Spannendes Duell zweier Weltmeister

Beim Internationalen Werfertag in Thum sorgten die Kugelstoßer für den abschließenden Höhepunkt. Der Neuseeländer Tom Walsh kam nach seinem Wettkampf ins Staunen.

Thum.

Der Sachse David Storl hat bisher mit seinen zahlreichen außergewöhnlichen Leistungen sein heimatliches Bundesland weit über die deutschen Grenzen hinaus würdig vertreten. Immerhin ist der Rochlitzer Kugelstoßer Olympiazweiter, Welt- und Europameister. Nun hat er sich nachdrücklich auch dafür "qualifiziert", Botschafter des Tourismusverbandes Erzgebirge zu werden. Denn bei den Siegerehrungen des Internationalen Thumer Werfertages erhielten die Besten auch ein Räuchermännchen als Präsent. Tom Walsh aus Neuseeland, Weltmeister im Freien und in der Halle, wusste damit jedoch zunächst wenig anzufangen. "Ich habe ihm erst einmal erklärt, was es mit der Figur auf sich hat, denn in Neuseeland dürfte man das nicht kennen. Ich werde ihm noch ein paar Räucherkerzen versorgen. Es ist doch schön, so die Kultur aus dem Erzgebirge in die ganze Welt zu schicken", meinte David Storl und schmunzelte.

Zuvor verteilten die beiden Weltklasseathleten auf der Kugelstoßanlage jedoch keine Geschenke, sondern lieferten sich ein packendes Duell. Der Deutsche ging vor rund 3000 begeisterten Zuschauern im zweiten Durchgang mit 21,62 Metern in Führung, Walsh konterte beim nächsten Auftritt und wuchtete die Kugel auf den neuen Meetingrekord von 21,71 Meter In den weiteren Versuchen kämpften beide um eine Verbesserung ihrer Resultate. Aber schließlich blieb es dabei, dass sich Storl trotz persönlicher Saisonbestweite um neun Zentimeter geschlagen geben musste. "Nach der Europameisterschaft habe ich mir nur einen freien Tag gegönnt und dann wieder Vollgas im Kraft- und Aufbautraining gegeben. Da war ich Anfang der Woche ganz schön kaputt und bin deshalb sehr froh, dass mir hier so ein Wurf gelungen ist", berichtete der 28-Jährige, der vor wenigen Tagen bei der EM in Berlin Bronze geholt hatte.

"Die EM hat vielleicht die Leute noch zusätzlich motiviert, nach Thum zu kommen. Ich bin hier immer wieder gern dabei und freue mich auf die Konkurrenz. Das sieht man auch bei meinen Leistungen. Ich glaube, dass ich hier noch nie einen schlechten Wettkampf abgeliefert habe", erklärte der Hüne, der für den SC DHfK Leipzig startet. Nach Wettkampfende schrieb er geduldig Autogramme im Akkord und ließ sich mit zahlreichen Fans ablichten.

David Storl steigt das nächste Mal am kommenden Wochenende beim Meeting in Bad Köstritz in den Ring und möchte in Thüringen sportlich nochmal eine Schippe auflegen. Dann geht es Ende des Monats zum Finale der Diamond League nach Zürich. "In der Schweiz sind alle Jungs da. Wenn du Pech hast, wirst du dort mit 22 Metern Dritter. Mein Saisonabschluss findet dann im Zagreb statt", blickte David Storl auf sein Pensum in den kommenden Wochen voraus. "Kugelstoßen ist kein Ponyhof, da muss man stets hart arbeiten, um dranzubleiben. Es gibt fünf, sechs Leute, die 21 Meter und weiter stoßen können. Das ist inzwischen ein unglaubliches Niveau", fügte er hinzu.

Lokalmatadorin Christina Schwanitz, die gleichfalls von den Anhängern besonders gefeiert wurde, hatte praktisch gar keine Zeit, ihren Sieg zu genießen. Denn sie musste am Sonnabendfrüh bereits um 2 Uhr nach Frankfurt (Main) fahren, um von dort aus nach Birmingham zu fliegen. Beim Diamond Meeting konnte sie dann am Nachmittag dennoch einen weiteren Erfolg feiern. Sie nahm dabei erfolgreich Revanche und gewann mit 18,20 Metern vor der Polin Paulina Guba (17,92 m), die sie bei der EM im letzten Versuch von der Spitze verdrängt hatte.

In Thum holte sich die 32-Jährige mit 18,84 Metern den Sieg vor Dimitriana Surdu aus Moldawien (18,18 m). "Natürlich wollte ich zu Hause gern eine 19 vor dem Komma und so dem Publikum zusätzlich etwas bieten. Doch das machen wir dann nächstes Jahr wieder", lächelte Christina Schwanitz. Sie gab zu, dass sie nach EM-Silber in ein kleines mentales Loch gefallen war: "Es war schon hart, sich nach diesem Jahreshöhepunkt für die tägliche Trainingsarbeit wieder zu motivieren." Doch davon war bei ihren Auftritten vor heimischer Kulisse nichts zu spüren. "Es ist jedes Jahr ein Klassewettkampf mit einem coolen Publikum. Und die Leute kommen nicht her und fordern, dass die Athleten über sich hinauswachsen müssen. Vielmehr können sie die Leistungen realistisch einschätzen und wissen sie zu würdigen", wertete die Welt-und Europameisterin, die seit einem Jahr Mutter von Zwillingen ist und jedes Mal aufs Neue beim Thumer Meeting ins Schwärmen gerät.


"Die Kulisse wirkte wie ein große Familie" 

Europameisterin Christin Hussong gewann mit neuem Meetingrekord von 65,07 Metern das Speerwerfen. Knut Berger sprach mit der 24-Jährigen. 

 

Freie Presse: Sie haben mit einer mehr als ansprechenden Weite gewonnen. Hatten sie das im Vorfeld erwartet?

Christin Hussong: Ich hatte mir für das Meeting in Thum das Ziel gesetzt, wenigstens einmal die 60-Meter- Marke zu knacken. Dass es dann soweit ging, hätte ich vorher überhaupt nicht gedacht. Es waren sogar alle Würfe über 60 Meter. Das habe ich bisher in meiner Karriere noch nie geschafft.

Es war bei der Konkurrenz aber ein hartes Stück Arbeit, bis Ihr Erfolg feststand ...

Ja, denn Nikola Ogrodnikova aus Tschechien hatte mit 64,34 Metern ebenfalls weit geworfen. Ich war aber froh, dass sie das geschafft hat. Denn dies hat mich noch mehr angetrieben und dafür gesorgt, dass es ein Superabend wurde.

Wie haben Sie die Atmosphäre im Stadion erlebt?

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Es kommt ja sehr selten vor, dass die Zuschauer so nahe an unserem Wurfring dran sind. Die Kulisse wirkte wie eine große Familie.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Im nächsten Jahr visiere ich die Weltmeisterschaft an. Und dann habe ich natürlich Olympia in Tokio 2020 fest im Blick. Nachdem ich 2014 und jetzt in Thum war, würde ich auch gern wiederkommen, wenn es eine Speerwurfkonkurrenz gibt.


 

Meinungen 

 

Diskussieger Martin Wierig vom SC Magdeburg: "Ich hatte das Training etwas heruntergefahren. Dafür ist meine Weite von 64,49 Metern gut. In Deutschland gibt es einige Werfertage, doch in Thum kommen immer außergewöhnlich viele Zuschauer. Zudem ist die Anlage sehr schön, ich bin immer gern hier."

Organisationschef Sven Lang vom LV Erzgebirge: "Wir mussten dieses Mal sogar im Laufe der Veranstaltung nochmal zusätzlich Verpflegung organisieren. Die Resonanz war wieder super und noch größer als im vergangenen Jahr." (kbe)

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