sesi

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