Königin aus Texas erneut einzigartig

Bei der Turn-WM in Stuttgart war die US-Amerikanerin Simone Biles die überragende Mehrkämpferin. Stark präsentierte sich das deutsche Duo.

Stuttgart.

Überflieger müssen nicht landen können. Simone Biles sprang dann auch im letzten Durchgang des Mehrkampffinales der Turn-WM von Stuttgart vor 7500 Zuschauern nach jeder ihrer schwierigen Akrobatikserien am Boden einfach wie ein Flummi weiter, zweimal sogar über die Begrenzung der Fläche hinaus. Allein das bedeutete einen Abzug von 0,4 Punkten für die Amerikanerin. Doch womit viele ihrer Konkurrentinnen riskiert hätten, den einen oder anderen Platz zurückzufallen, machte das der 22-Jährigen nichts aus. Zu sehr dominiert sie derzeit auf der Weltbühne ihrer Sportart, hatte bei ihrem nunmehr fünften Titel im Mehrkampf mit 58,999 Punkten noch immer mehr als zwei Zähler Vorsprung auf die Chinesin Tang Xijing (56,899) und die Russin Angelina Melnikowa (56,399) hinter ihr.

Seit Jahren schon regiert die Königin aus Texas im Reich der Bewegungskünstlerinnen, hat mittlerweile die Rekordzahl von 22 WM-Plaketten, darunter 16 goldene, gesammelt. Das Publikum kreischt, wann immer sie vor die Kampfrichter tritt. Menschen kennen ihren Namen und die Elemente, die sie als erste Frau demonstriert hat, obwohl sie sonst wenig mit den komplizierten Bewegungsabläufen anfangen können. Doch ihre Dynamik und die Power sind einzigartig und lassen die Schrauben und Breitenachsendrehungen leicht und mühelos wirken.

Am Stufenbarren allerdings scheiden sich noch ein bisschen die Geister, ob die Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit in die Entscheidung am Sonnabend gehört. Elisabeth Seitz, an den beiden Holmen 2018 Bronzemedaillengewinnerin, hatte das kürzlich sehr diplomatisch so ausgedrückt: "Sie zeigt eine hochwertige Übung, für die sie viele Punkte bekommt. Mir selbst gefallen andere besser." Die eigene Generalprobe für den finalen Auftritt hat die Stuttgarterin problemlos absolviert und dabei auch die schwere Verbindung gezeigt, mit der sie direkt vom oberen zum unteren Holm und zurück fliegt. Erstmals bei einer WM, wie die 25-Jährige stolz betonte: "Damit habe ich ein Ausrufezeichen gesetzt." Doch sie konnte auch mit dem weiteren Verlauf des Vierkampfs, in dem sie sich keinen Patzer leistete, mehr als nur zufrieden sein. Als Sechste hatte sich die Olympiazehnte von London einen weiteren "kleinen Traum" erfüllt und ihre beste Platzierung in einer Allrounder-Entscheidung bei einer WM verbucht.

Teamkollegin Sarah Voss geht alles etwas ruhiger an als die vor Energie sprühende Powerfrau. Die aktuelle Deutsche Mehrkampfmeisterin reihte sich bei ihrer Premiere in der 24er-Entscheidung unter den besten zehn ein. "Es war unbeschreiblich toll, neben all diesen Weltgrößen zu stehen", schwärmte die 19-Jährige. Auch für die Balkenfinalistin verlief der letzte Test vor dem Medaillenkampf ohne Patzer.

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