Chance kommt viel früher als gedacht

Turnerin Lisa Zimmermann vom TuS Chemnitz-Altendorf startet erstmals bei einer EM der Damen. Eine bewegte Zeit liegt dabei hinter ihr.

Chemnitz.

Sie schaut noch immer ein wenig ungläubig, wenn sie auf die internationale Bewährungsprobe angesprochen wird. "Ich hätte nie gedacht, dass ich alles so schnell schaffe. Aber ich freue mich natürlich riesig, dass ich bei der EM starten darf", meint Lisa Zimmermann und strahlt. Die 16-Jährige gehört neben der gestandenen Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer als zweite Athletin des TuS Chemnitz-Altendorf zum deutschen Team für das kontinentale Championat Mitte des Monats in Stettin.

"Das ist auch für mich erstaunlich, ihre Entwicklung einfach sensationell", wertet ihre Trainerin Gabi Frehse. Als beide sich zu Saisonbeginn über die möglichen Ziele austauschten, spielte die EM überhaupt keine Rolle. "Es ist ja mein erstes Jahr bei den Großen. Da sollte ich erst einmal schauen, wie es so läuft", berichtet die gebürtige Hessin, die dann auch selbst von den Geschehnissen überrumpelt wurde. Die erste Qualifikation turnte sie nach eigenen Worten "nicht so gut", rutschte aber wegen eines Ausfalls dennoch in die erste Mannschaft für den Challenge-Wettkampf beim Weltcup in Stuttgart. Und da überzeugte die Wahl-Chemnitzerin mit einem starken Vierkampf, ihrer "besten Leistung" bisher. Bundestrainer Ulla Koch zeigte sich von diesen Auftritten sehr angetan und meldete sich drei Tage später telefonisch. "Da hatte ich gerade Training. Doch ich rief danach zurück und fiel gleich meiner Freundin Lisa in die Arme", schildert Lisa Zimmermann. Sie wird auf Anhieb an allen vier Geräten eingesetzt.

Die Gerätkünstlerin selbst will sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen. "Sicher bin ich nervös, aber das hilft mir auch als Energie im Wettkampf", sagt Lisa Zimmermann, die, wenn es darauf ankommt, ihr Leistungsvermögen abrufen kann. Das gelang ihr auch 2018 sowohl bei der Junioren-EM (zweitbeste deutsche Starterin) als auch bei den Olympischen Jugendspielen in Argentinien. Bei diesem weltweiten Topereignis des Nachwuchses erreichte sie am Sprung einen überragenden fünften Rang, dazu kam Platz zwölf im Mehrkampf. An den anderen Geräten erhielt sie jeweils die neuntbeste Bewertung, verpasste so die Finals nur knapp.

Dabei kam auch diese Nominierung unerwartet. Erst war sie kurzfristig für den Qualifikationswettkampf in Baku nachgerückt, weil sich die zwei vorgesehenen Turnerinnen verletzten. Vor Ort musste dann noch die Gefährtin passen, sodass die Chemnitzerin Alleinkämpferin war. Sie sicherte dann nervenstark das eine mögliche deutsche Ticket für die Jugendspiele, war aber als Teilnehmerin eigentlich nicht vorgesehen. Da aber die Favoritin Emelie Petz als aktuell fünffache nationale Meisterin wegen Fußproblemen ausfiel, durfte Lisa Zimmermann die Reise nach Buenos Aires in Angriff nehmen.

"Klein-Olympia" zu erleben, war für sie bisher das Größte und weckte natürlich noch mehr die Hoffnung, einmal bei den Damen die Sommerspiele zu erleben. Da gehen die Gedanken langfristig ins Jahr 2024. Bemerkenswert ist die Entwicklung von Lisa Zimmermann auch deshalb, weil sie erst seit Sommer 2017 so intensiv am Bundesstützpunkt in Chemnitz trainiert und die optimalen Bedingungen nutzt. Zuvor absolvierte die Schülerin, die aus Roßdorf bei Darmstadt stammt, ihre Übungseinheiten neben dem normalen Schulpensum in Frankfurt (Main). Als es dort Umstrukturierungen gab, hing sie erst einmal in der Luft. Sie sah sich deshalb mit ihren Eltern nach anderen Möglichkeiten um.

"In den Ferien habe ich drei Wochen in Chemnitz trainiert und bin gleich geblieben. Am Anfang war zwar die Umstellung mit fast dem doppelten Pensum groß, aber auch die anderen Mädels haben mich toll unterstützt", berichtet Lisa Zimmermann und fügt lächelnd hinzu: "Es ist cool, dass ich jetzt schon in der Frauennationalmannschaft bin."

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