Nur keine Peinlichkeiten - der Meister will wieder ins Finale

Futsal-Nationalspieler Christopher Wittig über die WM-Qualifikation und die Ziele des VfL Hohenstein-Ernstthal

Hohenstein-Ernstthal.

Futsal-Nationalspieler Christopher Wittig vom VfL Hohenstein-Ernstthal trägt in der Auswahl wie im Verein mit starken Leistungen zu wichtigen Siegen bei. Mittlerweile hat er 18 Länderspiele und fünf Tore für Deutschland in der Bilanz stehen. Markus Pfeifer hat sich mit dem 23-jährigen Hallenfußballspezialisten, der im Nachwuchs einst beim CFC spielte, unterhalten.

Freie Presse: Im WM-Qualifikationsturnier in Georgien erzielten Sie im Spiel gegen Israel mit dem 2:2 kurz vor Schluss Ihr bisher wichtigstes Tor. Haben Sie das schon verarbeitet?

Christopher Wittig: Der Trubel legt sich, aber ich denke natürlich noch oft daran. Neun Sekunden vor dem Schlusspfiff zu treffen - ein tolles Erlebnis. Es war die bisher wichtigste Szene für mich als Nationalspieler. Jetzt sind wir für die nächste Runde qualifiziert, darauf richtet sich der Fokus.

Wie geht es für die deutsche Futsal-Nationalmannschaft weiter?

Im April stehen der nächste Lehrgang und ein Länderspiel gegen Österreich an. Danach gibt es regelmäßige Einheiten, mit denen wir uns auf die nächste Qualifikationsrunde im Oktober in Portugal vorbereiten. Wir spielen dort gegen Tschechien, Lettland und die Gastgeber.

Sehen Sie Chancen aufs Weiterkommen?

Das wird ganz schwer. Es kommen nur zwei Mannschaften weiter. Portugal und Tschechien sind beim Futsal echte Hausnummern. Lettland darf man auch nicht unterschätzen. Wir sind bei diesem Turnier Außenseiter, wollen uns aber nicht abschießen lassen. Aber völlig chancenlos sind wir natürlich nicht, das haben wir ja mit dem VfL in der Champions League gesehen. Da waren wir gegen Timisoara aus Rumänien auch klarer Außenseiter und haben 1:0 gewonnen. Wenn man defensiv gut arbeitet, kann man auch spielstarke Gegner besiegen.

Im Verein gab es personelle Veränderungen und eine gewisse Unruhe. Ist das erledigt?

Es war schwierig, fünf Leute zu ersetzen. Bei der Heimniederlage im Spitzenspiel gegen Liria Berlin haben wir dann einfach zu viele Fehler gemacht. Wir haben das alles ausgewertet und unsere Schlüsse gezogen. Beim 11:1 zuletzt beim Tabellendritten Berlin City Futsal waren wir wieder richtig gut. Wir sind nach wie vor eine der stärksten Mannschaften in Deutschland, auch dank der tschechischen Nationalspieler in unseren Reihen.

Welche Ziele haben Sie in dieser Saison mit dem VfL?

Wir sind Tabellenführer und wollen uns direkt für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren. In der NOFV-Regionalliga, welche die stärkste in Deutschland ist, sind zwei Teams direkt qualifiziert. Als amtierender Meister müssen wir einfach wieder dabei sein. Alles andere wäre peinlich. Das Halbfinale sollte auf jeden Fall drin sein, mit etwas Glück auch das Endspiel.

Wie entwickeln sich Resonanz und Stimmung beim Futsal?

Die Hallen werden langsam voller, und es gibt auch kleine Fangruppen. Die lautstarke Unterstützung fehlt noch etwas. Das braucht Zeit.

Spielen Sie nur Futsal?

Bei mir steht der Futsal klar im Mittelpunkt. Wenn Trainer Russi Petkov für unser Fußball-Oberligateam Verstärkung braucht, kann er mich aber anrufen. Dann setze ich mich zumindest mit auf die Bank. Aber ich trainiere nicht mehr im Freien, nur noch Futsal.

Wie geht es in der Futsal-Regionalliga weiter?

Wir spielen am Sonnabend gegen den Sechsten aus Neuenhagen in Brandenburg. Da wollen wir natürlich gewinnen.

Was war bei Ihrer Entscheidung für Futsal ausschlaggebend?

Ich finde den Sport einfach attraktiver, weil auch ein Ergebnis von 5:2 noch gedreht werden kann und weil das Spiel jederzeit spannend ist. Es kann ja immer was passieren. Für mich persönlich sind natürlich beim Futsal auch die Möglichkeiten größer. Beim Fußball hätte ich nie international spielen können.

Sie arbeiten als Mechatroniker. Könnte Ihr Beruf irgendwann der eines Futsalprofis sein?

Mein Betrieb Niles-Simmons unterstützt mich wo er nur kann, damit sich Beruf und Sport vereinbaren lassen. Wenn man Futsal professionell betreiben will, muss einem klar sein, dass man nie so viel verdienen kann wie ein Fußballer. Das wird sich auch nur langsam bessern, Futsal muss erst populär werden.

Was ist Futsal?

Der Ursprung liegt in Südamerika. 1930 entwickelte der in Uruguay tätige Sportlehrer Juan Carlos Ceriani Futsal als eine Spielform des Fußballs für Kinder. 1989 wurde Futsal von der Fifa als zusätzlicher Wettbewerb aufgenommen, 1989 die erste Futsal-Weltmeisterschaft ausgetragen.

Verbreitet ist Futsal vor allem in Südamerika, Süd- und Osteuropa. In Spanien gibt es eine eigene Profiliga mit 16 Mannschaften.

Futsal unterscheidet sich von anderen Arten des Hallenfußballs vor allem dadurch, dass das Feld durch Linien (Handballfeld) und nicht durch Banden begrenzt wird. Es wird auf Handballtore mit einem sprungreduzierten Ball gespielt, der etwas kleiner als ein normaler Fußball ist.

Gespielt wird mit fünf Akteuren pro Team, gewechselt werden darf unbegrenzt und fliegend. Die Spielzeit beträgt zweimal 20 Minuten.

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