Chemnitzer Eiskunstläufer steht vor seinem Filmdebüt auf Kufen

Eiskunstläufer Matti Landgraf steht vor ganz neuen Herausforderungen. Er gehört zu den Mitwirkenden eines Films in Norwegen und erhielt ein Engagement für eine der berühmtesten Shows.

Chemnitz.

Ursprünglich hatte er für die kommende Eiskunstlaufsaison andere Pläne. Da hätte sich Matti Landgraf am Sonntag in Berlin beim Sichtungslaufen des Verbandes vorgestellt und die ersten internen Bewertungen für seine Auftritte erhalten. Doch der Chemnitzer flog am selben Tag nach Oslo, um ein für ihn ganz neues Abenteuer in Angriff zu nehmen. Gestern begann in der norwegischen Stadt sein Engagement als Filmdarsteller. Die Skandinavier drehen einen Streifen über ihre Legende Sonja Henie, bis heute die erfolgreichste Eiskunstläuferin der Geschichte. Sie war zwischen 1927 und 1937 aktiv, erkämpfte drei Olympiasiege sowie zehn WM- und sechs EM-Titel. "Ich bin das Double für ihren Partner. Das ist eine echt tolle Geschichte, ich habe mich da reingelesen und bin sehr gespannt", meinte der 25-Jährige kurz vor der Abreise. Für die Rolle der früheren Ausnahmekönnerin wurde die Finnin Kiira Korpi, die ihren größten Erfolg als Vizeeuropameisterin 2012 feierte, verpflichtet.

Nach den ersten Tagen in Norwegen folgen bis 12. September weitere Drehtage in Göteborg und Rumänien. "Ich hatte über einen Kumpel erfahren, dass ein Paarläufer für den Film gesucht wurde, und habe mich einfach beworben", erzählte Matti Landgraf, der diesbezüglich einige Reverenzen vorweisen kann. Zunächst war er von Kindesbeinen an auf Kufen aktiv, bestimmte im Nachwuchs die nationale Spitze mit, schaffte es später im Paarlauf mit Linda Wenzig sogar bis zu einem Start bei der Junioren-WM (2012). Verletzungen warfen ihn jedoch mehrfach zurück, sodass er sich 2013 entschied, seine leistungssportliche Laufbahn zu beenden. Doch es war kein Abschied von den Kufen. Er heuerte bei einer US-amerikanischen Reederei an und gehörte fortan zu den Mitwirkenden von Eisshows auf Kreuzfahrtschiffen. Über drei Jahre ging er weltweit auf Tour, um die Passagiere mit verschiedenen Showdarbietungen zu unterhalten. "Eine coole Sache, die eine Menge Spaß macht. Ich war in zahlreichen Ländern unterwegs, lernte tolle Menschen kennen", schwärmt der Sachse. Dennoch fügt er hinzu: "Ich wollte auch wieder einmal etwas Neues ausprobieren, wobei ich die Gewähr bekam, dass ich immer wieder aufs Schiff zurückkehren kann."

Diese Veränderung sollte jedoch in eine ganz andere Richtung gehen. Das Paarlaufen blieb seine heimliche Liebe. Einmal lief er während einer Show auf hoher See mit einer Juniorenweltmeisterin zusammen, was ihn begeisterte. Er spürte irgendwie, dass er sportlich seine Grenzen noch nicht ausgelotet hatte, übte auch weiterhin Höchstschwierigkeiten wie Dreifachsprünge. Als der Chemnitzer Erfolgscoach Ingo Steuer einige Zeit in den USA tätig war, absolvierte er bei ihm Probestunden mit verschiedenen jungen Läuferinnen. Er liebäugelte mit einer eventuellen Rückkehr, sobald es eine Möglichkeit gab.

Und plötzlich war diese Anfang dieses Jahres da. Mari Vartmann aus Oberstdorf hatte sich von Ruben Blommaert, mit dem sie noch im Dezember in Abwesenheit von Aljona Savchenko und Bruno Massot den Meistertitel gewann und bei der EM 2016 Platz acht belegte, getrennt. Über Facebook suchte sie nun einen neuen Partner. Matti Landgraf setzte sich mit ihr in Verbindung - und beide einigten sich bald, es gemeinsam zu versuchen. "Es gab ja auch die Riesenchance, eventuell sogar einen Startplatz für Olympia 2018 zu erkämpfen", erinnert sich der Chemnitzer, der sich später nie den Vorwurf machen wollte, es nicht probiert zu haben. Die aktuelle Paarlaufsituation in Deutschland animierte ihn zusätzlich. Denn hinter den Vizeweltmeistern, die mit ihren Topleistungen für weitere internationale Startplätze sorgen, klafft eine Riesenlücke. Im April begann das Experiment, als verantwortliche Trainer fungierten die ehemaligen Paarläufer Maylin und Daniel Wende. Es war zudem geplant, einige Zeit mit Ex-Weltklasseläufer Robin Szolkowy, der inzwischen auch Coach ist und mit dem sich Matti Landgraf mehrfach austauschte, zusammenzuarbeiten. Außerdem hatte sich der frühere Eistänzer Alexander Gazsi, der ebenfalls aus Chemnitz stammt, bereiterklärt, als Choreograph die Programme aufzubauen.

Doch die Liaison scheiterte nach nur einem Monat. "Anfangs lief es ganz gut. Aber bald habe ich gemerkt, dass es auf dem Eis nicht passte. Bei jedem Element gab es unterschiedliche Auffassungen, das Timing stimmte nicht. Zudem hatte ich kaum den Eindruck, dass Mari so richtig mit Feuer und Flamme dabei war. Die Stimmung wurde immer bedrückender, ich war emotional durchgemischt", meinte Matti Landgraf, der dann auch den Abbruch vorschlug.

Zum Glück schmiedete er parallel andere Pläne. So verlegte er kurzerhand seinen Wohnsitz zu Freunden nach Leipzig und meisterte an der dortigen Uni einen allgemeinen Sporttest. Dieser ist notwendig, um ein Studium für Management, Lehramt oder im wissenschaftlichen Bereich zu beginnen. "Er zählt aber drei Jahre, sodass ich nicht gleich anfangen muss. Denn ab Oktober beginnt meine Zeit bei Holiday on Ice", berichtet der Kufenkönner von der nächsten tollen Herausforderung, für die seine Bewerbung erfolgreich war. Er erhielt im Programm des weltberühmten Ensembles sogar eine Solorolle, wobei er sich auch auf die Begegnung mit dem renommierten britischen Choreographen Robin Cousins (u. a. Olympiasieger 1980, WM-Zweiter) freut. Während der Europatour ist Matti Landgraf dann auch in Zwickau (Februar 2018) live zu erleben.

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