"Turnsport auf höchstem Niveau"

Frauen-Länderkampf in Chemnitz als abschließender Olympiatest - Trainerin Gabi Frehse bei Entscheidungen in Rio nur Zuschauerin

Chemnitz.

Die deutsche Turn-Olympiamannschaft der Frauen bestreitet am Sonnabend in Chemnitz einen Länderkampf mit den Teams aus Frankreich, Belgien und der Schweiz. Außerdem stellen sich aus Rumänien, Österreich und Venezuela die olympischen Einzelstarterinnen vor. Mit Cheforganisatorin und Trainerin Gabi Frehse vom veranstaltenden TuS Altendorf sprach Martina Martin.

Freie Presse: Was erwartet die Zuschauer bei diesem Länderkampf?

Gabi Frehse: Auf einen Nenner gebracht: hochkarätigen Turnsport. Es sind drei Olympiamannschaften sowie erfolgreiche Einzelturnerinnen, die zur Weltelite gehören und auch für Rio beste Chancen für Spitzenplätze besitzen, live zu erleben.

Welche Turnerinnen würden Sie vor allem hervorheben?

Ich denke da besonders an die beiden Rumäninnen Catalina Ponor, die schon 2004 dreifache Olympiasiegerin war, und Larissa Iordache. Beide standen in London mit ihrem Team auf dem Treppchen, sind mehrfache WM- und EM-Medaillengewinnerinnen. Rumänien als traditionsreiche Turnnation konnte sich ja als Team überraschend nicht für Rio qualifizieren. Die Schweizer kommen mit Mehrkampf-Europameisterin Julia Steingruber. Und dann haben wir im deutschen Aufgebot mit Elisabeth Seitz, Kim Bui und unseren beiden Chemnitzerinnen Sophie Scheder und Pauline Schäfer, die im vorigen Jahr WM-Bronze am Schwebebalken gewann, vier Turnerinnen, die schon bei WM und EM die Finals erreichten.

Wie würden Sie den Wert des Wettkampfes beschreiben?

Er ist für jede Teilnehmerin der letzte Test vor Rio, alle werden ihr volles Olympiaprogramm zeigen. Man sieht, wo es noch Probleme gibt. Aber die Mädchen sollen vor allem weiteres Selbstvertrauen tanken. Unsere fünf deutschen Starterinnen hatten bereits bei der zweiten Qualifikation vor zwei Wochen ihre starke Form nachgewiesen, waren alle im Mehrkampf ohne grobe Fehler durchgekommen. Solch ein hohes Niveau hatten wir bei den Frauen in Deutschland noch nie.

Was war ausschlaggebend, dass sich Ihr Verein für diesen Länderkampf bewarb?

Wir wollen, dass die Turnerinnen einen tollen Abschluss vor Olympia haben. So alle zwei Jahre bemühen wir uns, den Anhängern unseres schönen Sports ein Highlight zu bieten. Es gibt ja sonst auch keine Möglichkeiten, dass sich die Chemnitzerinnen mal vor heimischer Kulisse präsentieren können. Beide freuen sich übrigens riesig darauf. Obwohl es organisatorisch für uns immer ein gigantischer Aufwand ist, machen wir es gern. Und die stets große Resonanz sehen wir als besten Lohn. Wenn ich beispielsweise an den Länderkampf gegen die USA 2013 denke, als über 2000 Zuschauer für eine Superstimmung sorgten. Deshalb hoffen wir, dass die Halle auch dieses Mal voll wird.

Für das Ereignis wirbt in einem Trailer, der auch im Internet zu sehen ist, neben Turnkollege Andreas Bretschneider auch Bahnrad-Weltmeister Joachim Eilers. Wie kam es dazu?

Wir fragten bei beiden an und sie sagten uns sofort ihre Unterstützung zu. Das war recht unkompliziert. Zu den Radsportlern haben wir einen engen Kontakt, zumal sie ja oft im Kraftraum neben unserer Halle trainieren. Generell existiert unter den Chemnitzer Sportlern ein gutes Zusammenwirken.

Sie absolvieren aktuell mit dem Olympiateam einen Lehrgang in Frankfurt (Main). Verläuft die Vorbereitung planmäßig?

Im Großen und Ganzen kann man das sagen. Wir widmen uns derzeit vor allem sehr intensiv der Stabilität der Übungen. Leider musste Sophie vergangene Woche wegen eines Infektes drei Tage pausieren. Das hat sie ein wenig zurückgeworfen. Aber ich hoffe, dass sie schnell wieder fit wird, um ihr Programm vollständig zu bewältigen.

Erstmals starten zwei Schützlinge von Ihnen bei Olympia. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Es ist für mich als Trainerin das bisher Größte, was ich beruflich in den nunmehr 39 Jahren erreicht habe. Bei den Spielen 2008 in Peking war Joeline Möbius die erste Olympiateilnehmerin unseres Vereins, nun schafften es zwei Turnerinnen. Darauf sind wir stolz, es war bis hierher gemeinsam ein langer und harter Weg. Beide sind ja extra nach Chemnitz gewechselt, um sich diesen Traum von Olympia zu verwirklichen. Dass sich beide so ein hohes Niveau erarbeiten können, daran war anfangs nicht zu denken. Nun hoffe ich sehnlich, dass sich ihre Wünsche erfüllen und sie an ihren jeweiligen Paradegeräten auch in die Finals einziehen.

Sie werden mit nach Rio reisen, gehören aber nicht direkt zum Olympiateam. Ärgert Sie das?

Natürlich wäre ich gern in das Team integriert, aber es gibt nur zwei offizielle Trainer-Akkreditierungen pro Mannschaft. Diese bekamen Cheftrainerin Ulla Koch und mein Stuttgarter Kollege Robert Mai, der drei Turnerinnen dabeihat. Klar, bin ich traurig, aber ich akzeptiere die Entscheidung. Ich fliege mit nach Rio, bekomme aber keine Einkleidung, kann auch nicht ins olympische Dorf. Gemeinsam mit Ersatzturnerin Pauline Tratz bewohne ich ein Appartement. Bei den Wettkämpfen sitze ich als Zuschauerin auf der Tribüne. Wenn meine Turnerinnen es bis ins Finale schaffen, wurde mir zugesagt, dass ich sie sie dann im Training bis dahin betreuen darf.

Wolfgang Hambüchen, der Vater und Trainer vom deutschen Erfolgsturner Fabian, erhielt vom DOSB eine Akkreditierung als "personal coach". Diese Möglichkeit gab es wohl für Sie nicht?

Die Anzahl dieser Akkreditierungen ist beschränkt, da werden nur wenige erteilt. Dass die Wahl auf Wolfgang Hambüchen fiel, finde ich völlig in Ordnung, da gibt es keinen Neid. In London saß er auch draußen, und jetzt darf er nur beim Training direkt dabei sein. Beide haben so viel für das deutsche Turnen geleistet, Fabi kann bei seinen vierten Spielen gleichfalls eine Medaille gewinnen. Das Problem ist doch, dass der DOSB die Arbeit der Heimtrainer generell stärker anerkennen müsste, wie wichtig sie gerade für die Betreuung ihrer Athleten bei den wichtigsten Wettkämpfen sind. Andere wie mein Chemnitzer Radsportkollege Ralph Müller, der ebenso zwei Medaillenkandidaten in Rio hat, müssen ganz zu Hause bleiben.

Länderkampf: Sonnabend, ab 16 Uhr in der Chemnitzer Hartmannhalle; Kartenbestellung bis Donnerstag unter 0371-363522.

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