Chemnitzer Bretschneider verpasst EM-Finale

Andreas Bretschneider vom KTV Chemnitz verpasste bei der EM das Finale an seinem Paradegerät. Mit dem Team ist jedoch einiges möglich.

Glasgow.

Andreas Bretschneider war mächtig sauer. Auf sich, aber auch auf die Juroren. Mit versteinerter Miene stand der Chemnitzer am Donnerstagabend in der Mixed-Zone der Hydro-Arena von Glasgow. Bei den Europameisterschaften in der schottischen Großstadt hatte der Chemnitzer erneut das anvisierte Finale bei einer internationalen Meisterschaft am Reck verpasst. Dass die Schuld dafür bei ihm lag, wollte er gar nicht zurückweisen. Schließlich hatte er mit einem kleinen Fehler, einem Nachdrücker, den Kampfrichtern "die Tür zu Abzügen aufgemacht". Dass diese jedoch so hoch ausfielen, er mit 13,066 Punkten lediglich auf Platz 26 der Ergebnisliste rangierte, dafür zeigte Bretschneider wenig Verständnis.

Allein sah sich der Rechenkünstler der deutschen Riege, der Wertungsvorschriften und Noten selbst während des Wettkampfs bestens im Blick hat, mit seiner Enttäuschung nicht. Auch bei den beiden anderen deutschen Startern am Königsgerät, Andreas Toba und Marcel Nguyen, hatte Bretschneider zu strenge Strafen ausgemacht. Mit Blick aufs Teamfinale am Samstag, das die deutschen Männer dennoch mit dem drittbesten Ergebnis erreichten, wurden noch am Abend daraus Lehren gezogen.

Gemeinsam saßen die Männer während der physiotherapeutischen Behandlung im Hotel zusammen. Während die zuvor angespannten Muskeln fachmännisch gelockert wurden, war eine intensive Diskussion im Gange. Ein Ergebnis daraus war, dass zumindest Ngyuen ein schwieriges Flugelement weglässt. "Aufwand und Ertrag stehen dabei in keinem Verhältnis", hatte Bretschneider ausgemacht. Und im Fight mit den anderen Nationen zählt jedes Zehntel, zumal durch den bei der EM ausgeschriebenen Modus (drei Athleten ohne Streichwerte) jeder einzelne Auftritt ins Resultat einfließt.

Das Teamergebnis steht über allem. Zumal sich die Gerätkünstler von Bundestrainer Andreas Hirsch bei den drei erreichten Gerätefinals nicht viel ausrechnen dürfen. Der zweimalige Barren-Europameister Marcel Nguyen hatte die Entscheidung an seinem Lieblingsgerät nach einem Griff auf die Matte bei der Landung des schweren Tsukahara-Abgangs verpasst. An den Ringen und am Boden sieht der 30-Jährige für sich wenige Chancen, aufs Podest zu turnen. "Ich würde meine beiden Finals lieber gegen das eine am Barren tauschen", erklärte der Unterhachinger. An diesem Gerät hat indes mit Nils Dunkel ein Athlet den Endkampf erreicht, der wiederum lieber noch einmal am Pauschenpferd aufgestiegen wäre. An den beiden Holmen, so der Erfurter, sieht er als Vorkampfachter wenig Möglichkeiten.

Doch nun gilt erst einmal die ganze Konzentration dem Teamfinale am Samstag. Beim Sprung, am Pauschenpferd und an den Ringen, an denen der gebürtige Rodewischer Nick Klessing zum Einsatz kam, hatten sich die Deutschen keine großen Fehler erlaubt. Das Potenzial nach oben sei deshalb begrenzt. "Aber auch die anderen Nationen haben nur Menschen am Start und keine Maschinen", warf der Hannoveraner Andreas Toba, der nach seinem verletzungsbedingten Aus bei Olympia 2016 sein internationales Comeback feierte, ein.

Andreas Bretschneider hatte derweil am Freitag wieder zu besserer Laune gefunden. "Ich muss mich ja in den Griff kriegen, damit ich das Team nicht runterreiße", erklärte der Schützling von Trainer Sven Kwiatkowski. Das war ihm auch in der Qualifikation gelungen, als er sich nach der verpatzten Reckübung am Boden und am Pauschenpferd solide präsentierte. Zudem ist der Olympiateilnehmer derartige Rückschläge - "Klassiker", wie er sie mittlerweile nennt - gewohnt. "Mit dem Alter weiß ich damit besser umzugehen", übte sich der 29-Jährige ein wenig in Galgenhumor.

Premiere an den Ringen

Die Zeitmessung für Halte-Elemente an den Ringen erlebt ihre Premiere. Ein eingebauter Minicomputer misst exakt, wie lange ein Element geturnt wird. Betroffen von der Neuerung war in der Qualifikation der Vogtländer Nick Klessing bei seiner gegrätschten Stützwaage. Minutenlang diskutierten die Kampfrichter über die Haltezeiten - und entschieden sich schließlich für den Abzug. "In unserer Trainingshalle in Kienbaum verfügen die Ringe noch nicht über so eine Vorrichtung", berichtete Klessing, hofft aber insgesamt auf mehr Objektivität (dpa)

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