Die Krönung soll noch folgen

Drei Starts, drei Medaillen: Die Bahnradwettbewerbe verlaufen für Joachim Eilers und Stefan Bötticher bisher fast wunschgemäß. Nur etwas goldener Glanz fehlt noch für die Sprinter vom Chemnitzer PSV - dieser kann aber noch kommen.

Glasgow.

Nur etwas mehr als zwei Zehntelsekunden fehlten Joachim Eilers im 1000-Meter-Zeitfahren zum Sieg. So gab es Silber hinter dem Niederländer Matthijs Büchli, nach Bronze zum Auftakt am späten Freitagabend im Teamsprint schon die zweite Medaille bei den European Championships in Glasgow für den Chemnitzer. "Er hatte den besseren Tag. Aber vielleicht sieht es am Dienstag schon ganz anders aus", meinte der 28-Jährige sofort mit dem Blick auf seinen nächsten Einsatz bei diesen Titelkämpfen. Morgen steht die Keirinentscheidung an - und in dieser will der Weltmeister von 2016 möglichst nach ganz vorn fahren.

In 1:00,134 Minuten schnappte sich Büchli den Sieg vor Eilers (1:00,361), für den es wie schon bei der EM 2017 in Berlin Silber gab. Auch bei den Weltmeisterschaften 2014 und 2015 fuhr er jeweils auf den zweiten Platz, ehe er 2016 in London den Titel auch in dieser Disziplin erkämpfte. "Ja, es stimmt, Silbermedaillen habe ich einige. Die liegen zum Teil im Karton im Schrank. Diese Medaille bekommt aber einen Platz in der Vitrine, definitiv", meinte der Chemnitzer und zeigte sich mit seinem Wettkampf zufrieden. Als einziger Fahrer konnte er sich gegenüber der Qualifikation deutlich steigern. "Das Ergebnis ist nicht verkehrt. Meine ,Reisegeschwindigkeit' über den Kilometer fehlt mir noch. Mit Gold würde ich gern auch mal wieder glänzen", erklärte Joachim Eilers, der bei den zurückliegenden Höhepunkten mehrfach wegen gesundheitlicher Probleme sein Potenzial nicht abrufen konnte. Bei der WM Anfang März in Apeldoorn musste er wegen eines Infektes kurzfristig auf diese Disziplin verzichten. Dieses Mal schränkten ihn Rückenprobleme etwas ein. Zudem hatte er schon drei Teamsprintläufe in den Beinen. "Es war eine sehr unrunde Fahrweise - viel mit Gewalt. Leider war Joe wieder nicht ganz fit. Trotzdem ein sehr guter zweiter Platz", wertete Bundestrainer Detlef Uibel. Maximilian Dörnbach aus dem Chemnitzer Erdgasteam belegte den fünften Platz.

Einen starken Eindruck hinterließ bisher auch Stefan Bötticher vom Chemnitzer PSV. Über vier Jahre nach seiner letzten internationalen WM- oder EM-Medaille - 2014 in Cali wurde der Chemnitzer Vizeweltmeister im Sprint - stand er wieder auf dem Podium - zusammen mit Eilers und dem neuen Anfahrer Timo Bichler aus Dudenhofen. Gestern meisterte er die ersten beiden Aufgaben im Sprintturnier souverän. In der 200-m-Qualifikation fuhr er gestern mit 9,722 Sekunden die schnellste Zeit aller 29 Teilnehmer. Im Achtelfinale bezwang er Sandor Szalontay aus Ungarn, im Viertelfinale trifft er nun auf Vasilijus Lendel aus Litauen. Die Entscheidung fällt am Montagabend.

Stefan Bötticher, schon 2013 Doppelweltmeister (Sprint, Teamsprint) stand seit der WM 2014 (Silber im Sprint) erstmals wieder bei internationalen Meisterschaften auf dem Podium. Wegen muskulärer Probleme musst er eine lange Zwangspause einlegen. Nach einem Kurzeinsatz im Teamsprint bei der WM Anfang März und Platz fünf gab es fünf Monate später nun Edelmetall. "Ich denke, meine lange Leidenszeit ist vorbei", strahlte der 26-Jährige. Auch Uibel zeigte sich zufrieden: "Er ist noch nicht ganz der Alte, aber er ist wieder eine wichtige Basis für uns im Team." Mit viel Geduld hat sich der Bundespolizist zurückgekämpft. "Ich habe seit der WM keine Probleme mehr und konnte nochmals einen großen Schritt nach vorn gemacht. Das ist eine Riesenerleichterung", berichtete der 26-Jährige.

In Glasgow fuhr er im Teamsprint auf Position zwei und überzeugte mit Rundenzeiten von 12,6 und 12,7 s. "Bei der Endzeit hatten wir uns noch ein bisschen mehr erhofft. Meine Zeiten waren aber weitaus mehr, als ich mir erträumt habe - ich war auf den Punkt da und bin sehr glücklich", freute sich Stefan Bötticher: "Ich gucke zuversichtlich in die Zukunft und freue mich auf die Weltcups und die WM." Vor einem Jahr wäre ein solcher Satz noch fast undenkbar gewesen.

In Gedanken bei Kristina

Miriam Welte kam im Sprintturnier so weit wie noch nie in ihrer Karriere. Die mehrfache Weltmeisterin aus Kaiserslautern, die in ihrer Spezialdisziplin 500-m-Zeitfahren die Topfavoritin ist, schaffte es bis ins Halbfinale. Zum Aufakt hatte sie mit Emma Hinze aus Cottbus Bronze im Teamsprint gewonnen.

Der Hashtag #staystrongkristina steht auf den Pedalriemen ihres Rades. Die Gedanken an die so schwer verunglückte Kristina Vogel, ihre Rad-Partnerin seit zwölf Jahren, mit der sie Olympiasiegerin und Weltmeisterin wurde, begleiten Miriam Welte in jede Minute. Der Wunsch "Bleib stark, Kristina" ist in Glasgow auch bei all ihren Bahnrad-Gefährten gegenwärtig.

Während der Siegerehrung konnte die Olympiasiegerin die Tränen kaum mehr verbergen. Später äußerte sie schließlich jenen Satz, der ausdrückte, was seit dem Unfall Ende Juni in ihr rumort: "Ich bin gefasst, aber in mir drinnen sieht es anders aus." Die 31-Jährige zeigte ein pinkfarbenes Tuch, ein gemeinsames Ritual aus Erfolgszeiten des Duos. "Es hat mich beflügelt und mir Kraft gegeben. Wir fahren hier auch für Kristina". (dpa)

Brennauer rast souverän zu Gold

Als das Rennen beendet war, riss sich Lisa Brennauer ihren Helm vom Kopf und fiel ihrem Trainer André Korff in die Arme. "Ich habe versucht, noch einen rauszuhauen", meinte die frühere Weltmeisterin im Zeitfahren strahlend, nachdem sie in der 3000-m-Einzelverfolgung der deutschen Bahnrad-Mannschaft in Glasgow die erste Goldmedaille beschert hatte. Die 30-Jährige aus Durach siegte in deutscher Rekordzeit von 3:26,879 Minuten gegen Katie Archibald aus Großbritannien (3:29,577). Lisa Brennauer ist dabei die "Marathonfrau" unter den deutschen Radfahrern. Viermal geht sie bei der EM an den Start. Zum Auftakt hatte sie mit dem Vierer bereits Bronze gewonnen.

"Das ist echt ein Hammer. Lisa war schon bei den Deutschen Meisterschaften in toller Form", sagte André Korff. Eigentlich hatte sich Lisa Brennauer nach den Olympischen Spielen 2012 schon von der Bahn verabschiedet. Die Karriere als Profi auf der Straße (für einen britischen Rennstall) stand im Vordergrund. Doch bei der Heim-EM 2017 meldete sie sich auf der Bahn zurück. Und auch diese EM ist für sie eine ganz besondere Veranstaltung: "Die EM wurde deutlich aufgewertet, ein super Event", unterstrich sie. Am Sonntag gewann Lisa Brennauer mit Bronze im Straßenrennen ihre dritte Medaille. "Es war für mich ein schweres Rennen, aber die Mädels haben mich toll unterstützt", meinte sie. Gold erkämpfte nach 130 km Marta Bastianelli (Italien) vor Titelverteidigerin Marianne Vos (Niederlande). (dpa)

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