Bob-Pilotin Schneider mit neuem Team zurück zu den Wurzeln

Im Vorwinter war sie die weltbeste Bobpilotin der Saison. Mit neuem Verein und neuer Anschieberin plant sie einen goldenen Herbst ihrer Karriere.

Oberwiesenthal.

Das "Glück auf" zur Begrüßung in die Medienrunde lag für Stephanie Schneider nahe, als die Bobpilotin jüngst als neues Vereinsmitglied des WSC in Oberwiesenthal vorgestellt wurde. Die 29-Jährige stammt aus Rittersgrün, begann dort mit dem Langlauf, ehe sie als Leichtathletin in den Wurfdisziplinen Diskus, Kugel und Speer auf der Sportschule in Potsdam ihr Glück versuchte. Die "Vermittlung" übernahm damals ihre Tante, Roswietha Zobelt, ihres Zeichens Ruder-Weltmeisterin und Olympiasiegerin vom Stützpunkt an der Havel.

Auch bei ihrem Vereinswechsel zum WSC half wieder ein bekannter Sportler, wenn auch geringfügig. Skispringer Richard Freitag übermittelte seinem Bruder Christian, dem Geschäftsführer des Wintersportclubs, Schneiders Telefonnummer: "Danach waren wir uns schnell einig. Unser Verein hat jetzt eine Abteilung Bobsport bekommen und dazu eine sehr erfolgreiche Athletin, die Vorbild für den Nachwuchs ist", frohlockt Christian Freitag.

Eine schwere Verletzung hatte die in Erlabrunn geborene Athletin damals in der Leichtathletik zurückgeworfen. Als sich die Chance im Bob bot, stieg sie ein. Gute Kraftwerte brachte die Sächsin mit. 2011 feierte sie als Anschieberin im Schlitten von Sandra Kiriasis mit Team-Gold bei der WM am Königssee ihren ersten großen Erfolg. Seit 2016 rast die Blondine als Pilotin durch den Eiskanal und erregte besonders auch durch spektakuläre Stürze wie zuletzt beim WM-Training in Altenberg für Aufmerksamkeit. Zum Saisonhöhepunkt hatte sich die Blondine auf der Hausbahn natürlich viel vorgenommen. Letztlich schrammte Schneider in vier Läufen um 0,37 Sekunden an Bronze vorbei, wurde Fünfte. Matthias Benesch, Bundesstützpunktleiter in Altenberg, kennt aber die Qualitäten der Pilotin. "Sie ist eine Kämpfernatur. Wenn man denkt, das geht jetzt nach hinten los, kommt sie umso stärker wieder", erzählt er am Beispiel der WM 2019 in Whistler, als sie Silber gewann: "Da lag Stephanie in sechs Trainingsläufen zweimal auf der Seite und qualifizierte sich trotzdem für den Wettkampf. Sie kann sich selbst motivieren und das zählt in einer Sportart, in der es auch mal ruppig zugeht", sagt Benesch.

Dass der WSC sein neues Vereinsmitglied finanziell in eine höhere Liga gehievt hat, ist eher nicht anzunehmen. Dafür sollte Stephanie Schneider künftig etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken als dies bisher beim BSC Oberbärenburg, dem einzigen Bobverein Sachsens, der Fall war. Nico Walther hat dort zwar seine Karriere beendet. Doch Benesch weiß: "Als Frau hast du es im Bob schon nicht leicht. Und mit so einem Dominator wie Francesco Friedrich ist es noch schwerer, sich herauszustellen. Ich bin optimistisch, dass sich Stephanie beim WSC weiter entfalten kann."

Schneider selbst sah sich nicht als fünftes Rad am Wagen in Oberbärenburg. Sie will es einfach emotionaler und etwas zurückgeben an ihre Heimat, wo sie in Rittersgrün und Breitenbrunn tolle Sportlehrer hatte, wo ihre Laufbahn begann und sich jetzt der Kreis schließt. Und sie möchte Danke sagen, zum Beispiel auch ihrem Vater Matthias, "der mich als Kind zum Langlauf gepelzt hat und mich im Sport, wenn in dem Fall auch nicht im richtigen, immer unterstützt hat", sagt Schneider. Ein gutes Omen könnte sein, dass sie auf den Spuren einer erfolgreichen Bobpilotin vom Fichtelberg wandelt. Gabi Kohlisch wurde für den Oberwiesenthaler SV (Vorgänger des WSC) erste Weltmeisterin im Bobsport - im Jahr 2000 war das.

Für Schneider steht 2021 auch wieder eine WM an: in Lake Placid. Allerdings wird schon die Ausscheidung zu einem Kraftakt. Mit Vizeweltmeisterin Kim Kalicki, mit Olympiasiegerin Miriama Jamanka und Aufsteigerin Laura Nolte wartet bärenstarke Konkurrenz. Da ist es wichtig, Topmaterial zu besitzen. Enrico Zinn, Projektleiter beim Bobhersteller FES in Berlin, ist da zuversichtlich. Neue Geräte gibt es ohnehin erst in der Olympiasaison. "Dass die Deutschen bei der Qualifikation mit gleichen Waffen am Start stehen, darauf achtet Bundestrainer René Spies", versichert der aus Großwaltersdorf stammende Bobexperte.

So oder so will sich Stephanie Schneider, die im Sommer noch Schichtdienst bei der Landespolizei in Dresden schieben muss, für den Saisonbeginn in Topform bringen. Dafür hat sie auch das Team der Anschieberinnen neu aufgestellt. Mit Leonie Fiebig aus Köln fuhr sie bereits die WM in Altenberg. Hinzugekommen sind Tamara Seer (31 Jahre) sowie die 23-jährige Claudia Schüssler. Bereits seit Oktober 2019 baut Schneider auf Trainer Patrick Saile aus München, der auch als Sprintcoach in der Leichtathletik arbeitet. Und sie hört auf den Rat von Bodybuilder und Privatcoach Maik Thies, von dem sie sich Impulse im Bereich mentale Stärke und Ernährung erhofft. Dass dies notwendig ist, gerade im Frauenbob, darüber gibt es keine Zweifel: "Bobsport ist eben auch Masse. Da möchte man wenigstens die Form noch ein bisschen mitbestimmen", meint Stephanie Schneider und lächelt.

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