Radprofi Marcus Burghardt löst Wettschuld bei seiner Frau ein

Der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe verlängert die Wettkampfpause für den gebürtigen Erzgebirger. Der Edelhelfer ist nicht böse darüber, zumal er abseits des Rennsattels gefordert war.

Chemnitz.

Der beste deutsche Profi-Radrennstall hat sich Anfang der Woche im Camp auf Mallorca im neuen Outfit für die anstehende Saison präsentiert. Zugleich gab Teamchef Ralph Denk, Lenker und Vordenker des Teams, die Vertragsverlängerungen des Deutschen Meisters Pascal Ackermann sowie von Emanuel Buchmann (jeweils bis Ende 2021) bekannt. Mit Neuverpflichtung Maximilian Schachmann war dem Team aus Raubling in Bayern schon im Jahresverlauf ein Transfercoup gelungen. Der 24-Jährige (bisher bei Quick-Step) gilt als großes deutsches Radsporttalent und ist vor allem wegen seiner Vielseitigkeit begehrt.

Mit Rang drei in der World-Tour-Wertung, dem Gewinn des Grünen Trikots bei der Tour de France durch Peter Sagan sowie dem nationalen Meistertitel blickt Denk auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurück. Deshalb wird die grundsätzliche Herangehensweise, deutsche Talente behutsam aufzubauen, auch für 2019 ähnlich sein. Ziel ist der Gewinn eines der fünf Monumente, zu denen die Frühjahrsklassiker (Mailand-Sanremo, Flandern, Paris- Roubaix, Amstel) und die Lombardei-Rundfahrt im Oktober zählen.

Die Planung sieht vor, dass Ackermann beim Giro d'Italia sein Grand-Tour-Debüt gibt und Buchmann, der aktuell wohl beste deutsche Bergfahrer, dieses Mal seinen Fokus auf die Tour de France legt. Im Sommer hatte der Kletterspezialist die Frankreich-Schleife ausgelassen, um später bei der Spanien-Rundfahrt als Kapitän mit frischen Kräften zu starten. In der dritten Woche allerdings musste der 26-Jährige die weltbesten Profis ziehen lassen. "Meine erste Leaderrolle bei einer Grand Tour konnte ich leider nicht ganz wie erhofft umsetzen, aber generell war meine Saison sehr gut. Ich habe sicher wieder einen Schritt nach vorn in Richtung Spitze gemacht", sagt Buchmann, der 2017 die Tour als 15. beendete und sich diesmal ein Top-Ten-Ergebnis zum Ziel gesetzt hat. An dem in diesem Jahr verpassten Vorhaben, bei einer der drei großen Rundfahrten unter die besten fünf im Gesamtklassement zu fahren, hält Chef Ralph Denk fest.

Und dazu braucht es vor allem gute Helfer. Wasserträger, wie ihn seit Jahren ein Marcus Burghardt darstellt. Der gebürtige Zschopauer, der seine 15. Profisaison in Angriff nimmt, wird erst am 9. März beim Eintagesrennen "Strade Bianche" in Italien seinen Wettkampfeinstieg geben. In der Vergangenheit war er oft in Australien oder Katar in die Saison gestartet. Der spätere Beginn habe aber nichts mit seinen nunmehr 35 Lebensjahren zu tun. "Ich kann auch gut im Training Rennsituationen simulieren. Mir macht das Training nach wie vor sehr viel Spaß. Wichtig sind für mich die Frühjahrsklassiker und die Tour de France", schildert Burghardt.

Nach seiner zehnten Tour und einem erfolgreichen Jahr gönnte sich der Erzgebirger, den es der Liebe wegen nach Bayern verschlagen hat, nur eine Woche Urlaub mit seiner Frau Maria und den Töchtern Lena-Sophia (8) und Teresa (6) in Ägypten. Danach stand daheim Krafttraining an. Nun kommen bis 23. Dezember auf Mallorca viele Radkilometer hinzu. Während der Weihnachtspause hofft Burghardt, mit seinen Töchtern, die im Langlaufverein angemeldet sind, mal eine Runde auf Ski drehen zu können. Am 1. Januar fliegt er zurück auf die Insel, um bei angenehmen Temperaturen wieder im Sattel zu sitzen.

Ganz stressfrei ging es für den 1,89 Meter langen Profi in der wettkampffreien Zeit übrigens nicht zu. Zum einen besorgte er seinem ehemaligen Übungsleiter Klaus Fischer zwölf Paar Ski, Schuhe und Bindungen für das Wintertraining des Venusberger Radnachwuchses. Und zum anderen erinnerte sich Ehefrau Maria an eine Wette, die sie vor den Deutschen Meisterschaften 2017 in der Heimat ihres Gatten vereinbart hatten. Bei einem Titelgewinn in Chemnitz versprach Burghardt seiner Gutsten eine neue Küche. "Wir hatten fünf Wochen eine Baustelle im Haus", schnauft Marcus Burghardt durch. Dabei hatte er als Bora-Profi aufgrund des Hauptsponsors seines Arbeitgebers einfaches Spiel bei der Einlösung. Und das Begleichen der Wettschuld war letztlich gar nicht so uneigennützig, wie man oder Mann vermuten könnte: "Ich koche unheimlich gern. Wenn 20 Leute unangemeldet vor der Tür stehen würden, kriege ich bestimmt was Leckeres hin." Vielleicht hat die große Liebe zu Topf und Pfanne auch was mit den zahlreichen Energieriegeln zu tun, die Marcus Burghardt jedes Jahr im Sattel zu sich nehmen muss ...

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