Der Dauerbrenner aus Dresden

Alexander Waibl trainiert seit elf Jahren die Volleyballerinnen des Dresdner SC. Er ist derzeit der dienstälteste und erfolgreichste Coach in der Bundesliga. Für den Wahlsachsen kein Grund für Amtsmüdigkeit.

Dresden.

Jetzt kann es Alexander Waibl, der kürzlich seinen noch bis 2021 laufenden Kontrakt bei den DSC-Volleyballerinnen bis 2023 verlängert hat, ja verraten. "Mein erster Vertrag in Dresden ging über zwei Jahre. Er enthielt aber eine interne Klausel, nach der mir der Verein nach einem Jahr kündigen konnte, wenn die Ergebnisse nicht kommen", erzählt der 52-Jährige. Lachend fügt er an: "Wolfgang Söllner, der damalige Präsident, meinte aber: Alex, mach dir keinen Kopf. Die Trainer hier waren immer lange da." Elf Jahre sind seitdem ins Land gegangen - und aus Alexander Waibl ist ein Dresdner Dauerbrenner geworden. 2009 übernahm der gebürtige Stuttgarter das Traineramt von Arnd Ludwig. Anlaufschwierigkeiten hatte er wahrlich keine. Gleich in seiner ersten Saison führte er die DSC-Damen nicht nur zum Pokal- sondern auch zum Europacupsieg. Drei weitere Triumphe im Pokal und drei Deutsche Meisterschaften kamen bis heute hinzu. Eine Erfolgsbilanz, auf die sie an der Elbe stolz sind. "Es ist die gleiche Anzahl wie beim Schweriner SC. Das war früher bei weitem nicht so", sagt der Schwabe mit Blick auf den Dauerkontrahenten im Norden.

Erfolge helfen, Titel sind wichtig, aber nicht alles. "Wenn du gewinnst, ist nicht alles berauschend. Wenn du verlierst, ist nicht alles Mist", weiß Alexander Waibl, der schon mal als "ewiger" DSC-Trainer bezeichnet wird. "Ich hatte in 30 Jahren nur drei Vereine. Von 1989 bis 1999 war ich beim TSV Bernhausen in Filderstadt, dann von 1999 bis 2009 in Stuttgart. Das Langfristige passt also zu mir", sagt der dienstälteste Coach in der Volleyball-Bundesliga.

Situationen, in denen es in der Traumehe mit dem DSC kriselte, gab es dennoch. "Am massivsten gezweifelt habe ich sicher 2013. Da haben wir zu Hause das Pokal-Halbfinale 0:3 gegen Vilsbiburg verloren. Ich saß enttäuscht in der Kabine und fragte mich: Willst du das noch? Kannst du das noch?" Alexander Waibl konnte, und sein Team berappelte sich - holte die Meisterschaft.

2018/2019 war die Situation eine andere. Seine Mädels verloren plötzlich gegen Mannschaften, gegen die sie sonst nie verloren hatten. Einige Fans machten Stimmung, die Medien stellten die entsprechenden Fragen - und dann schied das Team auch noch im Play-off-Viertelfinale aus. "Da musst du einstecken, fragst dich, ob du noch der Richtige bist", erinnert sich Alexander Waibl. Für die Verantwortungsträger, für DSC-Volleyballchef Jörg Dittrich oder Geschäftsführerin Sandra Zimmermann, war er es immer. "Solche Leute, die nie an dir gezweifelt haben, die wissen, dass ich hier nicht amtsmüde herumsitze, brauchst du", sagt der Trainer. Er nahm sich Zeit, reflektierte und analysierte, bekam dazu ein gutes Feedback von der Masse der Fans und machte weiter.

Dass seine junge Mannschaft im Februar als klarer Außenseiter, geplagt von Verletzungsproblemen im Zuspiel, einen überraschenden Pokalsieg feiern konnte, hilft natürlich in solch schwierigen Phasen. 3:2, wobei die DSC-Schmetterlinge fünf Matchbälle abwehrten, wurde der Deutsche Meister MTV Stuttgart niedergerungen. Im fünften Satz standen für Dresden vier Spielerinnen unter 20 Jahren auf der Platte. Ein deutlicher Fingerzeig, wie Alexander Waibl arbeitet. "Es würde mich nicht befriedigen, eine Gruppe von Topspielerinnen, denen ich nichts mehr beibringen muss, nur zu moderieren und durch die Saison zu lavieren. Ich mag es, in der täglichen Arbeit zu sehen, wie ein Mensch sich entwickelt", sagt der Coach.

Der Wahlsachse weiß, dass Ergebnisse zählen. Er muss den Verein trotz enger Budget-Grenzen als Marke voranbringen und deshalb auch fertige Profis holen. Aber er scheut sich eben nicht, junge Spielerinnen in die Verantwortung zu nehmen. So stand im Pokalfinale die Chemnitzerin Monique Strubbe mit auf dem Feld. "Moni ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man mit viel Fleiß und Geduld etwas erreichen kann", lobt der Trainer die 19-jährige Mittelblockerin. Im September 2019 rückte sie in den Bundesligakader auf, besitzt inzwischen einen Profivertrag und das Wohlwollen des Chefs: "Sie ist für jede Mannschaft wertvoll. Nicht, weil sie eine Spektakelspielerin ist oder eine riesige Reichhöhe von 3,15, 3,20 Meter besitzt, sondern weil sie ihre Aufgaben immer konsequent erfüllt. Zudem hat sie am Block ein Gespür dafür, wo es brennt", schwärmt ihr Förderer und verspricht: "Sie hat in der kommenden Saison gute Chancen, viel zu spielen."

Die Bundesliga beginnt am ersten Oktoberwochenende. Davor empfängt der DSC im Supercup am 27. September Schwerin. Der Coach freut sich darauf - trotz mancher Sorgenfalten auf Grund der Coronabeschränkungen. Die Personalplanungen sind abgeschlossen, die vier neuverpflichteten US-Amerikanerinnen wohlbehalten in Dresden angekommen. "Wir haben dieses Jahr eine sehr schöne Struktur in der Mannschaft, mit - inklusive einer Schweizerin - neun deutschsprachigen Spielerinnen. Da ist die Trainingssprache wieder mal Deutsch. Das macht es etwas einfacher. Im eins zu eins oder wenn es um Details geht, spreche ich aber Englisch mit den US-Mädels", erklärt Alexander Waibl und blickt voraus. "Wir haben wie jedes Jahr das Ziel, einen Titel zu gewinnen." Diplomatisch fügt er an: "Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir auch die Mannschaft sind, die die besten Chancen dazu hat." Größere Ansagen bleiben aus. "Ich habe das Gefühl, dass hier im Osten eine große Klappe gar nicht so gefragt ist. Dass die Menschen lieber den Ball flach halten. Trotzdem muss man es manchmal tun, um Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit zu bekommen", meint der Dresdner.

In Elbflorenz ist er - ohne seine schwäbische Heimat zu vergessen - längst heimisch geworden, hat Wurzeln geschlagen. Das hängt natürlich viel mit seiner Familie zusammen. 2015 wurde aus Stefanie Karg, der Ex-Kapitänsfrau des DSC, Stefanie Waibl. Mit der heutigen Lehrerin hat Alexander Waibl zwei Söhne, Paul Maximilian (1 Jahr) und Mika (4). Die Großeltern wohnen in der nahen Lausitz. Erst jüngst hat er die Schönheiten der Sächsischen Schweiz entdeckt und mit der Familie zum ersten Mal an der Ostsee geurlaubt. "Ich verbringe auch möglichst viel Zeit im Garten, mähe wahnsinnig gern Rasen. Und ich würde sehr gern den Segelschein machen", verrät der DSC-Trainer, der neben dem Volleyball-Nachwuchs gern bei den Eislöwen, den Handballern des HC Elbflorenz oder auch bei Dynamo vorbeischaut.

Apropos. 2009 kickte Dynamo noch in der Dritten Fußball-Liga. Seitdem haben die Schwarz-Gelben 15 Trainer verschlissen. "Und wo spielen sie heute?", fragt Alexander Waibl und schmunzelt dabei.

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