Oberwiesenthal rüstet sich für Ski-WM

Die Sportstätten am Fichtelberg werden für die nordischen Titelkämpfe der Junioren 2020 saniert. Millioneninvestitionen sollen den Standort fit für die Zukunft machen.

Oberwiesenthal.

Den bei Sportlern typischen Tunnelblick vor dem Wettkampf haben die Organisatoren um Gesamtleiter Christian Freitag noch nicht in den Augen. Das hat sicher damit zu tun, dass der Saisonhöhepunkt für die weltbesten Junioren-Skisportler zeitlich noch in der Ferne liegt. Vom 28. Februar bis 8. März 2020 wird die nordische Junioren-WM (JWM) am Fichtelberg stattfinden. Spätestens aber mit Fertigstellung der größten Investition für das Ereignis, dem Bau eines 130 Meter langen Zugangstunnels am Fuße der Fichtelbergschanze, stellt sich der Tunnelblick von ganz alleine ein. In diesen Tagen schachtet die Chemnitzer Verkehrsbau AG noch das Erdreich weg. Spätestens im Dezember soll der Tunnel aber begehbar sein, Besuchern und Beteiligten einen gefahrlosen Zugang zur Schanze ermöglichen. Weil das durch den alpinen Skibetrieb bisher nicht gewährleistet werden konnte, waren Ski-Großveranstaltungen im Winter zuletzt nicht möglich.

Deshalb sieht Christian Freitag, auch Geschäftsführer des WSC Erzgebirge, die JWM als Riesenchance, künftig in Sachen Sportstätten bestens fürs Training und für Wettkämpfe aufgestellt zu sein. Bei der Deutschen Meisterschaft am 4. Oktober 2017 hatte der damalige Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster die Fichtelbergschanze als "Goldgrube" im Sinne einer perfekten Trainingsanlage bezeichnet. Freitag, Bruder von Skispringer Richard, sieht es vor allem durch die Org.-Brille: "Ich hoffe, dass mit der JWM die Zeiten vorbei sind, als Brötchenpaletten über den Hang zu Fuß an die Schanze getragen wurden. Auch für unseren verdienstvollen Übungsleiter Rainer Köhler freue ich mich, dass er es noch erleben darf, die Geräte zur Präparation der Schanzen nicht mehr im Handschlitten transportieren zu müssen."

Mit einer ersten Pressekonferenz zum Ereignis gab das OK der JWM jüngst den Startschuss quasi auch für die öffentliche Wahrnehmung. Und dass die Erzgebirger ihre Weltmeisterschaft sehr ernst nehmen, zeigte sich schon am zwölfköpfigen Podium, das bei hitzigen Temperaturen vor den Journalisten für die Veranstaltung warb. Zuvor informierten die Organisatoren vor Ort, welche Baustellen im wahrsten Sinne des Wortes noch offen sind. Außer dem Tunnelbau an der Schanze entsteht gerade eine Loipenbrücke nahe dem Start-Ziel-Bereich an der Ski-Arena. Dafür müssen wie an anderen Streckenabschnitten auch vereinzelt noch Bäume weichen. Der Ski-Weltverband FIS schreibt für Wettkämpfe u. a. Mindestbreiten für die Loipe vor. Patrick Burkhardt, Sportkoordinator des Stützpunktes Oberwiesenthal und bei der JWM für die Sportstätten zuständig, sagt: "Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit dem Forst. Bis zwölf Meter Breite sind vorgeschrieben. Es wird eine Herausforderung, bei laufendem Skirollertraining den Brückenbau umzusetzen."

So kurios es klingen mag: Schnee haben die Oberwiesenthaler bereits als eiserne Reserve angelegt, nämlich 4500 Kubikmeter in einem Depot im Wald am alten Schießstand. Dieser muss zugunsten eines Wasserspeicherbeckens für die Kunstschneeproduktion weichen. Ein neuer Schießstand wird im Start-Ziel-Areal gebaut. Eine Schneegarantie wird von der FIS gefordert. Der relativ späte Termin in der ersten Märzwoche sollte diesbezüglich hilfreich sein, aber beim Wetter weiß man weiß ja nie, wie's kommt.

Fest steht, dass es keine temporäre Zuschauer-, sondern eine Naturtribüne entlang der Zielgeraden geben wird. Burkhardt sagt: "Wir wollen zudem Plätze an der Strecke schaffen. Das kommt bei den Athleten gut an. Der Zeitplan für die Baumaßnahmen ist eng, aber wir sind zuversichtlich." Zur Freude aller scheint auch die Posse um einen funktionstüchtigen Lift an der Schanze ein Happy-End zu finden. Nach einigen Bauverzögerungen bestand der sogenannte Mountain-Climber Anfang Juni trotz Startschwierigkeiten seine Feuertaufe. Die Hoffnung, dass die Transportgondel zweckmäßig und zuverlässig arbeitet, verbindet alle Skisprung-Enthusiasten am Fichtelberg.

Zuschauertunnel, Loipenbrücke, Lift, Umkleidecontainer, Ersatzschneefahrzeug - das alles kostet Geld. Christian Freitag und seine Mitstreiter ließen deshalb beim ersten offiziellen Termin keine Möglichkeit aus, sich für die weitreichende Hilfe zu bedanken. Die Sächsische Staatsregierung unterstützt vor den Landtagswahlen am 1. September die Vorhaben mit fünf Millionen Euro für Bauinvestitionen sowie mit einer Million Euro in der Durchführung. Der Landkreis Erzgebirge stellt eine Million Euro bereit. Freitag beziffert den Etat für die reine Durchführung der Veranstaltung mit 1,7 Millionen Euro. Mit der Sparkasse, der Nickelhütte Aue und dem Scheibenberger Elektronikzulieferer Cap Parts wurden drei Sponsoren präsentiert. Dennoch sei man knapp bei Kasse, sagt der OK-Chef.

Das Marketingressort will der austragende WSC deshalb aus eigener Kraft in Person von Tina Engel stemmen. Am 5. Juni ging die Webseite der Veranstaltung online. Weitere Aufgaben stehen an: U. a. sollen die Wettbewerbe per Livestream im Internet übertragen werden. So wird vielleicht auch jenen Skifans geholfen, die sich Eurosport-Ikone Dirk Thiele auf den Bildschirm zurückwünschen. Der 76-jährige Fernsehpreisträger ist neben einem englischsprachigen als deutscher Kommentator im Gespräch.


Jens Weißflog als Schirmherr und Familie Freitag dauerpräsent 

Jens Weißflog konnte als Schirmherr der Veranstaltung gewonnen werden. Die lebende Skisprunglegende wird in diesem Amt von den noch aktiven Assen Katharina Hennig, Eric Frenzel und Richard Freitag unterstützt. Der dreimalige Olympiasieger Weißflog nahm selbst als 16- und 17-Jähriger zweimal an der Junioren-WM teil, kam auf die Ränge 16 und 13. "Deshalb kann ich die Sportler schon mal trösten, bei denen es in Oberwiesenthal nicht so klappt. Auch danach ist noch Zeit für große Ziele."

Seit Ende September 2018 ist klar, dass Oberwiesenthal Ausrichter der nordischen Junioren-WM und der U-23-Klasse im Langlauf ist. Noch sucht der WSC Helfer für die Veranstaltung. Rund 300 werden insgesamt benötigt. Tages-, Wochen-, und Wochenendtickets soll es ab Ende August (rund 10 Euro) geben.

Insgesamt werden 24 Titelträger ermittelt, darunter erstmals in einer Langlauf-Mixedstaffel (U-23) sowie im Mixed-Team der Kombination. Auf Wunsch der Oberwiesenthaler wurde die JWM vom üblichen Termin Ende Januar auf 28. Februar bis 8. März verlegt, um die Quartierfrage für die 950 Teilnehmer lösen zu können.

Familie Freitag könnte vor und während der WM dauerpräsent sein. Neben Schirmherr Richard und Gesamtleiter Christian besteht für Schwesterherz Selina (18) die Chance, sich als Springerin für den Saisonhöhepunkt in der Heimat zu qualifizieren.

Judith Pieper-Köhler ist bereits für die JWM qualifiziert. Die Ex-Pressesprecherin des Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring spricht u. a. perfekt Englisch und wurde als Medienchefin engagiert. (tp)

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