Gold-Serie von Ex-Kugelkönig Storl gerissen

Nach drei EM-Titeln in Serie reicht es für David Storl in Berlin nicht zum erneuten Triumph. Am Ende kann der Leipziger dank der Bronzemedaille dennoch lächeln.

Berlin (dpa) - Mit der deutschen Fahne in der Hand konnte sich der entthronte Kugel-König David Storl auch über die Bronzemedaille freuen. Die imposante Gold-Serie des dreimaligen Champions bei Leichtathletik-Europameisterschaften ist gerissen. Der Leipziger musste sich am Dienstagabend im Berliner Olympiastadion mit dem dritten Platz und einer Weite von 21,41 Metern begnügen. «Ich habe gekämpft, ich danke euch allen», sagte Storl über das Stadionmikrofon und konnte sich ein Lächeln abringen. «Der Titel ist immer das Wichtigste. Aber eine Medaille an sich ist schon einmal eine gute Sache.»

Der 28-Jährige verpasste es nach seinen Triumphen 2012, 2014 und 2016, als erster Kugelstoßer vier EM-Titel nacheinander zu gewinnen. Dem zweimaligen Weltmeister fehlten 31 Zentimeter auf den neuen Europameister Michal Haratyk aus Polen. Zweiter wurde dessen Landsmann Konrad Bukowiecki (21,66). «Man will sicher immer um Gold mitkämpfen, aber bei der starken Konkurrenz muss man zufrieden sein», sagte Storl.

Nach dem ersten Versuch klatschte Storl noch begeistert in die Hände. Mit seinen 21,41 Metern setzte er ein Zeichen an die Konkurrenz und ging klar in Führung. Doch Haratyk konterte direkt, übertraf Storl im zweiten Durchgang deutlich. Mit jedem vergeblichen Versuch hockte der Leipziger immer nachdenklicher auf seiner Bank, schaute stoisch auf den Boden. Und anders als bei seinem WM-Triumph von 2011, als er mit dem letzten Stoß noch Gold holte, gelang nicht mehr die Wende.

In ganz großen internationalen Stadien-Wettbewerben hatte Storl zuletzt als Siebter bei Olympia 2016 und Zehnter der WM 2017 geschwächelt. Im vergangenen März stellte er als Silbergewinner bei der Hallen-WM hingegen seinen Aufwärtstrend wieder unter Beweis. «Er ist inzwischen auf einem völlig anderen Niveau», betonte sein Coach Wilko Schaa, mit dem Storl seit Herbst 2017 trainiert, in Berlin.

Der Wechsel auf der Betreuerposition nach der Trennung von seinem langjährigen Trainer Sven Lang war einer der Schlüssel zur Rückkehr Storls in Richtung Bestform. Durch weniger Versuche im Training und dosiertes Krafttraining stößt er nach einer chronischen Entzündung und erfolglosen Operationen inzwischen wieder ohne Schmerzen im Knie. Im Gegensatz zur übrigen Weltspitze hat er allerdings weiterhin nicht auf die so genannte Drehstoßtechnik umgestellt, sondern gleitet beim Stoßen durch den Ring an.

Bei der Qualifikation auf dem Breitscheidplatz hatte Storl noch sein Siegpotenzial angedeutet. Während zahlreiche Top-Athleten vor ungewohnter Kulisse schwächelten, erledigte der Routinier seine Pflichtaufgabe mit Bestweite von 20,63 Metern locker im ersten Versuch.

«Ich vertraue auf die Erfahrung der vergangenen Jahre», erklärte Storl seine Herangehensweise an die Heim-EM. «Das lernt man als gereifter Athlet, dann einzuschätzen, wie das sein wird, eine EM zuhause zu absolvieren. Ich glaube, dass ich einen Vorteil habe durch die WM 2009.» Vor neun Jahren scheiterte Storl im Berliner Olympiastadion als 19-Jähriger noch klar in der Qualifikation - und holte nun an gleicher Stelle zumindest noch Bronze.

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